Tatort Folge 1019: Sturm



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Tatort Folge 1019: Sturm 4 2

„Sturm“ lautet der Titel des zehnten Dortmunder Tatort-Falls, den das Ermittlerteam um Faber (Jörg Hartmann), Bönisch (Anna Schudt), Dalay (Aylin Tezel) und Kossik (Stefan Konarske) zu bewältigen hat. Erfrischenderweise kommt es dabei kaum zu den gewohnten Reibereien zwischen den Teammitgliedern – denn die Kommissare arbeiten räumlich getrennt voneinander. Für Ego-Trips bleibt dieses Mal einfach keine Zeit.

Der Tatort, dessen dramatischen Ereignisse sich überwiegend im Herzen Dortmunds in der Filiale einer fiktiven Privatbank abspielen, und das beinahe in „Echtzeit“, wird am Ostermontag 2017, den 17. April, um 20.15 Uhr im Ersten Programm erstmals zu sehen sein.

Der ursprüngliche Sendetermin am Neujahrstag 2017 wurde zwei Mal verschoben, nachdem dieser Tatort nach offizieller Begründung durch die ARD zu viele Parallelen zum Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche am 19. Dezember 2016 aufweist. Aus Respekt vor den Opfern und ihren Angehörigen wurde daher auf eine zeitnahe TV-Premiere nach dem Terrorakt verzichtet, stattdessen erlebte der Polizeiruf 110 „Angst heiligt die Mittel“ mit Charly Hübner und Anneke Kim Sarnau in den Hauptrollen seine Erstausstrahlung am 1.1.2017.

Inhalt der Tatort-Folge „Sturm“

Dortmund, kurz nach vier Uhr morgens. Die Streife mit der Nummer 2770 dreht ihre Runden durch die Innenstadt. Zwischen Kleppingstraße und Betenstraße, in der Nähe der Westhafen Bank (Dortmunder wissen, dass in ähnlicher Straßenkonstellation eigentlich die Hauptstelle der örtlichen Volksbank zu finden ist), halten die beiden Polizeibeamten. Einer der zwei steigt aus dem Streifenwagen, entfernt sich und sitzt kurz darauf wieder im Auto. Er schildert seinem Kollegen eine merkwürdige Beobachtung, die er soeben gemacht hat; sie alarmieren die Polizeizentrale über Funk.

Plötzlich hallen drei Schüsse über den Platz in Dortmund-Mitte. Glas splittert. Die Kugeln lassen den Körper des Fahrers zusammensacken. Ungläubig starrt sein Kollege auf die drei Einschusslöcher in der Windschutzscheibe. Noch bevor er handeln kann, treffen auch ihn zwei Kugeln. Der zweite Polizist, schwer verletzt, robbt mit letzter Kraft aus dem Wagen – da richtet ein Unbekannter eine Pistole auf ihn und schießt dem Beamten aus nächster Nähe in den Rücken. Er stirbt noch am Tatort.

Hauptkommissar Peter Faber (Jörg Hartmann) und Martina Bönisch (Anna Schudt) treffen kurz nacheinander im Tatort „Sturm“ bei der Westhafen Bank ein. Zwei weitere Polizeistreifen sind bereits vor Ort, um den Tatort zu sichern. Den beiden Kriminalkommissaren bietet sich ein furchtbares Bild: die Opfer sind verstorben, Bönisch kannte einen von ihnen, Marvin Grote, sogar persönlich. Da die zwei Opfer keine Aussagen mehr zum Tathergang machen konnten, stehen die nun ermittelnden Kriminalbeamten zunächst vor einem vollkommen unklaren Sachverhalt.

Faber inspiziert den Streifenwagen. Ihm fällt dabei eine Schachtel Zigaretten auf, die noch ungeöffnet ist. Schnell kombiniert der Dortmunder Ermittler im Tatort „Sturm“ ein mögliches Szenario – und macht sich auf die Suche nach dem nächsten Zigarettenautomaten. Er wird fündig und stößt, offenbar ebenso wie der ermordete Polizist Grote, auf jene Merkwürdigkeit. Peter Faber ruft Bönisch herbei und informiert sie. Mit gezückten Waffen schleichen sich die Kripobeamten an die Westhafen Bank heran. Hier scheint Licht durch eines der Bürofenster. Wer arbeitet um diese Zeit in der Bank? Die Kommissare beobachten einen Mann, in Jacke gekleidet, der am PC beschäftigt ist. Hauptkommissarin Bönisch verständigt das Kollegium, doch da nimmt Faber die Sache bereits selbst in die Hand: er klopft laut an die Scheibe und verschafft sich Zutritt zum Büro. Der Mann ist erschrocken und öffnet seine Jacke. Darunter befindet sich ein Sprengstoffgürtel! Mit dem Daumen auf dem Auslöser hält er die Kripo zurück. Er wird die Bank in die Luft jagen, droht er unmissverständlich. Was jetzt?

