Kurz und knapp – darum geht’s

Direkt vor dem Schweriner Landgericht wird Richter Gotthold angeschossen – ausgerechnet ins Hinterteil. Für die Kommissare Jens Hinrichs und Holm Diekmann scheint die Spur zunächst in die rechte Szene zu führen, doch der Projektilvergleich verweist auf ein Gewehr, das eigentlich in der Asservatenkammer der Polizei liegt. Es gehört zu einem Mordfall aus dem Jahr 1990, für den der frühere Stasi-Major Rolf Heidenreich bis heute hinter Gittern sitzt. Als auch Oberstaatsanwalt Ratz getroffen wird, knöpfen sich die Ermittler die Jagdgesellschaft von damals vor und legen sich dabei mit einer Clique an, die in der Hierarchie weit über ihnen steht. Allmählich drängt sich der Verdacht auf, dass seit Jahren der Falsche seine Strafe absitzt …

Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Memory“

Ausgerechnet vor dem Gebäude, in dem täglich über Schuld und Unschuld entschieden wird, fällt ein Schuss – und er erwischt Richter Gotthold an einer denkbar unrühmlichen Stelle: im Gesäß. Der Getroffene hat sofort eine Erklärung parat und vermutet hinter dem Anschlag einen Racheakt von Rechtsradikalen. Tatsächlich stoßen die Kriminalhauptkommissare Jens Hinrichs und Holm Diekmann im Polizeiruf 110 „Memory“ schnell auf die Freundin eines Skinheads, den Gotthold verurteilt hat. Die junge Frau leistet ganz in der Nähe des Gerichts Sozialstunden ab und käme damit durchaus als Schützin in Frage.

Noch verwirrender ist, was der Projektilvergleich ergibt: Die Kugel stammt aus einer Waffe, die sicher verwahrt in der Asservatenkammer der Polizei liegen sollte. Verwaltet wird die Kammer von Petzold – dem Vater des Mädchens. Für Dr. Stuber und seinen Stammtischkumpan, Oberstaatsanwalt Ratz, ist die Sache damit erledigt, und so verkünden die beiden der Presse bereits die Aufklärung des Falls. Doch dann halten Hinrichs und Diekmann eine alte Akte in Händen, die das scheinbar so klare Bild gründlich durcheinanderbringt.

Darin geht es um einen Mord aus dem Jahr 1990: Damals wurde Professor Werner Müller, Vorsitzender der Jagdgesellschaft „Diana“, erschossen – angeblich mit eben jener Büchse, die nun in der Asservatenkammer lagert. Verurteilt wurde der Ex-Stasi-Major Rolf Heidenreich, selbst Mitglied der Jägerrunde, und zwar von Richter Gotthold. Kurz darauf trifft es auch Oberstaatsanwalt Ratz, der an derselben empfindlichen Stelle verletzt wird wie der Richter. Neue Vergleiche der Projektile liefern ein brisantes Ergebnis: Weder die beiden jüngsten Anschläge noch der Mord von damals wurden mit der asservierten Waffe verübt. Hat die Justiz seinerzeit den Falschen weggesperrt?

Vor allem Diekmann will den alten Fall nun von Grund auf neu aufrollen. Ein erstes Gespräch mit Heidenreich bringt allerdings kaum neue Erkenntnisse, also wendet er sich an den Gutachter von damals: Helmich, der inzwischen als Dozent an der Polizeischule in Hamburg arbeitet. Hinrichs wiederum hat seine ganz eigene Theorie und wittert eine Verschwörung aus Stasi-Kreisen, für die Heidenreich als Sündenbock herhalten musste.

Im NDR-Polizeiruf „Memory“ führt die Spur schließlich zurück in die Jagdgesellschaft. Deren Vorsitz hat nach Müllers Tod Günther Dzieran übernommen, ein eifersüchtiger Ehemann, der zusammen mit Dr. Stuber und Ratz einen einflussreichen Zirkel bildet – Männer, gegen die sich die Kommissare als Untergebene behaupten müssen. Die beiden lassen sich die Jagdgewehre des Vereins vorlegen und nehmen sie genau unter die Lupe. Das Ergebnis hat es in sich: Die tatsächliche Tatwaffe von 1990 gehört ausgerechnet Ratz, und seine Untergebenen haben damals Beweise manipuliert. Doch kann ein Mann, der selbst gerade Zielscheibe eines Anschlags geworden ist, wirklich der Täter sein …

Hinter den Kulissen

„Memory“ ist die 240. Folge der Reihe Polizeiruf 110 und wurde vom NDR unter der Regie von Hans Erich Viet produziert, das Drehbuch stammt von Michael Illner und Frank Sommer. Für Kriminalhauptkommissar Jens Hinrichs (Uwe Steimle) ist es der 18. Fall, sein Kollege Holm Diekmann (Jürgen Schmidt) ermittelt zum vierten Mal regulär in Schwerin.

Seine Polizeiruf-Laufbahn begann Jürgen Schmidt allerdings unter anderem Namen: In „Die Macht und ihr Preis“ stand er Uwe Steimle erstmals als Robert Dieckmann zur Seite – als Vertretung für den erkrankten Kurt Böwe. Erst mit „Seestück mit Mädchen“ wurde er offiziell Hinrichs’ Partner, und seine Figur erhielt den Namen Holm Diekmann.

Neben dem Ermittlerduo sind unter anderem Oberstaatsanwalt Ratz (Holger Mahlich), Richter Gotthold (Anton Rattinger), Rolf Heidenreich (Andreas Schmidt-Schaller) und Günther Dzieran (Bernd Tauber) zu sehen. Hinter der Kamera stand Udo Franz, für die Musik zeichnet Kambiz Giahi verantwortlich.

Besetzung

Kriminalhauptkommissar Jens Hinrichs – Uwe Steimle
Kriminalhauptkommissar Holm Diekmann – Jürgen Schmidt
Rita Schütze, Justizsekretärin – Dana Golombek
Nina – Julia Richter
Loni Dzieran – Anke Sevenich
Oberstaatsanwalt Ratz – Holger Mahlich
Richter Gotthold – Anton Rattinger
Günther Dzieran, Vorsitzender der Jagdgesellschaft – Bernd Tauber
Hinrichs’ Vater – Hermann Beyer
Helmich, Gutachter – Martin Brambach
Berger, Journalistin – Natascha Graf
Jessica Diekmann – Wolke Hegenbarth
Herr Schütze, Sicherheitsdienst – Reiner Heise
Dr. Harald Stuber – H.H. Müller
Wiesel, Kindergärtnerin – Ela Nitzsche
Katja Petzold – Anna S. Luhn
Anna Schäfer
Wolfgang Schenck
Rolf Heidenreich, Ex-Stasi-Major – Andreas Schmidt-Schaller
Frau Findeisen – Christine Schorn
Ellen Diekmann – Roswitha Schreiner
Petzold, Asservatenkammer – Günter Schubert
u. v. a.

Stab

Regie – Hans Erich Viet
Drehbuch – Michael Illner, Frank Sommer
Produktion – Reiner Milker
Musik – Kambiz Giahi
Kamera – Udo Franz
Schnitt – Birgit Levin
Produktionsunternehmen – NDR