Kurz und knapp – darum geht’s

Ein verzweifelter Mann will sich von einer Kirche stürzen, kurz darauf wird seine Frau tot aufgefunden, und dann erschüttert auch noch eine Explosion die beschauliche Gegend: Kriminalhauptkommissarin Wanda Rosenbaum und Revierpolizist Horst Krause stehen vor der Frage, ob diese Ereignisse zusammenhängen. Im Zentrum steht der frühere Kraftwerksmitarbeiter Claussen, der nach seiner Rettung flieht und nun als Verdächtiger im Tod der schwer kranken Andrea gesucht wird. Zugleich rollt ein Castor-Transport mit Brennstäben durch Brandenburg, den anonyme Täter bedrohen. Für Rosenbaum wird der Fall damit zur persönlichen Zerreißprobe, denn unter den Atomkraftgegnern, die gegen den Transport protestieren, ist auch ihre Tochter Annette …

Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Angst“

Ein Einsatz, wie ihn Polizeihauptmeister Horst Krause nicht alle Tage erlebt: Auf dem Dach einer Kirche steht ein Mann, fest entschlossen, sich in die Tiefe zu stürzen. Auch die Potsdamer Kriminalhauptkommissarin Wanda Rosenbaum ist zur Stelle, und sie zögert keine Sekunde. Kurzerhand klettert sie auf den Kirchturm, um dem Lebensmüden ins Gewissen zu reden – mit Erfolg, Claussen springt nicht. Doch die Erleichterung hält nicht lange an. Auf dem Weg in die Klinik reißt er sich los, springt während der Fahrt aus dem Krankenwagen und taucht unter.

Rosenbaum und Krause machen sich daraufhin auf den Weg zu Claussens Frau Andrea, um sie über die Ereignisse zu informieren. Was sie dort vorfinden, ist ein Schock: Die Frau ist tot, aufgebahrt auf dem Küchentisch. Andrea Claussen litt an Leukämie, ihre Krankheit galt als unheilbar – gestorben ist sie jedoch an einer Kopfverletzung. Für das Ermittlerduo im Polizeiruf 110 „Angst“ ergibt sich zunächst ein naheliegendes Bild: Hat Claussen seine Frau erschlagen, um ihr weiteres Leiden zu ersparen, und wollte er danach aus Kummer selbst sterben? Seit seiner Flucht wird nach ihm gefahndet.

Schnell stellt sich heraus, dass Claussen zuletzt im Kernkraftwerk Rheinsberg beschäftigt war, wo man ihn wegen seiner persönlichen Probleme entlassen musste. Als sich Rosenbaum und Krause dort nach dem Gesuchten erkundigen, schlägt ihnen eine spürbar gereizte Stimmung entgegen – und in den beiden keimt der Verdacht, dass Claussen seinen früheren Arbeitgeber erpresst. Hinzu kommt eine Explosion, die die friedliche Umgebung erschüttert hat. Die Kommissarin lässt eine Frage nicht mehr los: Gibt es eine Verbindung zwischen dem Lebensmüden auf der Kirche, der toten Frau und der Detonation?

Besondere Brisanz erhält der Fall durch den Zeitpunkt, denn gerade jetzt soll ein Castor-Transport durch Brandenburg fahren – und anonyme Täter haben es auf genau diesen Zug abgesehen. Ein Mann, der nichts mehr zu verlieren hat, wäre in dieser Lage eine kaum berechenbare Gefahr. Doch im TV-Krimi „Angst“ kommen noch andere in Betracht: Auch unter den Atomkraftgegnern, die gegen den Transport mobil machen, könnten einige vor radikalen Mitteln nicht zurückschrecken. Und womöglich kommen sich die verschiedenen Aktionen am Ende gefährlich in die Quere.

Für Wanda Rosenbaum wird die Lage damit auch privat heikel. Ihre Tochter Annette gehört als Aktivistin zum Kreis der Kernkraftgegner, und die Kommissarin muss zwischen Dienstpflicht und der Sorge um ihr Kind einen Fall entwirren, in dem jeder Faden zu einem anderen führen kann. Krause steht ihr dabei zur Seite – doch je näher der Tag des Transports rückt, desto drängender wird die Frage, wie weit Annette und ihre Mitstreiter zu gehen bereit sind …

Hinter den Kulissen

„Angst“ ist die 233. Folge der Reihe Polizeiruf 110 und der dritte gemeinsame Fall der Potsdamer Kriminalhauptkommissarin Wanda Rosenbaum (Jutta Hoffmann) und des Polizeihauptmeisters Horst Krause (Horst Krause), dessen Figur den Namen ihres Darstellers trägt. Als Rosenbaums Tochter Annette ist Bettina Kurth zu sehen.

Den Anstoß für den Film gab ein reales Ereignis: Anfang Mai 2001 wurden Brennstäbe per Castor-Transport vom Kernkraftwerk Rheinsberg in das Zwischenlager im ehemaligen Kernkraftwerk Lubmin gebracht. Die Idee, das tatsächliche Geschehen mit einer erfundenen Krimihandlung zu verknüpfen, stammt von Glüsha Arslan und Thomas Wilkening. Der ORB – heute RBB – warf dafür kurzfristig seine Krimiplanung um.

Noch bevor die Geschichte stand, wurde an drei Tagen dokumentarisches Material gedreht: im Kernkraftwerk, bei der großen Kundgebung gegen Atomkraft und am Tag des Transports selbst. Aus einem Zusammenschnitt dieser Aufnahmen entwickelte Autor Stefan Kolditz das Drehbuch, Regie führte Manuel Siebenmann. Erste Buchfassung, Vorbereitung, Dreharbeiten und Schnitt entstanden in Rekordzeit; produziert wurde der Film von der Thomas Wilkening Filmgesellschaft im Auftrag des ORB.

Besetzung

Kriminalhauptkommissarin Wanda Rosenbaum – Jutta Hoffmann
Polizeihauptmeister Horst Krause – Horst Krause
Dorn – Nina Petri
Paul Claussen – Jochen Nickel
Martin Claussen – Antonio Wannek
Konrad Zeitz – Niels Bruno Schmidt
Annette Rosenbaum – Bettina Kurth
Sascha – Heiko Senst
Tamara, Kriminaltechnikerin – Kathrin Angerer
Pfarrer Melchow – Michael Hanemann
Chef des KKW – Michael Gerber
Einsatzleiter – Hans Klima
Nico Hohnert – Kai-Peter Gläser
u. v. a.

Stab

Regie – Manuel Siebenmann
Drehbuch – Stefan Kolditz
Produktion – Thomas Wilkening
Musik – Andreas Hoge
Kamera – Thomas Plenert
Schnitt – Karin Nowarra
Produktionsunternehmen – Thomas Wilkening Filmgesellschaft, im Auftrag des ORB