Polizeiruf 110: Muttertag



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Polizeiruf 110: Muttertag 3 6

Der Polizeiruf 110 mit Hauptkommissarin Olga Lenski (Maria Simon) und Kollege Adam Raczek (Lucas Gregorowicz), die an der deutsch-polnischen Grenze bei Frankfurt an der Oder ermitteln, geht in die dritte Runde. „Muttertag“ heißt der Fall, der nicht nur Lenski als Mutter einer vierjährigen Tochter an ihre Organisations- und Belastbarkeitsgrenze bringt. Auch Enrico, Hauptverdächtiger im Fall, und seine Mutter Heidi Schoppe haben eine emotionale Achterbahnfahrt vor sich.

Der Fernsehkrimi „Muttertag“ feiert termingerecht an Muttertag 2017, also am 14. Mai, ab 20.15 Uhr im Ersten seine Premiere.

Inhalt der Polizeiruf 110-Folge „Muttertag“

Das Opfer im Polizeiruf „Muttertag“ wurde grausam zugerichtet. Im „Krzywy Las“ in Polen, zu Deutsch „Krummer Wald“ – 30 Kilometer südlich von Stettin / Szczecin – liegt Janusz Kubiak, 38 Jahre, auf dem Rücken. Sein Gesicht ist blutverschmiert, sein Oberkörper weist zahlreiche Hämatome auf. Getötet wurde der Mann mit einem kräftigen Schlag auf den Hinterkopf. Der Pole, in Szczecin lebend, hinterlässt eine Frau und zwei Kinder. Er war der Chef eines kleinen Tischlerei-Unternehmens mit Namen Schody.

Was hat Kubiak in dem Wald mit den bizarren, krumm gewachsenen Kiefern gemacht? Die Indizien am Tatort deuten darauf hin, dass auch eine Frau anwesend war, außerdem eine dritte Person. Die Tatwaffe, ein schwerer Ast, kann in der Nähe der Leiche sichergestellt werden. Zwei Augenzeugen haben einen blauen Kleinwagen mit den deutschen Kennzeichenteilen UM für Uckermark beobachtet, der kurz nach der Tatzeit aus dem besagten Waldstück fuhr; eine aufgerissene Ölwanne sorgte für frische Ölspuren am Tatort. Weitere Zeugen haben einen Streit mitangehört, der am Abend aus Richtung „Krzywy Las“ kam. In der lautstarken Auseinandersetzung wurde Deutsch gesprochen.

Im zuständigen deutsch-polnischen Kommissariat in Swiecko überträgt Inspektor Karol Pawlak seinen beiden Mitarbeitern Olga Lenski und Adam Raczek den Fall. Dass Lenski ihre vierjährige Tochter Alma einmal mehr mit zur Arbeit bringt, da sie in „Muttertag“ auf die Schnelle keinen Babysitter finden konnte, stößt bei ihrem Kollegen Raczek auf wenig Begeisterung. Überhaupt fühlt sich die alleinerziehende, berufstätige Mutter von ihrem Kollegium unverstanden. Sie, vor einem Jahr erst von Potsdam zur neuen Dienststelle nahe Polen gezogen, hat bislang nur wenige Freundschaften aufbauen können. Auch Alma hat kaum Freunde, bei denen sie zwischendurch unterkommen könnte. Ob die Ermittlerin den Antrag auf Dienstverlängerung unterschreiben soll? Sie ist in dieser Polizeiruf-Folge hin- und hergerissen. In ihrer Heimat wäre sicher vieles leichter …
Als sich herausstellt, dass eine Person aus dem Kommissariat sogar Beschwerde gegen sie eingereicht hat, bestärkt das Lenskis Zweifel an der gegenwärtigen Situation.

Doch zunächst heißt es: Die Ermittlungen in einem Mordfall sind zu führen, und zwar mit dem eigenen Kind im Schlepptau. Die Kommissare fahren also samt einer Vierjährigen auf dem Rücksitz zur Witwe Kubiak, die allerdings kaum vernehmungsfähig ist. Ein Mitarbeiter ihres verstorbenen Mannes verrät Adam Raczek im Vertrauen, dass sein Chef eine außereheliche Affäre mit einer deutschen Kundin unterhielt: Sabrina Uhl. Anders als Janusz Kubiak seiner Frau am Abend seines Todes vorgegaukelt hatte, war der also nicht zu einem Geschäftstermin an die Ostsee gefahren, sondern hatte sich erneut mit seiner Geliebten getroffen. Die Ermittlungen im Fall „Muttertag“ ergeben, dass Uhl im kleinen Dorf Wüsterow lebt, nur zehn Minuten Autofahrt von der Grenze entfernt.

