Kurz und knapp – darum geht’s
Kaum ist Kommissar Robert Loster von Kassel nach Offenbach versetzt worden, steht er bei den Ermittlungen zu einem Überfall auf zwei junge afrikanische Straßenmusiker unverhofft seinem Kindheitsfreund Heini Troll gegenüber. Beide stecken finanziell in der Klemme: Loster, weil sein Beamtengehalt für das Leben in der Großstadt nicht reicht, der Bäckermeister, weil ihm nach einem Salmonellenskandal die Kundschaft davongelaufen ist. Aus einer Schnapsidee wird ein Plan. Ein „warmer Abriss“ der Bäckerei soll beide sanieren, ein fingierter Drohbrief den Verdacht auf ausländerfeindliche Täter lenken. Doch Troll bekommt kalte Füße – und als das Haus trotzdem in Flammen aufgeht, stirbt seine Schwiegermutter. Nun hält der Freund ausgerechnet Loster für den Brandstifter …
Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Feuertod“
Eben noch Musik, im nächsten Moment rohe Gewalt: In einer U-Bahn-Station spielen zwei junge Afrikaner für die Passanten, als eine Gruppe gleichaltriger Deutscher sie anrempelt und überfällt. Einer der beiden Musiker stürzt auf die Gleise und kommt verletzt ins Krankenhaus. Sein Begleiter, der Marokkaner Claude Barré, läuft wie benommen davon und fährt nach Hause. Dort sucht ihn die Kripo – und Kommissar Robert Loster staunt nicht schlecht: Der Vermieter des jungen Mannes ist Bäckermeister Heini Troll, mit dem er als Kind befreundet war.
Für Loster ist Offenbach noch fremdes Terrain. Erst vor Kurzem ist er aus Kassel ins Dezernat von Hauptkommissar Lubig gewechselt, und was der neue Vorgesetzte nicht ahnt: Sein Mitarbeiter sitzt auf 42.000 D-Mark Schulden. Seine Frau Nina schreibt an ihrer Diplomarbeit in Psychologie, versorgt den gemeinsamen Sohn und jobbt nebenbei, um die Haushaltskasse aufzubessern. Trotzdem drückt der Bankkredit, der Umzug hat ein weiteres Loch in die Finanzen gerissen, und das Polizistengehalt reicht in der teuren Großstadt hinten und vorne nicht. Dann wird auch noch das nicht abbezahlte Familienauto gestohlen und später zerstört aufgefunden – und Loster muss erfahren, dass Nina die Versicherung heimlich abgemeldet hatte, um Geld zu sparen.
Bei Heini Troll sieht es kaum besser aus. Zusammen mit seiner schwangeren Frau Gudrun betreibt er eine Bäckerei mit Gartencafé, doch seit der Betrieb mit salmonellenverseuchtem Speiseeis ins Gerede kam, bleiben die Gäste weg – obwohl Troll das Eis nur von einem anderen Café bezogen hatte und ihn keine Schuld trifft. Rund 800.000 Mark Miese haben sich inzwischen angehäuft. Auch die Stimmung im Viertel ist im HR-Polizeiruf „Feuertod“ vergiftet: In der Nachbarschaft tauchen Hakenkreuzschmierereien auf, unweit der Bäckerei hat es kürzlich in einer deutsch-türkischen Kneipe gebrannt, und Troll selbst wurde schon bedroht, weil er dem jungen Afrikaner ein Zimmer vermietet.
Als die beiden Freunde einander ihre Notlage offenbaren, wirft Loster halb im Scherz eine Idee in den Raum: Warum die Bäckerei nicht einfach anzünden und die Versicherungssumme von 1,2 Millionen Mark kassieren? Auf Heinis Geburtstagsfeier macht der Kommissar deutlich, dass er es ernst meint, und nach einiger Bedenkzeit willigt der Bäcker ein. Während er mit Gudrun für zwei Wochen nach Mallorca fliegt, soll Loster das Feuer legen. Ein anonymer Brief voller rassistischer Drohungen gegen den Untermieter und seinen Vermieter soll die Ermittler anschließend auf die Fährte ausländerfeindlicher Brandstifter locken.
Doch kurz vor der Tat bekommt Heini Skrupel und steigt aus – Loster akzeptiert seine Entscheidung. Umso größer ist der Schock, als die Bäckerei in derselben Nacht dennoch abbrennt. Und durch einen tragischen Zufall kommt dabei Gudruns Mutter ums Leben.
Für Heini gibt es nur eine Erklärung: Sein Freund hat den Plan gegen jede Absprache durchgezogen. Loster kann ihn nicht vom Gegenteil überzeugen und steht im TV-Krimi „Feuertod“ plötzlich selbst im Zwielicht – ausgerechnet bei dem Mann, mit dem er den Brand ausgeheckt hatte. Ihm bleibt nur ein Ausweg: Er muss herausfinden, wer das Feuer tatsächlich gelegt hat …
Hinter den Kulissen
„Feuertod“ ist die 191. Folge der Reihe Polizeiruf 110 und zugleich der erste Beitrag des Hessischen Rundfunks. Für Hauptkommissar Lubig (Walter Renneisen) und Kommissar Robert Loster (Horst Günter Marx) blieb es beim einzigen gemeinsamen Fall: Schon vor der Ausstrahlung stand fest, dass keine weitere Folge mit den beiden entstehen würde, denn der HR hatte bereits den ersten Krimi mit seinem eigentlichen Polizeiruf-Team um Grosche, Reeding und Schlosser abgedreht.
In weiteren zentralen Rollen sind Jürgen Tarrach als Bäckermeister Heini Troll, Anke Sevenich als dessen Frau Gudrun und Katinka Heichert als Losters Frau Nina zu sehen.
Heinz Schirk führte nicht nur Regie, sondern schrieb auch das Drehbuch. Gedreht wurde unter anderem in Offenbach. Die Kostüme entwarf Hedi Karpenstein, die Filmbauten stammen von Jörg Domenik. Bei der Erstausstrahlung lag die Zuschauerbeteiligung bei 21 Prozent.
Besetzung
Hauptkommissar Lubig – Walter Renneisen
Kommissar Robert Loster – Horst Günter Marx
Bäckermeister Heini Troll – Jürgen Tarrach
Gudrun Troll, Heinis Frau – Anke Sevenich
Nina Loster, Losters Frau – Katinka Heichert
Sasse, Losters Mitarbeiter – Lutz Mackensy
Hinz – Eckart Rühl
Heinis Vater – Hannes Andersen
Heinis Mutter – Gaby Reichardt
Frau Tiess – Monika Hessenberg
Jakob Tiess – Oliver Bröcker
Axel – Louis Friedemann Thiele
Axels Oma – Marianne Mosa
Frau von Versicherung – Ellen Schulz
Gudruns Mutter – Ursula Lillig
u. v. a.
Stab
Regie – Heinz Schirk
Drehbuch – Heinz Schirk
Produktion – Berndt Rhotert
Musik – Axel Donner
Kamera – Werner Hoffmann
Schnitt – Stefan Blau, Elke Herbener
Kostüm – Hedi Karpenstein
Filmbauten – Jörg Domenik
Produktionsunternehmen – HR
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