Kurz und knapp – darum geht’s

Fünf Jahre sind vergangen, seit der „Goliath“ ausbrannte, ein riesiges Hochhaus in einem Frankfurter Brennpunktviertel. Einige Bewohner fielen den Flammen damals zum Opfer, unter ihnen auch die Mutter von Almila Adak, der Ex-Freundin von Kommissar Hamza Kulina. Almila kann es einfach nicht ertragen, dass bisher kein Verantwortlicher zur Rechenschaft gezogen wurde, und bittet Kulina um Hilfe. Tatsächlich stoßen er und seine Kollegin Maryam Azadi auf einen merkwürdigen Todesfall, der im Zusammenhang mit dem Hochhausbrand stehen könnte: Ein Materialprüfer, verantwortlich für die Begutachtung der Dämmung, hat wenige Monate nach der Katastrophe Suizid begangen – angeblich. Azadi und Kulina werden misstrauisch und rollen den alten Fall wieder auf – doch ihre Gegner sind mächtig …

„Fackel“, der dritte Fall des neuen Frankfurter Tatort-Duos, ist am Sonntag, den 22. März 2026 um 20:20 Uhr im Ersten zu sehen.

Inhalt der Tatort-Folge „Fackel“

Fünf Jahre ist es nun her. Seit fünf Jahren kämpft Almila Adak unermüdlich um Gerechtigkeit – für ihre Mutter und die anderen Opfer des Hochhausbrandes, damals, als der „Goliath“ in Flammen aufging, jener gigantische, stadtbildprägende Plattenbau in einem Frankfurter Brennpunktviertel. Doch Almila droht ihren Kampf zu verlieren. Keiner der Verantwortlichen – Eigentümer, Bauträger, Hausverwaltung – wurde bisher zur Rechenschaft gezogen. Obwohl offensichtlich ist, dass der Brand durch das minderwertige Dämmmaterial mindestens beschleunigt, wenn nicht gar verursacht wurde. In wenigen Tagen legt der Untersuchungsausschuss seinen Abschlussbericht vor. Das war’s dann.

Doch Almila gibt nicht auf. In ihrer Not wendet sie sich an Hamza Kulina, ihren Ex-Freund aus Jugendzeiten, beide sind im selben Viertel aufgewachsen. Heute arbeitet Hamza bei der Polizei, also muss er doch etwas ausrichten können. Almila übergibt ihm ihren dicken Ordner, in dem sie die vergangenen fünf Jahre penibel dokumentiert hat: handschriftliche Protokolle jedes Prozesstages, jeden noch so kleinen Zeitungsartikel. Natürlich würde Kulina der alten Freundin gern helfen, aber wie? Der Kommissar im Tatort „Fackel“ ist nicht gerade auf Wirtschaftskriminalität und Korruption spezialisiert, um die es hier ja zu gehen scheint. Aus alter Verbundenheit schaut er sich dennoch alles an, was Almila zum Fall „Goliath“ zusammengetragen hat. Immer wieder stößt Kulina auf den Begriff „Polysterol“, den Namen des Dämmmaterials, das am Goliath verbaut wurde, kurz bevor das Hochhaus in Flammen aufging. Das Gebäude sollte rundum energetisch saniert werden, um die Klimaschutzauflagen zu erfüllen. Doch laut Fachleuten ist Polysterol nichts anderes als aufgeschäumtes Styropor, ein für solch große Bauten völlig unbrauchbares Material. Dennoch wurde es von der Firma Styvex, dem Bauträger, bedenkenlos verwendet.

Hamza Kulina hat Mühe, dem Fachchinesisch der Unterlagen zu folgen, und fragt sich zudem, wo hier überhaupt ein Ansatzpunkt für die Kripo liegen könnte – bis der Kriminalist im TV-Krimi „Fackel“ auf den Tod von Rainer Beetz aufmerksam wird: Beetz war damals der zuständige Materialprüfer und sollte die Tauglichkeit des Polysterols bestätigen. Wenige Monate nach der Feuerkatastrophe hat er Suizid begangen, im eigenen PKW vergast. So steht es jedenfalls in den Ermittlungsakten. Kulina und seine Kollegin Maryam Azadi werden sofort misstrauisch: Ausgerechnet der Mann, der für die Prüfung des minderwertigen Baumaterials verantwortlich ist, stirbt kurze Zeit nach dem Brand. War das wirklich Selbstmord – oder sollte Beetz zum Schweigen gebracht werden?

