Kurz und knapp – darum geht’s

Mitten im Münchner Hofgarten wird ein stadtbekanntes Starlet tot aufgefunden, eigentümlich kunstvoll hergerichtet – gestorben ist Lo dort allem Anschein nach nicht. Kriminalhauptkommissar Jürgen Tauber und seine Partnerin Jo Obermaier stoßen schnell auf Los Manager Fred Fink und dessen Freundin Walli, die man wegen ihrer vielfach operierten Oberweite nur „Silikon Walli“ nennt. Weil Spurensicherung und Pathologie streiken, widmet sich Tauber ganz der zarten Walli und findet in ihr eine Verbündete in der Einsamkeit. Obermaier dagegen traut der jungen Frau nicht über den Weg. Hat Walli ihre Freundin und Konkurrentin beseitigt? Und dann sind da noch die illegalen Tabletten, die Lo gegen ihre Schmerzen geschluckt hat …

Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Silikon Walli“

Es ist noch früh am Morgen, als ein Anruf den Boulevardreporter Harry Hauck in den Münchner Hofgarten lockt. Dort, im Tempel, liegt eine Tote – und zwar auf eine Weise, die eher an eine Inszenierung erinnert als an einen Tatort. Die Frau ist in der Stadt keine Unbekannte: Lotte „Lo“ König hat es als Starlet mit üppiger Oberweite zu einiger Berühmtheit gebracht. Für Kriminalhauptkommissar Jürgen Tauber und Kriminalhauptkommissarin Jo Obermaier spricht einiges dafür, dass Lo an einem ganz anderen Ort gestorben ist.

Die Ermittlungen führen rasch zu Alfred „Fred“ Fink. Der Manager betreibt eine sogenannte Eventagentur, für die nicht nur Lo gearbeitet hat, sondern auch Waltraud Krämer – Freds Freundin, die in der Münchner Szene wegen ihrer mehrfach vergrößerten Brüste nur „Silikon Walli“ heißt. Die beiden Frauen verband eine Freundschaft, in der stets auch Rivalität mitschwang. Umso mehr irritiert die Kommissare, wie ungerührt Walli und Fred bei der ersten Vernehmung über Los Tod sprechen: kein Entsetzen, keine Trauer, kaum Überraschung.

Dann gerät die Arbeit der Kripo gründlich ins Stocken, denn Spurensicherung und Pathologie sind im Streik. Tauber nutzt die erzwungene Pause, um sich statt mit Laborbefunden mit Walli selbst zu beschäftigen. Die Frage, die ihn umtreibt: Ist sie tatsächlich das zerbrechliche, arglose Geschöpf, als das sie sich präsentiert? Oder steckt hinter dem sanften Auftreten eine Frau voller Neid und Kalkül, die mit Lo um den Spitzenplatz unter Münchens Busenwundern gerungen hat – und dafür sogar zur Mörderin geworden sein könnte?

Je näher sich die beiden kommen, desto deutlicher zeigt sich im Polizeiruf 110 „Silikon Walli“, was den Kommissar und das Starlet verbindet: Beide leben mit einem versehrten Körper, beide sind einsam – und beide wagen es zum ersten Mal, einem anderen Menschen zu zeigen, dass sie Hilfe brauchen. Bei Tauber erlebt Walli wenigstens für Augenblicke, dass jemand in ihr den Menschen sieht und nicht die Ware. Mit seiner Rückendeckung bringt sie hin und wieder den Mut auf, Fred die Stirn zu bieten und für ihren eigentlichen Traum einzustehen: Sie möchte singen.

Kein Wunder, dass Tauber ihr bald nicht mehr zutraut, eine Mörderin zu sein. Obermaier, die von Wallis Charakter weit weniger überzeugt ist, hält dagegen. Zumal die mühsam vorankommenden Untersuchungen eine beunruhigende Frage aufwerfen: Lo war auf so viele Tabletten gegen die Schmerzen nach ihren zahllosen Schönheitsoperationen angewiesen – wäre da ein Gift überhaupt aufgefallen?

Dann stößt Tauber unter Los Medikamenten auf illegale Präparate. Damit rückt Dr. Mirko Storkic ins Blickfeld, der Schönheitschirurg, der beide Frauen mehrfach unters Messer genommen hat. Doch der Arzt bleibt nicht der Einzige, der in Verdacht gerät, denn im BR-Polizeiruf „Silikon Walli“ taucht bald ein weiteres Motiv auf: Lo, Freds einträglichstes Zugpferd, wollte seiner Agentur den Rücken kehren …

Hinter den Kulissen

Für Kriminalhauptkommissar Jürgen Tauber (Edgar Selge) ist „Silikon Walli“ der siebte Fall, für Jo Obermaier (Michaela May) der vierte gemeinsame Einsatz an seiner Seite. Insgesamt handelt es sich um die 239. Folge der Reihe Polizeiruf 110, produziert von H & V Entertainment im Auftrag des Bayerischen Rundfunks.

Die Titelrolle der Waltraud „Silikon Walli“ Krämer übernahm Nadeshda Brennicke, an ihrer Seite spielen Michael Brandner den Manager Alfred „Fred“ Fink und Michael Gampe den Schönheitschirurgen Dr. Mirko Storkic. Für ihre Verwandlung verbrachte Brennicke an jedem Drehtag drei Stunden in der Maske: Ein Spezialist für Special-Effects-Make-up machte aus der zierlichen Schauspielerin eine extrem vollbusige Blondine mit künstlich aufgepolsterten roten Lippen.

Das Drehbuch schrieb Wolfgang Limmer, Regie führte Manfred Stelzer. Gedreht wurde im Jahr 2001 in München. Nadeshda Brennicke wurde für ihre Darstellung für den Deutschen Fernsehpreis 2002 in der Kategorie „Beste Schauspielerin Nebenrolle“ nominiert.

Besetzung

Kriminalhauptkommissarin Jo Obermaier – Michaela May
Kriminalhauptkommissar Jürgen Tauber – Edgar Selge
Waltraud „Silikon Walli“ Krämer – Nadeshda Brennicke
Alfred „Fred“ Fink, Manager – Michael Brandner
Dr. Mirko Storkic, Schönheitschirurg – Michael Gampe
Boulevardreporter Harry Hauck – Bernd Tauber
Polizeipräsident – Edwin Noël
Taneguchi – Emanuel Woo
Siebert – Andreas Maria Schwaiger
Tänzer Richi – Georgio Seybold
Lotte „Lo“ König, Starlet – Natalia Mühlhausen
Moderatorin Dagmar – Romana Pollak
Wallis Mutter – Irmhild Wagner
Alex – Severin Sonntag
Frank Scheffel
Krankenhausarzt – Gilbert von Sohlern
u. v. a.

Stab

Regie – Manfred Stelzer
Drehbuch – Wolfgang Limmer
Produktion – Mischa Hofmann, Philip Voges
Musik – Lutz Kerschowski
Kamera – Diethard Prengel
Schnitt – Bernd Schriever
Produktionsunternehmen – H & V Entertainment, im Auftrag des BR