Kurz und knapp – darum geht’s

Ein betrunkener Vater, ein Brotmesser, eine schwer verletzte Mutter: Für Kriminalhauptkommissarin Wanda Rosenbaum ist der Fall Paul Kieslowski schnell geklärt. Der Mann soll vor den Augen der Kinder Theresa und Enrico auf seine Ex-Frau Maria eingestochen haben. Erinnern kann er sich an nichts, gestanden hat er trotzdem. Als vier Monate später der Prozess läuft, verweigert der Sohn jedoch beharrlich jede Aussage gegen seinen Vater – und Rosenbaum und Kriminaltechnikerin Tamara kommen ins Grübeln: Sitzt der Falsche auf der Anklagebank? In ihrem letzten Fall bricht die Kommissarin mit allen Regeln und fährt mit dem Angeklagten zur Sporthalle, in der Enrico trainiert. Doch der Junge ist nicht mehr da, und bei Kieslowski liegen plötzlich die Nerven blank …

Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Wandas letzter Gang“

Was einmal eine Familie war, liegt längst in Trümmern: Paul Kieslowski kommt nicht darüber hinweg, dass seine Ehe gescheitert ist und er von seinem Sohn Enrico getrennt lebt. Immer wieder taucht er betrunken bei seiner Ex-Frau Maria auf und belästigt sie. Selbst eine gerichtliche Verfügung, die Maria erwirkt hat, hält ihn nicht fern. Eines Morgens steht er erneut alkoholisiert vor der Tür, und diesmal endet der Streit blutig. Die Kinder Theresa und Enrico müssen mit ansehen, wie die Situation eskaliert. Am Ende wird ihre Mutter mit einer schweren Stichverletzung ins Krankenhaus gebracht.

Lange suchen muss Polizeihauptmeister Horst Krause nicht: Er liest den volltrunkenen Kieslowski aus einem Straßengraben auf und nimmt ihn in Gewahrsam. Als der Mann wieder halbwegs nüchtern ist, folgt die Vernehmung – doch an die Ereignisse jenes Morgens hat er kaum eine Erinnerung. Dass er mit dem Brotmesser auf Maria losgegangen sein soll, mag er selbst nicht recht glauben. Kriminalhauptkommissarin Wanda Rosenbaum dagegen hat keine Zweifel. Für sie ist das ein Fall wie aus dem Lehrbuch, und so ringt sie dem Verdächtigen ein Geständnis ab, noch bevor ihm ein Anwalt zur Seite steht. Die Aussagen von Mutter und Tochter scheinen das Bild abzurunden.

Vier Monate vergehen, dann steht Paul Kieslowski wegen versuchter Tötung vor Gericht. Für Rosenbaum ist die Akte eigentlich geschlossen. Im Zeugenstand belasten Maria und Theresa den Angeklagten, nur Enrico bringt kein Wort heraus. Schon seit jenem Morgen schweigt der verängstigte Junge hartnäckig, und auch im Gerichtssaal will er nichts gegen seinen Vater sagen. Ausgerechnet dieses Schweigen lässt die Kommissarin nicht mehr los.

Gemeinsam mit ihrer Mitarbeiterin, der Kriminaltechnikerin Tamara, nimmt Rosenbaum die eigene Ermittlungsarbeit noch einmal unter die Lupe – und plötzlich wirkt das scheinbar wasserdichte Ergebnis brüchig. Hat sie sich zu schnell auf den naheliegenden Verdächtigen festgelegt? Was ist ein Geständnis wert, das sie einem Mann abgepresst hat, der sich an fast nichts erinnert? Die Frage, ob im Polizeiruf 110 „Wandas letzter Gang“ ein Unschuldiger verurteilt zu werden droht, wird für die Ermittlerin zur Gewissensfrage. Und als wäre das nicht genug, ist auch das Verhältnis zu ihrer Tochter Annette alles andere als ungetrübt.

Schließlich wagt Rosenbaum einen Schritt, der gegen jede Dienstvorschrift verstößt: Statt den Angeklagten nach dem Verhandlungstag auf direktem Weg zurück in die Haft zu bringen, schlägt sie mit ihm einen Umweg ein – zur Sporthalle, in der Enrico Handball trainiert. Kieslowski klammert sich an die Hoffnung, dass sein Sohn ihm gegenüber endlich den Mund aufmacht. Doch in der Halle wartet eine Enttäuschung: Der Junge hat das Training vorzeitig verlassen.

Für Paul Kieslowski zerplatzt damit die letzte Hoffnung. Im ORB-Polizeiruf „Wandas letzter Gang“ brennen bei ihm die Sicherungen durch – und mit einem Mal sind die Kommissarin, die noch anwesenden Kinder und ihre Trainerin in seiner Gewalt …

Hinter den Kulissen

„Wandas letzter Gang“ ist die 241. Folge der Reihe und zugleich der vierte und letzte Fall von Kriminalhauptkommissarin Wanda Rosenbaum (Jutta Hoffmann). Zum vierten Mal steht ihr Polizeihauptmeister Horst Krause (Horst Krause) zur Seite – Figur und Darsteller tragen denselben Namen.

Die Episodenhauptrolle des Paul Kieslowski übernahm Axel Prahl. In weiteren Rollen sind unter anderem Claudia Geisler als Maria Kieslowski, Luise Wolfram und Marko Benner als die Kinder Theresa und Enrico sowie Bettina Kurth als Rosenbaums Tochter Annette zu sehen. Die Kriminaltechnikerin Tamara spielt Kathrin Angerer.

Regie führte Bernd Böhlich, das Drehbuch stammt von Stefan Kolditz. Produziert wurde der Film von der Thomas Wilkening Filmgesellschaft im Auftrag des ORB, gedreht wurde in Haidemühl, Welzow und Neupetershain-Nord.

Bei der Erstausstrahlung schalteten 6,32 Millionen Zuschauer ein, was einem Marktanteil von 21,4 Prozent entsprach.

Besetzung

Kriminalhauptkommissarin Wanda Rosenbaum – Jutta Hoffmann
Polizeihauptmeister Horst Krause – Horst Krause
Tamara, Kriminaltechnikerin – Kathrin Angerer
Paul Kieslowski – Axel Prahl
Maria Kieslowski – Claudia Geisler
Annette Rosenbaum – Bettina Kurth
Theresa Kieslowski – Luise Wolfram
Enrico Kieslowski – Marko Benner
Franz Schuhmann – Moritz Munzinger
Christian Schuhmann – Guntram Brattia
Einsatzleiter – Paul Faßnacht
SEK-Beamter – Torsten Michaelis
Polizeibeamter – Reiner Heise
Renate Geißler
Richterin – Kirsten Block
Rechtsanwalt – Hansjürgen Hürrig
Sportlehrerin – Heike Jonca
Arzt – Gilbert von Sohlern
u. v. a.

Stab

Regie – Bernd Böhlich
Drehbuch – Stefan Kolditz
Produktion – Thomas Wilkening
Musik – Nikolaus Glowna
Kamera – Thomas Plenert
Schnitt – Jörg Hauschild
Produktionsunternehmen – Thomas Wilkening Filmgesellschaft, im Auftrag des ORB