Peter Faber entscheidet sich im Einsatz „Sturm“ für den gefährlichen Weg, sich mit dem Unbekannten im Büro einschließen zu lassen und ihn von der Zündung der Bombe abzubringen. Locker beginnt er ein Gespräch mit ihm. Muhammad Hövermann lässt sich jedoch kaum von seinem Vorhaben abbringen. Warum er am Computer etliche Überweisungen tätigt, bleibt vorerst ein Rätsel.

Über sein Handy kann Ermittler Faber Informationen an das mittlerweile eingetroffene LKA und SEK weitergeben, das daraufhin die Überweisungen durch einen Spezialisten elektronisch nachverfolgen und manipulieren lässt. Die Anwohner im Umfeld der Bank werden evakuiert. Die Tatsache, dass der Attentäter gerade hohe Summen an verschiedene ausländische Konten überweist, sowie die Konvertierung Hövermanns zum Islam lassen die Polizei vermuten, dass es sich um einen Anschlag mit terroristischem Hintergrund handelt. Ist Muhammad Hövermann auch der Mörder der zwei Streifenpolizisten? Oder hat der radikale Konvertit Mittäter?

Die Oberkommissare Nora Dalay (Aylin Tezel) und Daniel Kossik (Stefan Konarske) haben zwischenzeitlich den Tatort erreicht. Martina Bönisch, die die interne Kommunikation im Fall übernommen hat, weiht ihre Mitarbeiter in die bisherigen Geschehnisse der Tatort-Folge „Sturm“ ein. Weil das Team aufgrund der unklaren Sachlage gezwungen ist bei den Ermittlungen spekulativ vorzugehen, ist eine Untersuchung in alle Richtungen notwendig. Kossik und Dalay teilen sich daher auf: Daniel fährt zur hochschwangeren Hanifah Hövermann, der Ehefrau des Terrorists, während Nora Bernhard, den Sohn Hövermanns aus erster Ehe, übernimmt. Die Familienmitglieder sollen Muhammad vor Ort davon überzeugen, den Plan aufzugeben.

Als Muhammad Hövermann Faber gegenüber offenbart, dass er als menschliche Bombe nicht selbst über sein Schicksal entscheidet, sondern der Sprengstoff über ein Mobiltelefon ferngezündet werden kann, ändert sich die Lage schlagartig. Ist Hövermann etwa selbst Opfer und nicht Täter?

 
Dieser WDR-Tatort ist ungewöhnlich. Denn „Sturm“ erzählt eine Terrorbedrohung in Dortmund nahezu in Echtzeit: Jede Minute, die der Zuschauer erlebt, ist zeitlich nah an den tatsächlichen Entwicklungen im Fall. Der Krimi startet um kurz nach vier Uhr morgens, und endet etwa dreieinhalb Stunden später. Mehrfach werden Uhren im Film eingeblendet, so dass das Gefühl des realen Erlebens noch verstärkt wird. Das bedeutet zugleich, dass die Tatort-Ermittler keinen Vorsprung bei ihren Untersuchungen haben und sich auf dem gleichen Wissensstand wie das Publikum befinden.

Der Regisseurs des Krimis, Grimme-Preisträger Richard Huber, erklärte gegenüber den Ruhrnachrichten: „Der Zuschauer wird gefordert. Diese Geschichte wird nicht ganz leicht zu gucken sein.“ Auch riet er den Zuschauern, vor Beginn des TV-Krimis die Toilette aufzusuchen, denn „danach ist keine Zeit mehr dafür“.

