Kurz und knapp – darum geht’s

Ein paar Schüsse, und schon hat die Provinz ihren Krimi: Kaum ist Volpe durch die Eingemeindung einiger stillgelegter Kiesgruben zur Kreisstadt aufgestiegen, wird auf dem angeblich verlassenen Gelände ein Vermessungstrupp unter Beschuss genommen. Für die Polizisten Sigi Möller und Kalle Küppers beginnt damit ein Fall, der sie mitten hinein in die Familie Kohler führt. Da ist der knorrige Alfons, der sein Revier mit dem Gewehr verteidigt, da ist sein Sohn Ingo, längst eine Größe im Rotlichtmilieu, und da ist Ralle, der nach vielen Jahren in die Heimat zurückgekehrt ist. Während Sigis Freundin Gabi ein Kind erwartet, wächst bei den beiden Dorfpolizisten der Verdacht, dass in den Kiesgruben mehr begraben liegt als alter Schotter …

Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Bruderliebe“

Für Volpe ist es ein Tag zum Feiern: Im Zuge einer Gebietsreform wird das benachbarte Kohlmarkt am Moos eingemeindet, ein Flecken voller stillgelegter Kiesgruben, der fortan schlicht Volpe III heißt – und das Städtchen ganz offiziell zur Kreisstadt macht. Bürgermeister Huffer ist hellauf begeistert und sieht im neuen Stadtteil schon die Bagger anrollen. Ganz uneigennützig ist diese Vorfreude allerdings nicht. Der Gemeinderat wusste frühzeitig von der Eingemeindung und hat sich am Rande der Legalität Anteile an der Colon Invest gesichert, einer Firma, die in Volpe III ein Moorbad errichten will.

Doch als einige Gemeinderäte anrücken, um das Gebiet zu vermessen, ist es mit der Feierlaune schnell vorbei: Auf dem vermeintlich menschenleeren Areal fallen Schüsse. Abgefeuert hat sie der alte Alfons Kohler, der in den Gebäuden der Kiesgrube als eine Art Hausmeister arbeitet und offenbar keinen Fremden auf seinem Terrain duldet. Gemeinderat Peter Mühlbach erstattet Anzeige, und so rücken im Polizeiruf 110 „Bruderliebe“ Sigi Möller und Kalle Küppers aus. Kaum haben sie sich der Sache angenommen, tritt der Eigentümer der alten Gebäude auf den Plan: Ingo Ambeck, Inhaber der Colon Invest und inzwischen eine feste Größe im Rotlichtmilieu. Gemeinsam mit seinem Sicherheitsberater Robert Weller, einem ehemaligen BKA-Beamten, der sich mit Polizeiarbeit bestens auskennt, tut er den Vorfall als bloßes Missverständnis ab und verspricht, alles wieder ins Reine zu bringen.

Was den Rotlichtunternehmer und den Mann mit dem Gewehr verbindet, ist eine Familiengeschichte für sich: Ingo ist der Sohn von Alfons – und der Vater kann ihn nicht ausstehen. Umso mehr hängt der Alte an seinem zweiten Sohn Ralle, einem Stuckateur, der nach langer Zeit nach Kohlmarkt am Moos zurückgekehrt ist. Alfons will den Jungen beschützen und ihn so bald wie möglich wieder aus der Gegend herausholen, fort aus dem Dunstkreis seines Bruders. Dazu passt ihm auch Ralles frische Affäre nicht ins Konzept: Seit einigen Wochen ist der Heimkehrer mit Tanja zusammen, die als Kellnerin im Top City jobbt – dem Nachtclub, der zu Ingos Anwesen in der Kiesgrube gehört.

Auch privat ist bei Sigi einiges in Bewegung. Seine Freundin Gabi Bauer ist hochschwanger und besucht einen Geburtsvorbereitungskurs, in dem sie zwischen Atemübungen den einen oder anderen brauchbaren Gedanken für den Fall aufschnappt.

Je länger sich die zwei Ordnungshüter in Volpe III umsehen, desto deutlicher spüren sie, dass hier etwas faul ist. Warum werden die Schüsse so bereitwillig unter den Teppich gekehrt? Und welche Rolle spielt der Nachtclub mitten im Kiesgrubengelände? Die Ermittler im WDR-Polizeiruf „Bruderliebe“ beginnen, in Akten und Familienverhältnissen zu graben, und stoßen dabei auf Ungereimtheiten, die weit in die Vergangenheit der Kohlers zurückreichen. Als dann auch noch Tanja spurlos verschwindet, ahnen Sigi und Kalle, dass sie es mit weit mehr zu tun haben als mit einem grantigen Einzelgänger, der zu schnell zur Waffe greift …

Hinter den Kulissen

„Bruderliebe“ ist der sechste Fall für die Volper Polizisten Sigi Möller (Martin Lindow) und Kalle Küppers (Oliver Stritzel). An Sigis Seite ist Gabi Bauer (Andrea Sawatzki) zu sehen. Den Kohler-Clan verkörpern Martin Lüttge als Alfons Kohler, Jan-Gregor Kremp als Ingo Ambeck und Martin Glade als Ralf Maria „Ralle“ Kohler; Andrea Lüdke spielt die Kellnerin Tanja Ryglewsky, Ulrich Gebauer den Sicherheitsberater Robert Weller.

Das Drehbuch stammt von Dirk Salomon und Thomas Wesskamp, die beide auch vor der Kamera stehen: Salomon spielt Gemeinderat Peter Mühlbach, Wesskamp ist als Eppmann zu sehen. Regie führte Ulrich Stark, produziert wurde der Film von der Bavaria Film im Auftrag des WDR.

Gedreht wurde vom 15. November bis zum 16. Dezember 1999 in München und Umgebung sowie in Brilon. Die Kostüme entwarf Rosemarie Hettmann, die Filmbauten stammen von Petra Heim. Bei der Erstausstrahlung schalteten 6,25 Millionen Zuschauer ein, was einem Marktanteil von 18,8 Prozent entsprach.

Besetzung

Polizist Sigi Möller – Martin Lindow
Polizist Kalle Küppers – Oliver Stritzel
Gabi Bauer, Sigis Freundin – Andrea Sawatzki
Alfons Kohler – Martin Lüttge
Ingo Ambeck, Inhaber der Colon Invest – Jan-Gregor Kremp
Tanja Ryglewsky, Kellnerin im Top City – Andrea Lüdke
Ralf Maria „Ralle“ Kohler, Stuckateur – Martin Glade
Robert Weller, Ingos Sicherheitsberater – Ulrich Gebauer
Bürgermeister Huffer – Wolfgang Müller
Gemeinderat Peter Mühlbach – Dirk Salomon
Eppmann – Thomas Wesskamp
Zuhälter – Peter Bechtel
u. v. a.

Stab

Regie – Ulrich Stark
Drehbuch – Dirk Salomon, Thomas Wesskamp
Produktion – Veith von Fürstenberg
Musik – Birger Heymann
Kamera – Wolf Siegelmann
Schnitt – Felicitas Lainer
Kostüm – Rosemarie Hettmann
Filmbauten – Petra Heim
Produktionsunternehmen – Bavaria Film, im Auftrag des WDR