Nachdem Lenskis Tochter endlich untergebracht ist, fahren die Kriminalhauptkommissare im Polizeiruf 110 weiter zu Sabrina Uhls Wohnsitz. Hier treffen sie auf deren Mutter Liane, die ihre Tochter schon seit einem Tag vermisst. Die beste Freundin Sabrinas berichtet, dass sie zuletzt mit der jungen Frau telefoniert habe, da sei noch alles in Ordnung gewesen. Olga Lenski findet schließlich eine Spur im Haus von Sabrina, die ihr bestätigt: sie war diejenige, mit der sich Kubiak im Wald traf. Die zwei hatten offenbar kurz vor einer unerklärlichen Eskalation Geschlechtsverkehr miteinander. Stellt sich nun die Frage, wer der unbekannte Dritte vor Ort war. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist er der Schlüssel zum Fall.

Die Kommissare Lenski und Raczek landen bei Heidi Schoppe und ihrem Sohn Enrico. Der Anfang 20-Jährige ist im Dorf nicht sonderlich beliebt, das merken die Fahnder schnell. Selbst der Dorfpolizist scheint es auf den jungen Mann abgesehen zu haben, der mit kleineren Delikten einmal zu oft negativ auffiel. Enrico war ein guter Freund von Sabrina, der sogar einen GPS-Tracker an ihrem Auto angebracht hatte, um dieses jederzeit orten zu können. Tatsächlich kann Enrico Schoppe der Kriminalpolizei den Standort von Sabrinas Wagen nennen, doch der ist verlassen und wurde seit Stunden nicht bewegt. Darüber hinaus verhält sich Enrico verdächtig, doch seine Mutter Heidi schützt ihn unentwegt und gibt ihm sogar ein Alibi.

Der Fall „Muttertag“ wird immer undurchsichtiger und die Kriminalbeamten sind am Rätseln, was in der Tatnacht im Wald wirklich geschah. Die Emotionen aller beteiligten Personen kochen mehr und mehr hoch; Trauer, Wut, Verzweiflung, Ratlosigkeit und sehr viel Mutterliebe mischen sich zu einem brisanten Cocktail. Insbesondere Heidi Schoppen kämpft mit ganzer Kraft gegen die Vorurteile, die ihrem Sohn entgegengebracht werden. Anerkennung, ein vernünftiger Job und Erfolg ist das, was sie sich für ihn wünscht. Doch dann wird ihr Grundvertrauen in Enrico schwer erschüttert …

 
Das Drehbuch zum dritten Polizeiruf 110 mit dem Team Lenski und Raczek schrieben Eoin Moore und Anika Wangard, die beide in der Uckermark leben und bereits in Kooperation die Vorlage zum Polizeiruf-Zweiteiler „Wendemanöver Teil 1“ und „Wendemanöver Teil 2“ (Erstausstrahlung September/Oktober 2015) verfassten.

Die Filmarbeiten zum RBB-Krimi „Muttertag“ fanden vom 27. September bis 28. Oktober 2016 statt. Das gezeigt Dorf Wüsterow ist fiktiv und wurde in der Gemeinde Ziethen, genauer im Ortsteil Groß Ziehten, gedreht. Zudem dienten Gryfino, Szczecin und die Umgebung von Schwedt als Kulissen. Der „Krumme Wald“ ist denkmalgeschützt und umfasst etwa 1,7 Hektar Fläche. Der „Krzywy Las“ liegt in der Nähe von Nowe Czarnowo bei Gryfino; 94 krumme Kiefern gaben ihm seinen Namen. Warum die Bäume derart gewachsen sind, ist bis heute nicht geklärt.

Die Redaktion von Tatort-fans meint …

Sabine (37 J. | Kinoliebhaberin)

Ein gut gemachter, solider Polizeiruf-Krimi mit einigen exzellenten Darstellern. Die Geschichte lebt vom intensiven Spiel Ulrike Krumbiegels (Mutter Heidi Schoppen), doch auch Maria Simon (Olga Lenski) liefert glaubhafte Emotionen ab. Daumen hoch!

Gerald (37 J. | IT-Nerd)

Interessant erzählter Krimi mit Irrungen und Wirrungen von der deutsch-polnischen Grenze. Die beiden Kommissare fangen an besser miteinander zurecht zu kommen, einige Szenen sind zum Schmunzeln. Kann man gut einschalten.