„Sturm“ ist der zehnte Tatort um das Faber-Team – und zugleich der letzte Fall für den Oberkommissar Daniel Kossik, gespielt von Stefan Konarske seit dem ersten Fall „Alter Ego“ im Jahr 2012. Konarske gab bereits bei der Open-Air-Premiere des neunten Dortmunder Krimis „Zahltag“ öffentlich bekannt, dass er aus der Krimireihe Tatort aussteigen wolle. Der Theaterdarsteller, der seit drei Jahren einen festen Wohnsitz in Paris hat, möchte sich in Frankreich verstärkt neuen Film- und Theaterprojekten widmen.

Die Dreharbeiten zum WDR-Tatort „Sturm“ wurden im Zeitraum vom 12. April bis 12. Mai 2016 fertig gestellt. Da der letzte Tatort „Zahltag“ hinsichtlich der Quote mit 8,36 Millionen bei der Erstausstrahlung eher als Rückschlag zu verbuchen war, bleibt es spannend, wie der 10. Dortmund-Tatort „Sturm“ nun beim Publikum ankommen wird … Der Krimi startet am 17. April 2017 wie gewohnt um 20.15 Uhr in der ARD.

Hinweis: In der ursprünglichen Fassung von „Sturm“ hieß die Westhafen Bank noch Westfalen Bank.

Die Redaktion von Tatort-fans meint …

Sabine (36 J. | Kinoliebhaberin)

Ein starker Auftritt des Dortmunder Tatort-Teams: ein hochspannender und temporeicher Thriller im Stil der US-Serie „24“ um Jack Bauer. Der Regisseur Huber hat recht: Entleeren Sie Ihre Blase besser vor dem Film – danach bleibt keine Zeit!

Gerald (37 J. | IT-Nerd)

Wow, lieber produzierender WDR, da ist euch ein „Glanzstück“ gelungen. Die Story hat größere Logiklücken, die man garnicht wahrnimmt sondern erst beim zweiten mal registiert. Ein fesselnder Tatort Krimi. Von mir die Empfehlung „unbedingt einschalten“.

Tatort-Besetzung

Hauptkommissar Peter Faber – Jörg Hartmann
Hauptkommissarin Martina Bönisch – Anna Schudt
Oberkommissarin Nora Dalay – Aylin Tezel
Oberkommissar Daniel Kossik – Stefan Konarske
Muhammad Hövermann – Felix Vörtler
Bernhard „Bernie“ Hövermann – Christian Ehrich
Hanifah Hövermann – Dorka Gryllus
Ada Hövermann – Yeliz Simsek
Pascal „Jihad“ Tauber – David Hurten
Tahir Erdem – Altamasch Noor
Bilal al-Hafdeh – Rauand Taleb
Bilas Großvater – Mohammad Ali Behboudi
Imam Mehmet Kaya – Eray Egilmez
Günsay, Leiter des SEK – Ercan Karacayli
Mikey – Tino Mewes
Felix, Polizist – Thiemo Schwarz
junger Polizist – Hajo Tuschy
Annette Rahn – Sylvana Krappatsch
Herr Kufus – Rolf Dennemann
Bankdirektor Minssen – Gerhard Mohr
u.a.

Tatort-Stab

Drehbuch – Martin Eigler, Sönke Lars Neuwohner
Regie – Richard Huber
Kamera – Robert Berghoff
Schnitt – Knut Hake
Szenenbild – Ingrid Henn
Musik – Dürbeck & Dohmen

Bilder-Galerie zum Krimi aus Dortmund


3 Meinungen zum Tatort Folge 1019: Sturm

  • Der Fremde • am 12.12.16 um 12:10 Uhr

    Finde ich gut und war absehbar, dass Kossik ausscheidet.
    Die horizontale Weiterentwicklung der beiden Hauptdarsteller dürfte diesmal lt. genanntem Plot leider eher entfallen …


  • arte-Versteher • am 23.12.16 um 17:14 Uhr

    Ausstrahlung wird aus aktuellem Anlass verschoben
    dortmund24.de/dortmund/nach-terror-attacke-dortmund-tatort-wird-verschoben/


  • Simone Dietrich • am 29.12.16 um 0:12 Uhr

    Ich finde es nicht gut, dass der „Tatort: Sturm“ verschoben wird. Diese Folge ist hochaktuell und absolut realistisch. Ansonsten ist „Tatort“ bei der Polizei umstritten. Ein mir bekannter Polizist bemängelt, dass die Täter fast immer aus der einheimischen Mittelschicht sind. Das entspricht nicht dem realen Täterprofil.


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