Christian Möller, der damals zuständige Ermittler, wehrt jedenfalls entrüstet alle kritischen Fragen von Azadi ab, als sie ihn mit ihren Zweifeln konfrontiert. Kripochefin Sandra Schatz erkennt hingegen die Brisanz der Lage: Keinesfalls will sie sich vorwerfen lassen, nicht alle Todesfälle, die im Zusammenhang mit dem Goliath-Brand stehen (könnten), genaustens untersucht zu haben, gerade jetzt, wo die Aufarbeitung der Katastrophe kurz vor dem Abschluss steht. Kurzentschlossen gibt sie dem Ermittlerduo Azadi und Kulina grünes Licht, den Todesfall Beetz nochmal aufzurollen.
Natürlich lassen sich die Kriminalisten im hr-Tatort „Fackel“ nicht lange bitten und stürzen sich sofort in die Arbeit. Schließlich geht es für Hamza auch darum, seiner alten Freundin Almila zu helfen. In den Fokus der Ermittlungen gerät Steffen Böttcher, der Geschäftsführer der Baufirma Styvex. Was wusste er über Rainer Beetz und seine Erkenntnisse zum Polysterol? Die Kommissare stoßen auf eine Mauer des Schweigens und erkennen schneller, als ihnen lieb ist, dass sie sich mit sehr mächtigen Gegnern angelegt haben …

Hinter den Kulissen

Im April und Mai 2025 entstanden die Filmszenen für den dritten Fall des Frankfurter Tatort-Duos Maryam Azadi (Melika Foroutan) und Hamza Kulina (Edin Hasanovic). Regisseur Rick Ostermann ließ sich von der Brandkatastrophe des Grenfell Towers in London im Jahr 2017 inspirieren, wollte in seinem Film aber vor allem „die emotionalen und gesellschaftlichen Dimensionen solcher Katastrophen“ in den Vordergrund rücken. Wichtig war Ostermann auch, die emotionale Involviertheit des Kommissars Hamza Kulina zu zeigen: „Seine persönliche Verbundenheit mit dem Fall und vor allem mit den Hinterbliebenen zieht ihn als Mensch in die Geschichte hinein – nicht nur als Polizist. Genau daraus entsteht sein Dilemma, das mich besonders bewegt hat und das den emotionalen Kern des Films bildet.“

Alle Tatort-Fans können die neueste Episode des TV-Krimis erstmals am Sonntag, den 22. März 2026 im Ersten erleben – Beginn ist ausnahmsweise um 20:20 Uhr, wegen einer verlängerten Tagesschau zur Landtagswahl in Rheinland-Pfalz.

Tatort-Kritik

Die Redaktion von Tatort-Fans meint:
Sieh an, so spannend kann ein Cold-Case-Tatort sein: Der dritte Fall des Duos Azadi und Kulina ist bisher ihr stärkster, denn er überzeugt mit einem spannungsgeladenen Plot, der die gesellschaftliche und politische Brisanz des Themas in authentischer Form mit der persönlichen Betroffenheit Kulinas verbindet – mit dem schönen Nebeneffekt, dass wir mehr über die Backstory dieser spannenden Ermittlerfigur erfahren. Unerwartete Wendungen und scharfe Wortgefechte gibt’s ebenso: Einschalten lohnt sich!

Besetzung

Kommissarin Maryam Azadi – Melika Foroutan
Kommissar Hamza Kulina – Edin Hasanovic
Kripo-Leiterin Sandra Schatz – Judith Engel
Steffen Böttcher – Stephan Luca
Simone Böttcher – Katharina Heyer
Christian Möller – Michael Schenk
Emina Kulina – Gordana Boban
Almila Adak – Seyneb Saleh
Andrea Hofer – Nadja Bobyleva
Brombach – Timo Jacobs
u. v. a.

Stab

Drehbuch – Sebastian Heeg, Tom Schilling
Regie – Rick Ostermann
Kamera – Philipp Sichler
Ton – Tobias Schinko
Szenenbild – Anette Reuther
Kostümbild – Sabine Keller
Außenrequisite – David Ostertag
Maske – Elke Lebender, Britta Karbach
Schnitt – Benjamin Kaubisch
Musik – Christoph M. Kaiser, Julian Maas
Besetzung – Nessie Nesslauer
Produktionsleitung – Valeska Bochow
Aufnahmeleitung – Robert Hertel
Produzenten – Jochen Laube, Fabian Maubach, Annie Schilling
Redaktion – Jörg Himstedt (hr), Erin Högerle (hr), Birgit Titze (ARD Degeto)