Lena Odenthal feiert ihr 25. Dienstjubiläum



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Tough, stark und kein bisschen müde

Ulrike Folkerts verkörpert seit 25 Jahren Kommissarin Lena Odenthal

Der Tatort „Blackout“, der seine TV-Premiere am 26. Oktober 2014 im Ersten Programm der ARD feiert, ist ihr nunmehr 60. Fall: Die Figur der Hauptkommissarin Lena Odenthal aus Ludwigshafen ist seit 25 Jahren fester Bestandteil der Tatortreihe – und scheint dabei kaum in die Jahre gekommen zu sein. Sie ist zäh, sie ist sportlich, sie weiß, was sie will. – Und zugleich sie ist die dienstälteste Tatort-Kommissarin. Der Schauspielerin Ulrike Folkerts scheint die Rolle wie auf den Leib geschnitten zu sein.

Die Zahl der weiblichen Tatort-Ermittlerinnen seit Beginn der Krimiserie ist schnell gezählt. Nicole Heesters verkörperte 1978 die erste Kommissarin der Tatort-Reihe: Marianne Buchmüller von der Kripo Mainz. Sie war Leiterin der Mordkommission, Anfang 40 und ledig. Ihre Kompetenz wurde selten offen angezweifelt, und die Hierarchie im Kommissariat war klar strukturiert; einige Kollegen empfanden die Situation mit einer Frau als Vorgesetzten allerdings als sehr gewöhnungsbedürftig. Nach nur drei Tatort-Einsätzen verschwand Hauptkommissarin Buchmüller von den westdeutschen Fernsehbildschirmen wieder. Ihr letzter Fall „Der gelbe Unterrock“ (Tatort-Folge 109) landete sogar im berüchtigten „Giftschrank“ der ARD und wurde seit der Erstausstrahlung im Februar 1980 nie wieder gezeigt.

Es folgten Kommissarin Hanne Wiegand in den 80er Jahren, die Bremer Ermittlerin Inga Lürsen, Charlotte Lindholm aus Hannover, Klara Blum aus Konstanz und die Leipziger Fahnderin Eva Saalfeld. In Wien ermittelt Bibi Fellner an der Seite von Chefinspektor Eisner, in Luzern Liz Ritschard, um einige der Ermittlerinnen zu nennen, die in die Fußstapfen der Tatort-„Mutter“ Buchmüller getreten sind. Doch einige von ihnen erwecken den Anschein, als assistieren sie den männlichen Kollegen vielmehr, als dass sie selbst die kriminalistischen Untersuchungen leiten.
Lena Odenthal ist anders. Sie gibt den Ton an.

tatort-die-neue-lena-odenthal-5Die dynamische Frau tauchte erstmals in Tatort-Folge 224 „Die Neue“ am 29. Oktober 1989 auf den Mattscheiben der Bundesrepublik auf. In 25 Jahren hat sie sich ihren Platz in der Krimireihe wortwörtlich erkämpft. Lena musste bei so manchem Fall hart zupacken, Nerven zeigen und Schwächen verbergen. Dass die toughe Kommissarin aber durchaus auch eine sensible, emotionale Seite hat, war gleichermaßen in vielen ihrer Tatort-Einsätze ein Thema.

Die Figur der Kommissarin Odenthal hat sich seit 1989 stetig weiterentwickelt. So trat die Schauspielerin Ulrike Folkerts zu Beginn ihrer Tatort-Karriere noch mit kurzem, burschikos wirkendem Haarschnitt auf und trug bevorzugt eine schwarze Lederjacke. Mit ihrem selbstbewussten Auftreten stand sie ihren männlichen Kollegen in nichts nach. Ehemals stählte Lena Odenthal ihren sportlichen, durchtrainierten Körper durch zahlreiche Schwimmzüge, heute joggt sie lieber. Die Kriminalbeamtin ist 2014 deutlich reifer als früher, aber keineswegs weniger attraktiv.

