Kurz und knapp – darum geht’s

Ein Mord unter Jugendlichen führt die Münchner Kommissare Jo Obermaier und Jürgen Tauber in den Stadtteil Neuperlach: Der junge Roma Arpad Nagy ist mit einem Stich in die Halsschlagader getötet worden. Arpad gehörte zu „Integra“, einer privaten Initiative, die Jugendlichen aus Problemvierteln zu einer Lehrstelle verhelfen will. Deren Leiterin Marlene Oppenrieder, die Tauber gut kennt, treibt vor allem eine Sorge um: schlechte Presse kurz vor einer Spendenshow im Fernsehen, von der das Projekt finanziell abhängt. Als sich herausstellt, dass Arpad eine begehrte Ausbildungsstelle in Aussicht hatte, um die sich auch sein Bekannter Vladi beworben hatte, richtet sich der Blick der Ermittler auf diesen. Doch Vladi ist wie vom Erdboden verschluckt, und seine Freundin Biljana behauptet, er sei in die Slowakei zurückgekehrt …

Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Fluch der guten Tat“

Feine Gesellschaft in einer edlen Villa: Marlene Oppenrieder hat zu einer Wohltätigkeitsparty zugunsten ihres Herzensprojekts „Integra“ geladen. Der Schriftsteller Axel Hacke liest aus seinem Buch, für die geförderten Jugendlichen werden Ausbildungsplätze vermittelt, und unter den Gästen ist auch Kriminalhauptkommissar Jürgen Tauber, der an der wohlhabenden Gastgeberin sichtlich Gefallen gefunden hat. Zur selben Zeit stirbt in Neuperlach, wo der Verein seinen Sitz hat, der junge Roma Arpad Nagy – getötet durch einen Stich in die Halsschlagader. Zwischen dem eleganten Empfang und dem Tatort liegen Welten.

„Integra“ kümmert sich um Jugendliche aus sozialen Brennpunkten, und Arpad galt als eines der Vorzeigebeispiele: Kurz vor seinem Tod hatte er eine Arbeitsstelle in Aussicht. Eigentlich möchte Tauber den Fall seiner Kollegin, Kriminalhauptkommissarin Jo Obermaier, allein überlassen. Doch dann steht Marlene bei ihm vor der Tür und bittet ihn eindringlich, die Presse aus der Sache herauszuhalten – und plötzlich ermittelt er doch mit.

Für das Duo liegt nahe, dass der Täter aus Arpads Umfeld stammt. Nur sind die Jugendlichen im Projekt alles andere als gesprächig, kaum einer lässt sich ein brauchbares Wort entlocken. Gab es Streit? Spielten Drogen eine Rolle? Oder braut sich ein Krieg zwischen rivalisierenden Banden zusammen? Während die Kommissare im Polizeiruf 110 „Fluch der guten Tat“ jeder noch so kleinen Spur nachgehen, probt Marlene Oppenrieder mit ihren Schützlingen unbeirrt für eine aufwendige Spendensendung im Fernsehen. Gelingt sie, wäre das Geld für die Arbeit von „Integra“ auf längere Sicht gesichert.

Ein Mordfall in den eigenen Reihen kommt der engagierten Projektleiterin da denkbar ungelegen. Negative Schlagzeilen könnten Spender verschrecken, und so redet sie immer wieder auf Tauber ein, die Medien bloß nicht einzuschalten. Für den Kommissar, der Marlene alles andere als abgeneigt ist, wird der Fall damit zur Gratwanderung zwischen persönlicher Sympathie und dienstlicher Pflicht.

Bald geraten zwei weitere Mitglieder des „Integra“-Kreises in den Blick: Vladi Ossadnek und seine Freundin Biljana Ducic, die beide Arpad kannten. Ausgerechnet Vladi ist seit Beginn der Ermittlungen nicht mehr aufzutreiben – Obermaier und Tauber werden hellhörig. Dann erfahren sie etwas, das dem Fall eine neue Richtung gibt: Arpad sollte eine Lehrstelle bei einer angesehenen Eventagentur antreten. Und für diesen begehrten Posten gab es noch einen zweiten Bewerber – Vladi.

Wo aber steckt der junge Mann? Laut Biljana ist er in die Slowakei zurückgekehrt. Als sich dann auch noch Marlenes Neffe Rainer in die hübsche junge Frau verliebt, spitzt sich die Lage im BR-Polizeiruf „Fluch der guten Tat“ zu, und die Situation droht jeden Moment zu eskalieren …

Hinter den Kulissen

Für Kriminalhauptkommissar Jürgen Tauber (Edgar Selge) ist es der fünfte Fall, für Kriminalhauptkommissarin Jo Obermaier (Michaela May) der zweite – und zugleich der zweite gemeinsame Einsatz des Münchner Duos. In weiteren Rollen sind Andrea Eckert als Projektleiterin Marlene Oppenrieder, Martin Greif als Vladi Ossadnek, Birthe Wolter als Biljana Ducic, Sascha Heymans als Rainer Oppenrieder und Philipp Danne als Arpad Nagy zu sehen. Der Schriftsteller Axel Hacke hat einen Cameo-Auftritt: Er spielt sich selbst und liest auf der Wohltätigkeitsfeier aus seinem Buch.

Gedreht wurde die 232. Folge der Reihe im Sommer 2000 in München und Umgebung, damals noch unter dem Arbeitstitel „Charity“. Hans-Günther Bücking führte nicht nur Regie, sondern stand auch selbst hinter der Kamera; das Drehbuch stammt von Peter Probst. Produziert wurde der Film von der Bavaria Film im Auftrag des BR. Die Kostüme entwarf Annette Reinecke-Popp, die Filmbauten schuf Reinhard Twardy.

Bei der Erstausstrahlung schalteten 5,31 Millionen Zuschauer ein, das entsprach einem Marktanteil von 18,7 Prozent.

Musik

The Brandalls – Stranded

Besetzung

Kriminalhauptkommissarin Jo Obermaier – Michaela May
Kriminalhauptkommissar Jürgen Tauber – Edgar Selge
Marlene Oppenrieder, Leiterin von „Integra“ – Andrea Eckert
Emmy Duplat – Lisa Kreuzer
Biljana Ducic – Birthe Wolter
Vater Oppenrieder – Elert Bode
Vladi Ossadnek – Martin Greif
Rainer Oppenrieder, Marlenes Neffe – Sascha Heymans
Polizist Häsch – Maximilian Krückl
Polizist Leitner – Heinz-Josef Braun
Paul von Otting
Tarik Yilmaz – Tayfun Bademsoy
Haushälterin – Katja Boeszoermeny
Nuran Calis
Arpad Nagy – Philipp Danne
Studioregisseur – Reto Feurer
Eva Gerlach – Natascha Graf
Axel Hacke, Schriftsteller – Axel Hacke
Taifun – Martin Kuhlmann
Arpads Mutter – Daniela Obermeir
Christine Bronski – Natalie Spinell
Kevin Yilmaz – Vincent Waas
u. v. a.

Stab

Regie – Hans-Günther Bücking
Drehbuch – Peter Probst
Produktion – Veith von Fürstenberg
Musik – Günther Illi
Kamera – Hans-Günther Bücking
Schnitt – Babette Fürbringer
Kostüm – Annette Reinecke-Popp
Filmbauten – Reinhard Twardy
Produktionsunternehmen – Bavaria Film, im Auftrag des BR