Kurz und knapp – darum geht’s

Ein zertrümmertes Schaufenster, eine Tasche voller Kameras, eine nächtliche Flucht im Ruderboot – und dann wird der Einbrecher Jäcki unversehens zum Lebensretter: Er holt die kleine Ilona Budack aus dem See, nachdem sie vom Boot ihrer Eltern ins dunkle Wasser gestürzt ist. Die Familie ist ihm grenzenlos dankbar und quartiert ihn auf ihrem Wochenendgrundstück ein – ein idealer Ausgangspunkt für neue Diebestouren. Sein Komplize Marunde sitzt zwar längst bei Oberleutnant Jürgen Hübner und Leutnant Vera Arndt im Verhör, schweigt aber beharrlich. Und Vater Heinz Budack nimmt dem Retter seiner Tochter jedes Wort ab und hält schützend die Hand über ihn. Doch bald hat Jäcki ein Menschenleben auf dem Gewissen – und Heinz Budack steckt tiefer mit drin, als ihm lieb ist …

Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Glassplitter“

Spät am Abend klirrt in Berlin eine Schaufensterscheibe: Ein Einbrecher räumt die Auslage eines Foto-Optik-Geschäfts leer und stopft hochwertige Kameras in seine Tasche. Der Inhaber bekommt zwar mit, was vor seinem Laden geschieht, doch der Täter springt in ein bereitstehendes Auto und ist auf und davon. Wenig später lässt er den Fahrer halten und steigt aus – man sei schließlich zu zweit gesehen worden, ein Wagen mit nur einem Insassen werde also gar nicht gesucht. Eine Rechnung, die nicht aufgeht: Kurz darauf wird das Auto gestoppt, auf dem Rücksitz liegt die Tasche mit dem Diebesgut, und Fahrer Marunde wandert in Untersuchungshaft. Er habe doch bloß einen Anhalter mitgenommen, beteuert er.

Der Einbrecher heißt Jäcki, und seine Flucht setzt er in einem Ruderboot fort, quer über einen nächtlichen See. Zur selben Zeit ist dort Familie Budack mit dem Motorboot unterwegs, auf dem Heimweg von einem Besuch bei den Großeltern. Das Boot streift Jäckis Kahn, und beim Ausweichen geht die kleine Ilona über Bord. In der Dunkelheit ist von dem Mädchen nichts mehr zu sehen, Vater Heinz taucht verzweifelt, aber vergeblich nach ihr. Ausgerechnet der Fremde aus dem Ruderboot bringt das Kind an die Oberfläche und erklärt den völlig aufgelösten Eltern, wie sie Erste Hilfe leisten müssen. Während Heinz und Gerti Budack ihre Tochter ins Krankenhaus bringen, rufen sie ihrem Retter noch Namen und Adresse zu.

Wenige Tage später steht Jäcki bei den Budacks vor der Tür, und die Freude ist riesig. Der Gast darf mitessen und übernachten, und weil er angeblich auf Arbeitssuche ist und noch keine feste Bleibe hat, überlassen ihm die Eheleute kurzerhand ihr Wochenendgrundstück – samt einem Darlehen von 500 Mark. Was die Familie nicht ahnt: Für ihren Schützling ist das Haus der perfekte Unterschlupf, von dem aus er in aller Ruhe neue Einbrüche plant. Vor allem Heinz Budack geht ihm auf den Leim. Er hält jede Mitleid heischende Geschichte für bare Münze und will dem Mann, dem er so viel verdankt, unbedingt auf die Beine helfen.

Derweil haben Oberleutnant Jürgen Hübner und Leutnant Vera Arndt alle Hände voll zu tun. Über seinen Partner verliert Marunde kein Wort, doch bei der Durchsuchung seiner Wohnung stoßen die Kriminalisten auf einen großen Teil der Beute: Spirituosen und Elektrogeräte, die Jäcki dort gebunkert hat. Und die Scherben werden zur heißen Spur. In Berlin und Umgebung häufen sich Einbrüche, bei denen jedes Mal eine Scheibe zu Bruch geht, und die Ermittler im Polizeiruf 110 „Glassplitter“ stellen fest, dass sie es mit einem Täter zu tun haben, der an mehr als 60 solcher Taten beteiligt war.

