Kurz und knapp – darum geht’s

Ein nächtlicher Blitzeinbruch, ein gestohlener Tresor und ein wortkarger Radfahrer, der niemandem verrät, was er im Ort zu suchen hat: Im mecklenburgischen Dorf Plüschow ist es mit der Ruhe vorbei. Die Kommissare Kurt Groth und Jens Hinrichs sollen klären, ob hinter dem Coup auf die Postfiliale eine rumänische Bande steckt, die schon länger in der Gegend zuschlägt. Doch während Groth sich bedächtig an die Einbruchserie hält, stößt Hinrichs auf Fässer voller Gift und wittert organisierte Umweltkriminalität. Mittendrin: der Fremde Stefan Bender, ein Greenpeace-Aktivist, in dem der ehrgeizige Hinrichs vor allem einen Konkurrenten sieht. Als dann auch noch Groths Enkelin Juliane auftaucht und sich ausgerechnet zu Bender hingezogen fühlt, wird die Lage endgültig unübersichtlich …

Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Der Fremde“

Auf den ersten Blick scheint in Plüschow nichts die gewohnte Ordnung stören zu können – bis eines Tages ein Mann auf dem Fahrrad ins Dorf rollt. Wortkarg quartiert er sich im einzigen Gasthof ein, lässt niemanden wissen, was ihn hierherführt, und streift tagsüber auf zwei Rädern durch die Umgebung. Für die Gastwirtin, für Krüger und die Brüder Johann und Jobst Lühmann ist der Unbekannte bald das Gesprächsthema schlechthin. Und die Spekulationen schießen erst recht ins Kraut, als kurz nach seiner Ankunft Diebe in einer nächtlichen Blitzaktion den Tresor aus der örtlichen Postfiliale abtransportieren.

Damit gibt es im Dorf gleich zwei weitere neue Gesichter zu bestaunen: Kriminalhauptkommissar Jens Hinrichs und Kriminalkommissar Kurt Groth nehmen unter den neugierigen Blicken der Einheimischen die Arbeit auf. Rasch zeigt sich, dass der Überfall auf die Post kein Einzelfall ist – acht Einbrüche dieser Art hat es in den vergangenen zwölf Tagen gegeben. Hinrichs hat auch schon eine Theorie parat: Eine rumänische Bande soll dahinterstecken. Der ehrgeizige Kommissar spürt den ganz großen Fall und die Chance, einer weit über die Region hinaus agierenden Gruppe endlich das Geschäft zu verderben.

Doch bei seinen Recherchen stolpert er über etwas ganz anderes: Auf einer Wiese stehen Fässer mit giftigen Lacken und Lösemitteln, deren Inhalt längst ins Erdreich sickert. Die Dämpfe sind so stark, dass Hinrichs das Bewusstsein verliert. Kaum wieder bei sich, hat er seine neue Mission gefunden, denn für ihn steht fest, dass hier organisierte Umweltkriminalität am Werk ist. Während Groth im Polizeiruf 110 „Der Fremde“ mit gewohnter Gelassenheit weiter dem Tresorraub nachgeht, verbeißt sich sein Kollege immer tiefer in den brisanten Fund.

Dass ihm dabei ständig Stefan Bender über den Weg radelt, hält Hinrichs nicht für Zufall. Er ist überzeugt, dass der Greenpeace-Aktivist wegen der Gifttonnen nach Plüschow gekommen ist – auch wenn Bender über seinen Auftrag beharrlich schweigt. Unter den Dorfbewohnern macht sich ebenfalls Unruhe breit, seit sie in dem Neuankömmling einen Umweltschützer vermuten. Für Hinrichs geht es inzwischen um mehr als nur um Ermittlungsarbeit: Dass ausgerechnet ein Mann von Greenpeace ihm „seinen“ Fall vor der Nase wegschnappt, kann sein Ehrgeiz nicht hinnehmen.

Zu allem Überfluss reist im NDR-Polizeiruf „Der Fremde“ dann auch noch Groths Enkelin Juliane an – eigentlich nur, um Hinrichs ein Kabel für seinen Computer vorbeizubringen. Doch statt gleich wieder abzufahren, bleibt die junge Frau im Dorf, und ihre Zuneigung gilt unübersehbar dem schweigsamen Fremden. Zwischen dem Kommissar und dem Aktivisten knistert es nun gewaltig, und von einem gemeinsamen Vorgehen sind die beiden Männer weiter entfernt denn je. Was Bender tatsächlich auf seinen Touren durch die Gegend herausfinden will, bleibt derweil sein Geheimnis …

Hinter den Kulissen

Für Kurt Groth (Kurt Böwe) und Jens Hinrichs (Uwe Steimle) ist es der achte gemeinsame Fall. In weiteren Rollen sind unter anderem Ingo Naujoks als Stefan Bender, Gabriele Völsch als Juliane Groth sowie Karin Baal als Gastwirtin und Horst Krause als Johann Lühmann zu sehen.

Regisseur Manfred Stelzer, der nach einem Drehbuch von Rainer Butt und Jürgen Pomorin inszenierte, versah den Krimi mit zahlreichen Anleihen beim Western, die humorvoll in Szene gesetzt sind: Filmmusik, Titelgestaltung und Kleidung greifen das Genre ebenso auf wie typische Kameraeinstellungen, Teile der Dialoge und das Figurenarsenal – vom schweigenden Fremden über die Salondame bis zu kleinen Schurken und Sheriffs. Die Kostüme entwarf Heidi Plätz, die Filmbauten stammen von Marion Strohschein.

Gedreht wurde ab Juli 1996 in Mecklenburg-Vorpommern, unter anderem in Plüschow und im Seehafen Wismar. Produziert hat die Polyphon Film- und Fernseh GmbH für den NDR. Bei der Erstausstrahlung lag die Zuschauerbeteiligung bei 19,1 Prozent.

Besetzung

Kriminalkommissar Kurt Groth – Kurt Böwe
Kriminalhauptkommissar Jens Hinrichs – Uwe Steimle
Gastwirtin – Karin Baal
Krüger – Karl Kranzkowski
Johann Lühmann – Horst Krause
Stefan Bender, Greenpeace-Aktivist – Ingo Naujoks
Jobst Lühmann – Victor Schefé
Susann Schweitzer, Inhaberin der Mülldeponie – Nora Jensen
Oberkriminalrat Dr. Stuber – H. H. Müller
Lebensmittelhändler – Arno Reckers
Krummbein – Bernd Stegemann
Juliane Groth, Groths Enkelin – Gabriele Völsch
Bahnhofsvorsteher – Horst Rehberg
Blaumann – Frank Apitz
u. v. a.

Stab

Regie – Manfred Stelzer
Drehbuch – Rainer Butt, Jürgen Pomorin
Produktion – Barbara Beauvais, Beatrice Kramm
Musik – Joachim von Gerndt
Kamera – Oliver Jakob
Schnitt – Hedy Altschiller, Renate Engelmann
Produktionsunternehmen – Polyphon Film- und Fernseh GmbH, für NDR