Kino-Tatort Tschiller: Off Duty



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Acht Millionen Euro Kosten, drei Monate Dreharbeiten, davon 95 Prozent im Ausland: in den Kino-Tatort „Tschiller: Off Duty“ wurde viel Arbeit und Geld investiert. Die Produzenten – allen voran Til Schweiger – erhoffen sich, dass mindestens ein Drittel der regelmäßigen Tatort-Zuschauer den Weg ins Kino findet. Wer sich den Streifen ab dem 04.02.2016 nicht im Kino anschauen möchte, der muss sich voraussichtlich bis 2018 gedulden: dann nämlich soll der actionreiche Krimi erstmals im Fernsehen gezeigt werden.

Update: Es ist soweit. Der Kino-Tatort „Tschiller: Off Duty“ wird erstmals im Free-TV gezeigt. Am 8. Juli 2018 läuft der Action-Tatort ab 20.15 Uhr im Abendprogramm von Das Erste! Wer mehr zum Inhalt der Folge und zur Meinung der Redaktion erfahren möchte, der klickt hier: Tatort-Folge 1062: „Tschiller: Off Duty“.

Besprechung des Kino-Tatorts „Tschiller: Off Duty“

Achtung, Til Schweiger aka LKA-Ermittler Nick Tschiller schießt zurück! Ob im realen Leben via selbstbeweihräuchernden Facebook-Posting, das den kritischen Adressaten nur umso mehr Zündstoff bot, oder – um auf der filmischen Ebene zu bleiben – mit der Bazooka, die der knallharte Cop im jüngsten Einsatz „Fegefeuer“ lässig auf seiner Schulter trägt. Fiesling Firat Astan, durchweg überzeugend dargestellt vom Absolventen der Lee Straßberg-Schauspielschule in New York, Erdal Yildiz, hat Nicks Ex-Frau Isabella mittlerweile auf dem Gewissen. Schluss mit lustig, jetzt kennt Tschiller kein Erbarmen mehr. Der gebürtige Frankfurter Ermittler reißt Mauern ein, rast mit halsbrecherischer Geschwindigkeit durch die nächtlichen Straßen Hamburgs, lässt die Zahl der Toten in die Höhe schnellen.

Wer sich Nick Tschiller jetzt in den Weg stellt, der ist wirklich selbst Schuld.

 
Die Vorgeschichte
Im Kino kämpft LKA-Fahnder Nick Tschiller 135 Minuten lang gegen die Zeit, die Bösen und die Langeweile. Dabei ist die Idee, einem Tatort-Kommissar den Sprung auf die große Leinwand zu ermöglichen, nicht neu: bereits 1985 lockte der rüpelhafte Ruhrpottler Horst Schimanski, legendär verkörpert von Götz George, in „Zahn um Zahn“ über 2,7 Millionen Krimifans in die Lichtspielhäuser der Republik. Zwei Jahre später folgte aufgrund des Erfolgs ein zweiter Kinofilm: „Zabou“.

Die Geschichte des Spin-Offs „Tschiller: Off Duty“ (AT „Tschiller a.D. – Der Kinotatort“) knüpft an die vorherigen Episoden der Hamburger TV-Krimis zwar an, ist allerdings auch ohne Vorkenntnisse nachvollziehbar. Es lässt sich aber nicht von der Hand weisen, dass es einen gewissen Mehrwert gibt, hat man die ersten vier Folgen der Miniserie gesehen. So werden die Handlungsmotive der Figuren im krönenden Kinofinale zwangsläufig transparenter, kennt man deren Vorgeschichte.

 
Der 5. Teil: Das Kinofinale einer Tatort-Miniserie
Der Ermittler, der in „Der große Schmerz“ und „Fegefeuer“ vielfach gegen die Dienstvorschriften verstoßen und auf eigene Faust gehandelt hat, wird im Kinofilm gleich zu Beginn vom Dienst suspendiert. Unpassend kommt die Auszeit für den gebeutelten Tschiller nicht, hat er nun doch mehr Zeit, sich um seine trauernde Tochter Lenny (Luna Schweiger) zu kümmern. Unter der Ermordung der Mutter Isabella durch Firat Astan (Erdal Yildiz) leiden die beiden Hinterbliebenden sehr; jetzt heißt es für Vater und Tochter: zusammenhalten.

