Kurz und knapp – darum geht’s

Zwei türkische Imbissbuden in einer Kleinstadt bei Schwerin brennen fast gleichzeitig, doch die Besitzer winden sich mit dürftigen Ausreden heraus – und ohne Anzeige haben die Kommissare Jens Hinrichs und Markus Tellheim keinen Fall. Das ändert sich schlagartig, als ein Lieferant tot in seiner Lagerhalle gefunden wird. Was wie ein Unglück wirken soll, entpuppt sich als Mord. Während Tellheim einem osteuropäischen Schutzgeldring nachspürt, mit dem ihn eine schmerzliche Vergangenheit verbindet, hat Hinrichs die rechtsradikale Szene des Ortes im Blick. Ein untergetauchter Lagerhelfer, ein verprügelter vietnamesischer Junge, der aus Angst schweigt, und eine neue Chefin, die in der Polizeidirektion andere Saiten aufzieht, machen die Sache nicht einfacher …

Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Farbwechsel“

Eigentlich sieht alles nach einem Routinefall aus der Provinz aus: In einer Kleinstadt unweit von Schwerin hat es in zwei türkischen Imbissbuden gebrannt, beinahe zur selben Zeit. Die Schäden halten sich in Grenzen, doch was die Inhaber zur Ursache vorbringen, klingt alles andere als glaubwürdig. Ob rechtsradikale Gruppen hinter den Feuern stecken? Ohne handfeste Beweise sind den Kommissaren Jens Hinrichs und Markus Tellheim die Hände gebunden – und solange niemand Anzeige erstattet, bleibt ihnen nur, frustriert wieder abzuziehen.

Einen Tag später ist von Bagatellen keine Rede mehr. In einer Lagerhalle liegt Rene Grasberg, der die Gastronomiebetriebe der Gegend beliefert, tot unter einem Stapel Paletten begraben, daneben der umgestürzte Gabelstapler. Ein tragischer Arbeitsunfall, so jedenfalls soll es aussehen. Doch am Fundort passt einiges nicht zusammen, und als die Rechtsmedizin Schlagspuren auf dem Rücken des Toten entdeckt, steht fest: Grasberg wurde ermordet. Verdächtige gibt es im TV-Krimi „Farbwechsel“ gleich mehrere. Hinrichs hat selbst beobachtet, wie sich der vietnamesische Restaurantbetreiber Giang Nguyen am Vortag mit dem Opfer in die Haare geriet. Und dann ist da noch Joku, der ehemalige Lagerhelfer, den Grasberg vor die Tür gesetzt hatte. Seitdem ist er wie vom Erdboden verschluckt, einen festen Wohnsitz hat er nicht.

Tellheim stößt unterdessen auf Hinweise, die zu einem osteuropäischen Ring von Schutzgelderpressern führen – Leute, die er noch aus seiner Zeit in Rostock kennt. Sein Verdacht fällt auf Harry Wendt, und der Fall wird für ihn schnell persönlich: Seine Schwester war einst in dieses Milieu hineingeraten und hat das nicht überlebt. Hinrichs dagegen hält die rechtsradikale Szene des Städtchens für die heißere Spur. Bestärkt wird er, als er erfährt, dass Minh, der elfjährige Sohn von Giang Nguyen, überfallen und verprügelt wurde und nun im Krankenhaus liegt. Der Junge ist sichtlich verängstigt und bringt kein Wort darüber heraus, wer ihm das angetan hat.

Ganz nebenbei holt Hinrichs im Polizeiruf 110 „Farbwechsel“ auch noch die Vergangenheit seiner Familie ein: Lisa Böhn, eine alte Bekannte seines Vaters, betreibt im Ort eine florierende Konditorei und möchte den passionierten Vogelkundler als Redner für ihren Heimatverein gewinnen. Über sie versucht Hinrichs, einen Blick hinter die Fassade der Kleinstadt zu werfen. Den Verein leitet seit einiger Zeit der Immobilienmakler Jürgen Ommer, und der hat große Pläne: Mit einer selbst aufgestellten Bürgerwehr will er den Ort vor der osteuropäischen Erpresserbande schützen.

Leichter wird die Arbeit für die beiden Kommissare auch im eigenen Haus nicht. Seit Kriminalrätin Carla Knechthammer die Leitung übernommen hat, herrscht in der Schweriner Polizeidirektion ein anderer Ton, und das Duo, bislang eher an freie Hand gewöhnt, muss sich erst darauf einstellen. Brände, ein Mord, ein misshandeltes Kind – hängt das alles zusammen, und wenn ja, wie? Stück für Stück tragen Hinrichs und Tellheim die Puzzleteile zusammen. Doch immer wieder landen sie bei derselben offenen Frage: Wo steckt Joku – und warum ist er ausgerechnet jetzt untergetaucht …

Hinter den Kulissen

„Farbwechsel“ ist die 288. Folge der Krimireihe Polizeiruf 110. Für Kriminalhauptkommissar Jens Hinrichs (Uwe Steimle) ist es bereits der 28. Fall, sein Kollege Markus Tellheim (Felix Eitner) ermittelt zum vierten Mal. Damit ist es zugleich der vierte gemeinsame Einsatz des Schweriner Duos.

Mit dieser Folge bekommen die beiden Kommissare eine neue Vorgesetzte: Christine Schorn gibt ihren Einstand als Kriminalrätin Carla Knechthammer. In weiteren Rollen sind unter anderem Gudrun Ritter als Konditoreibesitzerin Lisa Böhn, Hermann Beyer als Vater von Hinrichs, Bernhard Schütz als Immobilienmakler Jürgen Ommer und Milan Peschel als Lagerhelfer Joku zu sehen.

Regie führte Hans Erich Viet, das Drehbuch stammt von Rolf Greulich. Hinter der Kamera stand Martin Kukula, die Musik komponierte Kambiz Giahi. Produziert wurde der Film von Studio Hamburg im Auftrag des NDR, für die Produktion zeichnete Heike Richter-Karst verantwortlich.

Besetzung

Kriminalhauptkommissar Jens Hinrichs – Uwe Steimle
Kriminalhauptkommissar Markus Tellheim – Felix Eitner
Kriminalrätin Carla Knechthammer – Christine Schorn
Lisa Böhn, Inhaberin einer Konditorei – Gudrun Ritter
Vater Hinrichs – Hermann Beyer
Sophie Grasberg – Anita Matija
Jürgen Ommer, Immobilienmakler – Bernhard Schütz
Giang Nguyen, Restaurantbetreiber – Fang Yu
Minh Nguyen – Duc Vu Trung
Joku, Lagerhilfe – Milan Peschel
Dr. Niethnagel – Katharina Heyer
„Koffer“, Bürgerwehrmann – Alexander Nardini
Hungh, Arzt im Krankenhaus – Hyun Wanner
u. v. a.

Stab

Regie – Hans Erich Viet
Drehbuch – Rolf Greulich
Produktion – Heike Richter-Karst
Musik – Kambiz Giahi
Kamera – Martin Kukula
Schnitt – Anne Fabini
Produktionsunternehmen – Studio Hamburg, im Auftrag des NDR