Polizeiruf-Besetzung

Hauptkommissarin Olga Lenski – Maria Simon
Hauptkommissar Adam Raczek – Lucas Gregorowicz
Inspektor Karol Pawlak – Robert Gonera
Oberkommissar Kopp – Jörg Westphal
Komisarz Wiktor Krol – Klausiusz Kaufmann
Polizeihauptmeister Wolfgang „Wolle“ Neumann – Fritz Roth
Gerichtsmediziner Dr. Marian Kaminski – Tomek Nowicki
Starszy Aspirant Edyta Wisniewski – Katharina Bellena
Melanie Opitz – Anjorka Strechel
Heidi Schoppe – Ulrike Krumbiegel
Enrico Schoppe – Anton Spieker
Liane Uhl – Kathleen Gallego Zapata
Sabrina Uhl – Jennifer Krannich
u.a.

Polizeiruf-Stab

Drehbuch – Eoin Moore, Anika Wangard
Regie – Eoin Moore
Kamera – Florian Foest
Schnitt – Dagmar Lichius
Ton – Erich Lutz
Musik – Warner Poland und Wolfgang Glum von Monobeat, Kai-Uwe Kohlschmidt

Bilder-Galerie zum Krimi aus Frankfurt (Oder)


7 Meinungen zum Polizeiruf 110: Muttertag

  • Thorsten • am 14.5.17 um 21:22 Uhr

    Ein solider, spannender Krimi mit hervorragenden Schauspielern und viel Lokalkolorit aus der wahrscheinlich trostlosesten Ecke Deutschlands. Auch das Ermittler-Duo hat Potenzial.


  • alter Fan • am 14.5.17 um 21:50 Uhr

    zur Präzisierung 3,5 Sterne – im Großen und Ganzen ein recht gut gemachter PR mit sehr tiefgründiger , ergreifender Story und einem ebensolchen Fernsehunterhaltungswert . Was meiner Ansicht nach gefehlt hat , war stellenweise der gewisse Krimikick anders gesagt die Spannung . Ein gut gebautes Intro hätte ich mir da z.B. gewünscht . Ansonsten sehr gute schauspielerische Leistung ; ich halte das Team für absolut entwicklungsfähig und mit dem dem nötigen Feinschliff gibt´s dann meinerseits für die nächste Produktion mindestens 4 Sterne .


  • Frank • am 15.5.17 um 6:18 Uhr

    Tristesse über alles, gerade weil weder auf einen Spannungsbogen noch auf schnelles Tempo gesetzt wurde, wird der Zuschauer hineingezogen in diese farblose Ecke Deutschlands. Nur in Nuancen wechselt die Schuld des Protagonisten, ansonsten sind die Rollen bereits nach fünf Minuten vergeben. In alter Besetzung war Olga Lenski immer auch in der Situationskomik verfangen. Das Team Lenski Raczek verzichtet hierauf völlig, wird ebenfalls Teil einer grau depressiven Umgebung. Beeindruckend wie beharrlich der PR in der düsteren Stimmung verharrt. Sehr sehenswert (3*).


  • Hanz W. • am 15.5.17 um 9:24 Uhr

    War in Ordnung, konnte man angucken, wenn man sich auch dabei ertappt hat, hie und da mal auf die Uhr zu schielen: unerträglich atemberaubend, sagen wir’s mal so, war das ganze nun grad auch nicht.
    Ich mag es eigentlich, wenn ein Tatort oder Polizeiruf weit hinaus aufs Land führt, weil das oft spannende Geschichten aus einem ganz eigenen Mikrokosmos hergibt. Die Wiener hatten so was manchmal, auch die Hannoveraner in ihren besten Tagen. Aber das war gestern recht wenig ausgespielt. Muss es natürlich auch nicht. Andererseits frage ich mich schon, warum diese etwas mühsame Konstruktion des deutsch-polnischen Teams, wenn sich das dann darauf beschränkt, dass ein Opfer halt aus Polen kommt. Und wenn die Frau Lenski unbedingt keinen Babysitter haben darf… was ist das dann? Die obligatorische Gesellschaftskritik? Nun ja, sei’s drum. Sieht man sich mal an und vergisst’s gleich wieder…


  • CarstenH • am 16.5.17 um 9:15 Uhr

    Dieser PR hat wieder viel Spaß gemacht. Erschreckend die Erkenntnis, dass die Kulisse/Menschen in der Uckermark zwar überzogen war aber gar nicht so sehr. Die Schauspieler waren wieder sehr gut, die Story schlüssig, allein die Spannung hielt sich in Grenzen. Sehenswert!


  • trotart • am 16.5.17 um 11:00 Uhr

    danke, bin gleich eingeschlafen.


  • Mille • am 6.6.17 um 22:14 Uhr

    Hat Spaß gemacht, zuzuschauen. Ulrike Krumbiegel wie oft überragend! Ich finde es übrigens toll, dass die polnischen Dialoge NICHT übersetzt oder untertitelt werden – konsequent gut!


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