Dass die Phase der Entspannung und Trauerbewältigung in einem Action-Krimi nicht lange andauert wundert nicht. Als Lenny in Gefahr gerät, ist Nick schnell wieder der Alte. Eine wilde Hetzjagd durch Europa beginnt, die ihn bis nach Istanbul und Moskau führt. Hier bekommt es Niklas „Nick“ Tschiller erneut mit seinem Erzfeind Firat Astan zu tun. Wie gut, dass er auch jetzt, da Tschiller außer Dienst ist, auf seinen treuen Freund und Ermittlungspartner Yalcin Gümer (Fahri Yardim) zählen kann.

 
Die Reaktionen
Mit der vor wenigen Jahren geschaffenen norddeutschen Action-Linie des Tatorts (der erste Fall mit Schweiger „Willkommen in Hamburg“ feierte sein TV-Debüt am 10. März 2013) zeigt die seit über 45 Jahren erfolgreiche Krimiserie eine überraschend neue Facette. Das Feedback des Publikums könnte unterschiedlicher nicht ausfallen: die Menge protestiert, flucht, bejubelt, nimmt in Schutz.

Auch wenn sich die Beträge des Hessischen Rundfunks, die sich um das skurille Leben des Kommissar Murot aus Wiesbaden drehen, inhaltlich und stilistisch sehr von den Krach-mach-Folgen des NDR unterscheiden, so haben sie doch eines gemeinsam:
die neuen Tatort-Experimente polarisieren.

Man mag oder man hasst sie, dazwischen herrscht vornehme Zurückhaltung. Einige Zuschauer sind sich unschlüssig, ob sie das Gesehene nun gut oder schlecht finden sollen, schwanken zwischen dem Gefühl, auf der einen Seite gut unterhalten zu werden und der Überzeugung, das passe doch nicht in das ursprüngliche Konzept der Tatort-Reihe, das immerhin 1970 auf die Beine gestellt wurde. Unter einem anderen Label, ja – da lassen einige Kritiker mit sich reden -, ja, darunter wären die Kriminalfilme aus Hamburg echte Kracher. Aber als Teil der Tatort-Serie? Nein, danke. Andere freuen sich über die nahtlos aneinandergereihten Actionszenen, die jede Toilettenpause vergessen lassen.

Til Schweiger hat sich von der teils destruktiven Kritik nicht beirren lassen. Als „Filmemacher/Schauspieler/Produzent/Writer/Cutter/Composer […]“ hat das selbsterklärte Multitalent „[…] viiiieel mehr Ahnung von der Craft( Materie)….KUNST…. als die meisten von diesen Trotteln, die darüber schreiben!!!!“ (Quelle: offizielle Facebook-Seite von Till Schweiger). Sein wütendes Posting vom 4. Januar 2016, kurz nach der Erstausstrahlung des Hamburg-Tatorts „Fegefeuer“, hatte für Aufsehen gesorgt.

So ist er eben, der Nick, immer gerade heraus.
Verzeihung. Der Til.

Die Einspielergebnisse

Top oder Flop?
Besucher lassen sich bitten: das zähe erste Wochenende

Hauptdarsteller und Produzent Til Schweiger dürfte verärgert sein. Auf seiner offziellen Facebook-Pinnwand ist es verdächtig ruhig, nur eine einzige lobende Kritik zu „Tschiller: Off Duty“ reicht Schweiger höchstpersönlich an seine Follower – darunter anscheinend auch eine Vielzahl von Hatern – weiter. Darin wird der Vergleich zum letzten James Bond-Film „Spectre“ gezogen. Das sind zwar Äpfel und Birnen, doch scheint das ungleiche Obst Tils Ego ungemein zu schmeicheln: „Besser als James Bond“ zitiert er freudig und ergänzt die Aussage mit drei (!) Smileys, die wie Honigkuchenpferde strahlen. Die Mehrheit der Presse lässt es sich währenddessen nicht nehmen, auf den vorläufigen miesen Besucherzahlen herumzureiten. Mediale Häme macht sich breit.

Da mag Til Schweiger tatsächlich recht haben: die meisten Journalisten sind ihm einfach nicht wohlgesonnen. Das könnte darin begründet sein, dass es nur einer erlesenen Auswahl an Schreibenden und Kritikern überhaupt erlaubt ist, Schweigers Produktionen im Vorfeld zu sehen und zu beurteilen. Und zwar ausschließlich jenen, die üblicherweise positiv darüber berichten. Da lassen es sich Kritiker, wie der ehemalige Chef-Redakteur des Magazins Matador, Peter Praschl, nicht nehmen, den künstlich gepushten positiven Filmrezensionen mit einer großen Portion Ironie zu begegnen.