TatortLenas Haare sind mittlerweile schulterlang, sie wirkt nun weitaus „weicher“ als zu der Zeit, als sie „die Neue“ war im Kommissariat Ludwigshafen. Zwar ist Odenthal im Laufe ihrer Dienstjahre besonnener und weniger rebellisch geworden, doch im Herzen ist die Kommissarin noch immer eine unerschrockene Verfechterin der Gerechtigkeit. Zivilcourage ist für Lena Odenthal eine Selbstverständlichkeit, und wo Unrecht geschieht, da setzt sich die leidenschaftliche Fahnderin jederzeit für die Schwachen ein – wenn es sein muss, mit Hilfe ihrer geballten Fäuste.

Gewalt wendet die Ludwigshafenerin in den aktuelleren Tatort-Folgen jedoch seltener an früher. Ja, die Odenthal handelt überlegter – was nicht bedeutet, dass sie nicht trotzdem regelmäßig aus der Haut fährt. Sie ist eine Frau mit Macken und keineswegs die perfekte Ermittlerin. Auch Lena hat ihre Grenzen, schätzt Situationen falsch ein und eckt mit Vorgesetzten an.
Besonders das macht die Protagonistin der Ludwigshafen-Tatorte seit nunmehr 25 Jahren beim Publikum so beliebt und dauerhaft erfolgreich: Ulrike Folkerts spielt überzeugend eine ehrgeizige Karrierefrau, die kalt und stark sein kann, wenn es der Job erfordert. Doch alles, was für Lena Odenthal zählt, ist der menschliche Aspekt, der hinter der Polizeiarbeit steckt. Lena hat ein gutes Herz und handelt danach.

Anders als zur Zeit ihres Tatort-Einstiegs stürzt sich die Kommissarin heute allerdings nicht mehr ungestüm in gefährliche Situationen, im Fokus der Geschichte steht inzwischen eher eine wirklichkeitsgetreue Abbildung der Ermittlungsarbeit. Daher finden immer häufiger aktuelle Themen Einzug in die Drehbücher der SWR-Tatorte.
Auch die Männer – und Frauen – an Lena Odenthals Seite waren in den vergangenen Tatort-Jahrzehnten stets ein Thema. Verschiedene Kollegen haben die Kommissarin im Laufe der Jahre bei ihrer Arbeit unterstützt. Dabei hat sie mit Männern nie ein Problem gehabt, sie wurde in aller Regel als Frau respektiert und für ihre Stärke geachtet. Assistenten wie Ferdi Robotka und Karin Feller arbeiteten in den vergangenen Jahren mit Odenthal zusammen.

Lena Odenthal mit Ben Becker

 
Privat ging Lena so manches Verhältnis mit einem Mann ein, unter anderem mit dem jungen Polizisten Stefan Tries, gespielt von Ben Becker im Tatort „Der Tod im Häcksler“ aus dem Jahr 1991. Erst zehn Jahre später, in Tatort-Folge 474 „Fette Krieger“, zeigte Lena ihre wahre lesbische Neigung erstmals deutlich und gab einer Frau einen leidenschaftlichen Kuss. BestOf27-Lena_mit_Katze_einzig konstante liebeZeit für eine Partnerin hat die Kommissarin allerdings nicht: ihre Arbeit ist der ambitionierten Fahnderin deutlich wichtiger. Lena Odenthal hat keine Familie, nur einen Kater namens Mikesch, um den sie sich hingebungsvoll kümmert.

Die lange Zeit der Einsamkeit war vorbei, als sie den Halbitaliener Mario Kopper, dargestellt von Andreas Hoppe, kennenlernte. 1996, im Tatort „Der kalte Tod“ (Folge 343), trafen die beiden Ermittler das erste Mal aufeinander. Seitdem arbeiten sie Hand in Hand zusammen; jeder kann sich auf den anderen blindlings verlassen. Aus dem kollegialen Verhältnis hat sich mit den Jahren eine enge Freundschaft entwickelt. Mario zog schließlich sogar bei Lena ein, und zwar in der Episode „Der schwarze Ritter“ (Folge 443), vier Jahre nach dem ersten Aufeinandertreffen der zwei Tatort-Kommissare. Seine Gesellschaft auch außerhalb des Büros tut Lena gut. Darüber hinaus hilft er ihr im Job selbst die schwierigsten Fälle zu lösen:

