Das Tatort-Jahr 2026 markiert einen der tiefgreifendsten Wendepunkte in der Geschichte der ARD-Reihe. Eine ganze Generation ikonischer Ermittler tritt ab, während hinter den Kulissen harte Sparzwänge die Produktion verändern. Für die Fans bedeutet dies den emotionalen Abschied von Kult-Teams, aber auch den spannenden Beginn neuer Ären an mehreren Standorten.
Die großen Abschiede: Ende einer Ära
2026 steht ganz im Zeichen des Finales. Gleich mehrere Ermittler-Duos, die über Jahrzehnte das Gesicht des Sonntagskrimis prägten, verabschieden sich endgültig von ihren Fans.
Die wohl tiefste Zäsur erfolgt in Wien: Das Duo Eisner und Fellner, verkörpert von Harald Krassnitzer und Adele Neuhauser, ermittelt spätestens bis zum Jahresende in seinen letzten gemeinsamen Fällen und beendet damit eine fast 40 Fälle umfassende Partnerschaft. Fast ebenso historisch ist der Abschied in München: Nach ihrem 100. gemeinsamen Fall gehen die legendären Kommissare Batic und Leitmayr (Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl) in den Ruhestand. Auch in Berlin geht eine, wenn auch kurze Ära zu Ende: Corinna Harfouch verabschiedet sich bereits Anfang Februar 2026 mit der Folge „Gefahrengebiet“ als Kommissarin Susanne Bonard.
Neue Gesichter und frische Dynamiken
Die Lücken, die die Veteranen hinterlassen, werden mit prominenten Neubesetzungen gefüllt. Der umfassendste Neustart findet in München statt: Carlo Ljubek übernimmt 2026 als Kriminalhauptkommissar Nikola Buvak die Nachfolge von Batic und Leitmayr. An seiner Seite bleibt Ferdinand Hofer als Kalli Hammermann, was für Kontinuität sorgt. Ljubeks erster Fall soll bereits Ende 2025 gedreht werden.
Die größte Unbekannte bleibt die Nachfolge in Wien. Die Suche nach einem neuen Ermittlerteam läuft auf Hochtouren, wobei der ORF betont, dass die neuen Kommissare noch vor dem endgültigen Abschied von Krassnitzer und Neuhauser eingeführt werden sollen, um einen fließenden Übergang zu gewährleisten.
Sparzwänge und ihre Folgen
Neben den personellen Wechseln wird das Jahr 2026 auch von finanziellen Restriktionen geprägt. Radio Bremen muss als direkte Folge von Budgetkürzungen eine geplante „Tatort“-Folge streichen und wird nur noch einen neuen Fall mit dem Team Selb, Moormann und Andersen produzieren. Intendantin Yvette Gerner führt diese „harten Entscheidungen“ auf eine nicht bedarfsgerechte Finanzierung, sinkende Werbeeinnahmen und gestiegene Personalkosten zurück. Diese Entwicklung zeigt, wie die generelle Finanzierungslücke der ARD auch das Flaggschiff-Format trifft.
Fazit: Ein Jahr des Umbruchs und der Weichenstellungen
2026 wird kein gewöhnliches „Tatort“-Jahr, sondern eine fundamentale Bewährungsprobe für die gesamte Reihe. Der Verlust langjähriger Identifikationsfiguren ist ein emotionaler Einschnitt für das Publikum. Die Kunst wird darin bestehen, mit den neuen Teams in München und Wien genügend Vertrauen und Sympathie aufzubauen, um diese Lücke zu schließen. Gleichzeitig muss die kreative Qualität der Fälle trotz spürbarer Sparmaßnahmen an einigen Standorten gewahrt bleiben. Gelingt dieser Balanceakt, könnte eine erfolgreiche neue Ära beginnen. Der „Tatort“ steht an einem Scheideweg.