Wenige Tage nach dem Kinostart des Actionspektakels am 4. Februar 2016 lassen sich die Besucherzahlen in einer ersten Bilanz jedenfalls kaum schön reden: Bei acht Millionen Produktionskosten pilgerten lediglich 12.000 Schweiger-Fans am Premierentag in die rund 500 Lichtspielhäuser der Republik, die den Kinostreifen zeigen. 115.000 Menschen waren es insgesamt am Ende des ersten Wochenendes.

Setzt man diese gemessenen Zahlen in Relation zum Erfolg des ersten Kino-Tatorts „Zahn um Zahn“ mit Horst Schimanski (Götz George) und Christian Thanner (Eberhard Feik) aus dem Jahr 1985, wird die Schlappe von Nick Tschillers fünftem Einsatz umso deutlicher. „Zahn um Zahn“ mit dem ermittelnden Kult-Kommissaren aus Duisburg lockte nach seinem Kinodebüt am 10. Oktober 1985 insgesamt 2.717.500 Krimifreunde in die westdeutschen Kinos. Die ehemalige DDR war von diesem Ergebnis wohlbemerkt ausgenommen.

Ob das neue Tatort-Experiment des NDR und der ARD nun endgültig an den Kinokassen floppt, wird abzuwarten sein. In die Reihe der sinkenden Quoten des Hamburger Tschiller-Tatorts im Fernsehen fügen sich die vorläufigen Zahlen von „Tschiller: Off Duty“ jedoch nahtlos ein.

Tatort-Besetzung

Kommissar Niklas „Nick“ Tschiller – Til Schweiger
Kommissar Yalcin Gümer – Fahri Yardim
Firat Astan – Erdal Yildiz
Ines Kallwey – Britta Hammelstein
Lenny Tschiller – Luna Schweiger
Süleyman Seker – Özgür Emre Yildirim
Dascha – Alyona Konstantinova
Yegor Pezenko – Boris Golidzyn
Alexander Kinskij – Jewgeni Sidikhin
u.a.

Tatort-Stab

Drehbuch – Christoph Darnstadt
Regie – Christian Alvart
Produzenten – Til Schweiger, Tom Zickler, Siegfried Kamml, Christian Alvart
Kamera – Christof Wahl
Schnitt – Marc Hofmeister, Dirk Grau
Redaktion – Thomas Schreiber
Ton – Joern Martens
Sounddesign – Jürgen Funk
Szenenbild – Thomas Freudenthal
Maske – Nica Faas, Nina Heppelmann, Pamela Grujic
Kostümbild – Sabine Bockmeyer, Ingken Benesch
Castin – Suse Marquardt
Musik – Martin Todsharow

Videos zur Tatort-Filmproduktion

Trailer 1: Warner Bros. Trailer zum Tatort „Tschiller: Off Duty“



Trailer 2: Tatort-Kinofilm „Tschiller: Off Duty“ Premiere in Hamburg



Trailer 3: Tatort „Tschiller: Off Duty“ Weltpremiere in Berlin



Trailer 4: XL Trailer vom Kino-Tatort



Bilder zum Action-Krimi aus Hamburg


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11 Meinungen zum Kino-Tatort Tschiller: Off Duty

  • CarstenH • am 9.1.16 um 21:40 Uhr

    Nach den ersten Tschiller-Tatorten gehörte ich zu den Kritikern der Reihe. Jetzt kann ich sagen: Sie machen Spaß und sind spannend – wenngleich natürlich in vielerlei Hinsicht überzogen.


  • DTM • am 18.1.16 um 0:49 Uhr

    Endlich erfährt das reichlich angestaubte und gereatrisch angehauchte Genre frische Wind. Mir jedenfalls haben die Folgen ausgesprochen gut gefallen. Mehr davon!


  • wallace • am 27.1.16 um 17:14 Uhr

    Mag unterhaltsam sein, keine Frage.
    Aber der Symphatiefaktor für H. Schweiger geht bei mir gen null.
    Daher würde ich diese Folge maximal im Fernsehn anschauen, niemals aber nochmal Geld für Kinokarten ausgeben.
    Und das auch nur wegen dem excellenten Fahri Yardim.


  • Tom • am 3.2.16 um 22:58 Uhr

    Endlich mal Action im eingestaubten Sonntagabendfernsehen.
    Deutschland kann auch gute, spannende Krimis produzieren, wie man am HH Tatort sieht. Klar die einen lieben Til, die anderen hassen ihn, aber deswegen alles schlecht machen, gehört sich nicht. Ich mag auch nicht jeden US-Schauspieler und geh trotzdem ins Kino.
    Und der Tatort-Film ist ein MUSS !!!!

