Kurz und knapp – darum geht’s

Ein Mann stößt ein Auto über die Kante eines Steinbruchs, ein Anwohner sieht dabei zu – und als die Feuerwehr den Wagen aus dem tiefen Wasser holt, liegt auf dem Rücksitz die Leiche der jungen Petra Langer. Für Oberleutnant Wolfgang Reichenbach beginnt damit ein vertrackter Fall. Denn der Unbekannte, der das Fahrzeug versenken wollte, ist Petras Bruder Jürgen Wittstock: Er hat seit Jahren mit gestohlenen Autos zu tun und hatte Streit mit seiner Schwester, weil sie ihn zur Umkehr bewegen wollte. Doch auch sein Geschäftspartner Michael Grandel, mit dem Petra eine kurze Affäre hatte, gerät in Verdacht – ebenso wie dessen Frau Elvira, die beim Handel mit den Wagen selbst mitmischte und um ihre Ehe fürchten musste …

Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Petra“

Ein abgelegener Steinbruchsee, tiefes Wasser, steile Wände – ein ruhiger Ort, bis ein Mann einen blauen Moskwitsch über die Abbruchkante schiebt. Der Wagen stürzt die Felswand hinab und verschwindet unter der Oberfläche. Ein Anwohner hat die Szene beobachtet und alarmiert umgehend Feuerwehr und Polizei. An den See geschickt wird Oberleutnant Wolfgang Reichenbach, und nach der Bergung des Autos steht fest, dass er es nicht mit einer bloßen Fahrzeugentsorgung zu tun hat: Auf der Rückbank, unter Reifen versteckt, liegt eine Frauenleiche. Die Tote ist Petra Langer.

Kurz darauf entdeckt der Zeuge am gegenüberliegenden Ufer einen Mann, der das Geschehen aufmerksam verfolgt – und erkennt in ihm denjenigen wieder, der den Wagen in die Tiefe gestoßen hat. Als der Beobachter Reißaus nimmt, weiß Leutnant Schreiber, der zuständige Abschnittsbevollmächtigte, sofort, wen er vor sich hat: Jürgen Wittstock, ausgerechnet den Bruder der Toten. Der vorbestrafte Jürgen ist seit Jahren in dunkle Geschäfte mit Autos verwickelt, und mit seiner Schwester lag er zuletzt im Clinch. Petra wollte, dass er mit seinen Touren aufhört und endlich ein ehrliches Leben führt.

Für Reichenbach bekommt der Fall damit eine zweite Ebene. Der geborgene Moskwitsch gehört nämlich zu einer ganzen Reihe gestohlener Fahrzeuge, deren Verschwinden die Polizei seit Langem beschäftigt, ohne dass sie bislang vorangekommen wäre. Der Tod der jungen Frau könnte also eng mit diesen Diebstählen zusammenhängen. Doch ist Jürgen tatsächlich derjenige, der seiner eigenen Schwester das Leben genommen hat? So bequem macht es der Polizeiruf 110 „Petra“ seinem Ermittler nicht.

Den Handel mit den Schwarzmarktautos hat Jürgen nämlich nicht allein betrieben. Sein Partner ist Michael Grandel, der regelmäßig in der LPG, in der Petra beschäftigt war, Schüttgut abholt. Gemeinsam mit seiner schwangeren Frau Elvira baut Michael gerade an einem Eigenheim, doch hinter dem Bild vom jungen Familienglück kriselt es gewaltig: Die Ehe ist zerrüttet, Rücksicht auf seine Frau nimmt Michael kaum. Stattdessen ließ er sich für kurze Zeit mit Petra ein – Grund genug, ihn im TV-Krimi „Petra“ ebenfalls genauer unter die Lupe zu nehmen.

Auch Elvira Grandel ist alles andere als eine Unbeteiligte. Von den illegalen Autogeschäften wusste sie nicht nur, sie hing selbst mit drin – und sie hatte allen Anlass zu der Sorge, ihren Mann an Petra zu verlieren. Ein Bruder, der nicht von seinen Machenschaften lassen will, ein untreuer Ehemann, eine verletzte Ehefrau: Je länger Reichenbach im DDR-Polizeiruf „Petra“ nachforscht, desto deutlicher zeigt sich, wie eng Zuneigung, Kumpanei und Treuebruch rund um die Tote miteinander verwoben sind. Und mit jeder neuen Erkenntnis wird die Frage schwieriger, wer von ihnen Petra Langer auf dem Gewissen hat …

Hinter den Kulissen

Mit „Petra“, der 78. Folge der Reihe, gibt Friedhelm Eberle seinen Einstand als Oberleutnant Wolfgang Reichenbach – es ist der erste Fall des Kriminalisten. In weiteren Rollen sind unter anderem Klaus Nietz als ABV Leutnant Schreiber sowie Roland Holz (Leutnant Weschke) und Holm Henning Freier (Leutnant Freitag) zu sehen. Die Titelfigur Petra Langer spielt Karin Düwel, ihren Bruder Jürgen Wittstock verkörpert Dieter Bellmann, das Ehepaar Michael und Elvira Grandel Jürgen Heinrich und Brigitte Heinrich.

Hans Joachim Hildebrandt schrieb das Drehbuch und führte auch Regie. Gedreht wurde unter dem Arbeitstitel „Auto-Stop“ vom 1. April bis zum 5. Juni 1981 in Jerichow und Umgebung, an der Schleuse in Parey, an der Wagenfähre in Rogätz sowie in Magdeburg-Alt Olvenstedt am Sternsee. Für die Kostüme war Evelyn Geper verantwortlich, die Filmbauten stammen von Günther Möller. Produziert wurde der Krimi vom Fernsehen der DDR.

Bei der Erstausstrahlung im Fernsehen der DDR lag die Zuschauerbeteiligung bei 64,9 Prozent.

Besetzung

Oberleutnant Wolfgang Reichenbach – Friedhelm Eberle
Leutnant Schreiber, ABV – Klaus Nietz
Leutnant Weschke – Roland Holz
Leutnant Freitag – Holm Henning Freier
Petra Langer – Karin Düwel
Michael Grandel – Jürgen Heinrich
Elvira Grandel – Brigitte Heinrich
Jürgen Wittstock – Dieter Bellmann
Andreas Kern – Klaus-Peter Pleßow
Gertrud Sundermann – Gertrud Brendler
Walter Sundermann – Johannes Wieke
August Giersch – Otto-Erich Edenharter
Frau Kannebach – Gisela Wahlberg
Hans – Jürgen Mai
Wilhelm – Jochen Nitzel
Gerhard – Arnim Winkler
Helma – Isolde Kühn
Erster Partygast – Fred Ludwig
Zweiter Partygast – Barbara von Steuben
Krankenschwester – Ingeborg Schmitz
u. v. a.

Stab

Regie – Hans Joachim Hildebrandt
Drehbuch – Hans Joachim Hildebrandt
Produktion – Peter Sommer
Musik – Peter Gotthardt
Kamera – Walter Laaß
Schnitt – Bärbel Wehran
Kostüm – Evelyn Geper
Filmbauten – Günther Möller
Produktionsunternehmen – Fernsehen der DDR