Kommissarin Odenthal verschwand nämlich im „All“, musste sich unter Ex-Häftlinge und zwischen Soldaten mischen, gegen Kinderschänder und dubiose Sporttrainer ermitteln. Auch in den eigenen Reihen gab es schwarze Schafe, außerdem im Ärztemilieu. Lena untersuchte Sexualdelikte und inszenierte Selbstmorde, wurde mit Serienmördern, Insassen aus der Forensik und Sektenmitgliedern konfrontiert. In der Episode „Hauch des Todes“ (Folge 768) geriet die Kriminalbeamtin im Jahr 2010 in akute Lebensgefahr, vom Täter eingewickelt in Folie, dem qualvollen Ertrinken nah – wie gut, dass ihr Mario Kopper noch rechtzeitig zu Hilfe kam.


6 Meinungen zum Lena Odenthal feiert ihr 25. Dienstjubiläum

  • Hansheinrichhugoherold Wilfried • am 9.11.14 um 14:40 Uhr

    Ich hoffe, dass ihr 25 Jahre demnächst genug sind. Nochmal 25 Jahre wäre ja nicht auszuhalten.


  • Betti • am 19.11.14 um 19:07 Uhr

    Mir gefallen die Tatorte mit Lena Odenthal. Ulrike Folkerts ist wirklich überzeugend, ich mag ihre Art. Von mir aus könnte es ewig so weiter gehen.
    Im letzten Tatort, als Kopper in Urlaub war, habe ich mir Sorgen gemacht, ob auch Lena demnächst nur noch in Wiederholungen zu sehen sein wird…. so wie Ritter und Stark, um die ich es auch sehr schade finde.


  • Peter • am 31.12.14 um 9:25 Uhr

    Ich hoffe, das Frau Folkerts das noch ein wenig weitermacht, sehe aber auch schon vieles an
    aufkommendem „Wetterleuchten“. So in einer Dienst- Zeitlinie mit Ballauf & Schenk aus Köln.

    Das eine Kommissarin im Dienst auch MAL abgespannt, fahrig, ja sogar überfordert sein kann,
    das man dieses selbstverständlich auch mal in der Darstellung thematisieren kann – wenn die eigentliche Handlung ANDERS aufgefangen, parallel weiter getragen wird,
    das steht für mich doch außer Frage!
    Da erwarte ich aber jetzt wieder kräftige, konzentrierte Leistungen im Dienst von
    Frau Kommissarin Odenthal, mutige Alleingänge, Führungsstärke UND vielleicht nochmal
    ne‘ schöne späte lesbische Liebe! Ne‘ Neue im Kommissariat? – dann geplant, langsam! abtreten?
    Das kannste doch jetzt voll ausspielen. Kann oder will Sie das so nicht mehr?
    Es wär schade, wär wirklich ein verpaßtes Ding. Ich freue mich sehr auf die Jubiläumsfolge.
    Alles Liebe zum 25., herzlichen Dank für so viele wunderbare Filme!,
    aus Berlin, Peter


  • anne winter • am 20.2.15 um 16:10 Uhr

    Ich hoffe das Sie noch weiter macht, eine von die besten Tatorts.


  • Gabrielle • am 20.3.15 um 20:20 Uhr

    Für mich ist Lena Odenthal eine der besten Tatort-Kommissarinnen! Mir ist ein völliges Rätsel, warum Maria Furtwängler als beliebteste weibliche Kommissarin abgeschnitten hat… wer hat hier abgestimmt? Ich jedenfalls nicht! Als Charlotte Lindholm ist sie ganz gut, keine Frage; aber ihre öffentlichen Auftritte im „real life“, in denen sich Maria Furtwängler dermaßen peinlich und ichbezogen in den Vordergrund spielt, haben mir die Figur der Charlotte Lindholm etwas vermiest…


  • freund, barbara • am 14.8.16 um 21:52 Uhr

    Mich würde interessieren, wem Kater Mikesch in Wirklichkeit gehört !?!


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