    Wem der neue Stil nicht gefällt und lieber Schnarchlangweilige-vom-Beginn-an-durchschaubare-Tatorte sehen möchte, muss auch nicht einschalten und sollte dann lieber schweigen.


  • Julian Blum • am 13.2.16 um 21:30 Uhr

    Der Beste Tschiller Of den ich je gesehen habe. Gab ja nur einen. Na, ja, Saal war leer. Und dieser Film ist besser als alle vier Tatorte mit Nick zusammen.

    Also unbedingt noch ins Kino gehen, solange der läuft.


  • lena • am 15.2.16 um 19:08 Uhr

    ich werd verrückt. keine musik liste im netz zu finden. kennt die wer?

    der film an sich hat meinen geschmack teilweise gut getroffen.
    ich fühlte mich an taken erinnert, wurde aber gut unterhalten. filme mit mehr aussagekraft bevorzuge ich zwar die meiste zeit, aber warum nicht mal einen action-reißer anschauen?! außerdem braucht der zweite ermittler unbedingt mal ne große rolle. der kann m.m.n. einfach gut schauspielern.


  • Rolf • am 16.2.16 um 14:41 Uhr

    Nur Mist. Will Geld zurück


  • Laju • am 21.2.16 um 23:16 Uhr

    Kino- tatort floppt. Jeah, gut so! Haben sich die überheblichen tatort- Macher einschl. Til Schweiger ihre schallende Ohrfeige abgeholt, nach der sie förmlich geschrien haben! Man kann einen Film und ein Konzept nicht schönreden und tatort- fans einbläuen! Der abgehobene Schweiger schwadroniert von hochpräziser, künstlerischer und hochqualitativer Inzenierung und hoher Schauspielkunst…..bla…bla! Das interessiert niemanden, der Zuschauer entscheidet, was ihm gefällt und wofür er sein Geld ausgibt!!!! Sinnloses, realitätsfremdes Rumgeballer, Gehaue und literweise Theaterblut kommt hier nun mal nicht gut an. Punkt! Soll Schweiger damit die Amerikaner beglücken, wir verzichten. Auch seine schauspielerischen Fähigkeiten halte ich für zweifelhaft. Er soll mal schön weiter lustige, heitere Geschichten mit wirklich talentierten Vollblutschauspielern machen. Das kann er richtig gut, ne kleine Nebenrolle für ihn schadet da nicht! Hut ab vor „Honig im Kopf“! Ernstes Thema, gelungen und unterhaltsam an den Zuschauer gebracht, nicht zuletzt dank hochkarätiger, exzellenter Schauspieler(z.B. Dieter Hallervorden)! Auch Emma Schweiger hat schauspielerisch absolut überzeugt. Hoffentlich kann sie sich ihre natürliche Überzeugungskraft erhalten. Im Gegensatz zu ihrer Schwester Luna! Die ist schlecht, keine Ausstrahlung, kein schauspielerisches Talent! Ganz der Vater!


  • Robert • am 23.2.16 um 16:08 Uhr

    Ich hab den Film gestern in Wien im Kino gesehen und fand ihn ausgesprochen unterhaltsam, spannend, humorvoll und technisch sehr gut umgesetzt.
    Klar, mit einem klassischen Tatort hat das Ganze nicht mehr viel zu tun, eher mit einem Agententhriller a la Bond, aber warum sollte auch ein Tatort nicht mal über den Tellerrand blicken. Und betrachtet man das für so ein Genre vergleichsweise geringe Budget, so ist dem Tatort-Team hier wirklich außerordentliches gelungen.
    Wenn ich etwas an dem Film kritisieren möchte, dann die mE etwas zu scharf gezeichneten Kontraste zwischen Nick Tschiller (Til Schweiger als Agent mit der offensichtlichen Tötungslizenz) und Yalcin Gümer (Fahri Yardim als korrekter Polizist). Und dass mein Lieblingsbösewicht Firat Astan (Erdal Yildiz) so früh ausscheidet, ist natürlich schade, mit Özgür Emre Yildirim als Widerling Süleyman Seker hat er aber einen würdigen Ersatz.
    Fazit: Tolle Action-Sause mit hohem Unterhaltungswert!


  • Robert • am 23.2.16 um 16:09 Uhr

    Mist, bei den Sternen vertippt!
    Es sollten natürlich fünf sein, bitte ausbessern. :-)


  • Robert • am 23.2.16 um 16:10 Uhr

    Oh, bei den Sternen vertippt, es sollten natürlich fünf sein! :-)


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