Für Heinz Budack wird die Hilfsbereitschaft unterdessen zur Falle. Als er begreift, dass sein Gast nicht im Traum daran denkt, einer geregelten Arbeit nachzugehen, hat er ihn gegenüber der Polizei bereits mit falschen Angaben gedeckt. Dann geschieht das Schlimmste: Bei einem Einbruch erschlägt Jäcki einen Familienvater, und schon bald fahndet die Polizei per Steckbrief nach ihm. Durch seine Lügen ist Heinz mitschuldig am Tod des Mannes geworden, die Angst sitzt ihm im Nacken – und Jäcki presst ihm immer neue, immer höhere Summen ab. Doch dann erreicht Hübner und Arndt im DDR-Krimi „Glassplitter“ ein Hinweis aus unerwarteter Richtung: Ein Kollege von Heinz Budack meldet sich bei den Ermittlern, denn er hat die beiden Männer zusammen gesehen …

Hinter den Kulissen

„Glassplitter“ ist die 76. Folge der Krimireihe Polizeiruf 110. Für Oberleutnant Jürgen Hübner (Jürgen Frohriep) ist es der 36. Fall, für Leutnant Vera Arndt (Sigrid Göhler) bereits der 45. An ihrer Seite stehen der Einbrecher Joachim „Jäcki“ Lieske (Jörg Kleinau), sein Komplize Marunde (Kurt Goldstein) sowie das Ehepaar Heinz Budack (Otmar Richter) und Gerti Budack (Monika Lennartz) mit Tochter Ilona (Rahel Bringmann) im Mittelpunkt.

Regie führte Georg Schiemann, der gemeinsam mit Werner Fiedler auch das Drehbuch schrieb. Gedreht wurde vom 22. Januar bis zum 15. März 1981 in Zeuthen, in Eichwalde – unter anderem in der Bahnhofstraße 7 – sowie in Berlin. Die Kostüme entwarf Isolde Müller-Claud, für die Filmbauten war Hans-Joachim Hölzel verantwortlich. Produziert wurde der Film vom Fernsehen der DDR.

Bei der Erstausstrahlung lag die Zuschauerbeteiligung bei 54,8 Prozent.

Besetzung

Oberleutnant Jürgen Hübner – Jürgen Frohriep
Leutnant Vera Arndt – Sigrid Göhler
Joachim „Jäcki“ Lieske – Jörg Kleinau
Heinz Budack – Otmar Richter
Gerti Budack – Monika Lennartz
Ilona Budack – Rahel Bringmann
Opa Budack – Bruno Carstens
Oma Budack – Helga Raumer
Herr Marunde – Kurt Goldstein
Rudi Bradtke – Manfred Müller
Verkäuferin – Monika Bienert
Regina – Gisela Graupner
Herr Horn – Dietmar Bauschke
Oberleutnant Körner – Dietmar Obst
Wirt – Oskar Daum
Verkaufsstellenleiter – Günter Drescher
Detlef – Gerd Grzesczak
Nachbar – Georg Helge
Frau Gärtner – Ostara Körner
Leutnant Boldt – Karl-Peter Schwidurski
Barkas-Fahrer – Christian Stieg
Kriminaltechniker – Roger Zerath
u. v. a.

Stab

Regie – Georg Schiemann
Drehbuch – Georg Schiemann, Werner Fiedler
Produktion – Helga Lüdde
Musik – Horst Krüger
Kamera – Horst Klewe
Schnitt – Edith Kaluza
Produktionsunternehmen – Fernsehen der DDR