Kurz und knapp – darum geht’s
Ausgerechnet an dem Tag, an dem Damutz die Einweihung seiner neuen Brücke feiert, verschwindet ein Kind: Der kleine Roland, Sohn der lebenshungrigen Jutta Pahl, wird kurz darauf tot im Weiher entdeckt. Und auch seine Schwester Sabine, die bei der Suche geholfen hat, kehrt nicht zurück. Hauptkommissarin Tanja Voigt stößt in der brandenburgischen Kleinstadt auf ein Geflecht aus Sehnsüchten, Kränkungen und alten Verletzungen. Jutta wollte eigentlich mit ihrem Freund Uwe Rockstroh nach Mallorca fliegen, doch für die Kinder fühlte sich niemand so recht zuständig. Bald stehen mehrere Menschen unter Verdacht – der Vater des Jungen, dessen Ehefrau, Juttas Mutter, ein stummer Schäfer und Jutta selbst. Und Voigt begreift, dass die beiden Kinder für manche Erwachsene eher Last als Glück bedeuteten …
Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Jutta oder die Kinder von Damutz“
Eigentlich ist es ein Freudentag für Damutz: Die neue Brücke, die das abgelegene Städtchen in der brandenburgischen Provinz endlich mit der Außenwelt verbindet, wird mit einem großen Fest eingeweiht. Man trinkt und feiert ausgelassen – bis sich die Nachricht verbreitet, dass der kleine Roland verschwunden ist. Wenig später treibt der Junge leblos im Weiher. Die schwere Verletzung an seinem Hinterkopf lässt Hauptkommissarin Tanja Voigt ein Verbrechen nicht ausschließen. Und damit nicht genug: Auch Rolands Schwester Sabine, die ihrer Mutter bei der Suche geholfen hat, taucht nicht wieder auf.
Im Zentrum steht im Polizeiruf 110 „Jutta oder die Kinder von Damutz“ die Mutter der beiden: Jutta Pahl, Mitte 30, die in einem Warenversandhaus in der Nähe arbeitet und von den Männern im Ort verehrt wird. Nicht nur ihr Freund Uwe Rockstroh schwärmt für sie – in Damutz gilt Jutta als so etwas wie die heimliche Königin. Sie selbst aber will nur noch raus aus dem Kaff. In zwei Tagen soll es mit Uwe für zwei Wochen nach Mallorca gehen. Bleibt die Frage, wer sich so lange um die Kinder kümmert. Juttas Mutter Emmi Pahl weigert sich, beide Enkel allein zu hüten: Jahrelang habe sie für die zwei gesorgt, nun sei endlich auch Rolands Vater an der Reihe.
Dieser Vater heißt Herbert Melchior und reist mit seiner Frau Edda nach Damutz an – allerdings mit einer Botschaft, die Jutta kaum gefallen dürfte. Denn Edda hat ihrem Mann den Seitensprung mit Jutta nie verziehen und will von dem Jungen nichts wissen. Herbert bringt es nicht übers Herz, Jutta die Absage mitzuteilen, zumal er gegen etwas Zeit mit seinem Sohn eigentlich nichts einzuwenden hätte. Er schenkt Roland ein paar unbeschwerte Stunden am Weiher, wo die beiden Papierschiffchen fahren lassen, während ihn die Vorwürfe seiner Frau zunehmend zermürben.
Auch auf dem Brückenfest selbst ist die Stimmung keineswegs ungetrübt. Uwe lässt sich auf die Flirts der blonden Elvira Batzke ein, und zwischen ihm und Jutta knistert es gewaltig – nur leider nicht im guten Sinne.
Für Tanja Voigt beginnt im ORB-Polizeiruf „Jutta oder die Kinder von Damutz“ eine mühsame Suche nach dem Motiv. Die Damutzer haben ihren Schuldigen schnell ausgemacht: den stummen Schäfer Alfred Henschel, der vor Jahren schon einmal mit einem Kind verschwunden war – auch wenn damals beide unversehrt wiedergefunden wurden. Doch der Kreis der Verdächtigen ist größer. Rolands Vater, dessen Ehefrau, Juttas Mutter, Jutta selbst: Sie alle hatten mit dem Jungen zu tun, und nicht jeder von ihnen hatte ihn gern um sich. Um zu verstehen, was an diesem Tag am Weiher geschehen ist, muss sich die Kommissarin tief in das Gefüge der engen Gemeinde hineinarbeiten. Doch eine Frage drängt mehr als alle anderen: Wo ist Sabine …
Hinter den Kulissen
Für Hauptkommissarin Tanja Voigt (Katrin Saß) ist es der sechste Fall, für die Krimireihe die 178. Folge. In der Titelrolle der Jutta Pahl ist Dagmar Manzel zu sehen, an ihrer Seite spielen unter anderem Gudrun Ritter als Juttas Mutter Emmi und Heino Ferch als Uwe Rockstroh. Ihr Filmdebüt gibt die damals zwölfjährige Luise Helm als Juttas Tochter Sabine.
Die Vorlage lieferte das gleichnamige Bühnenstück von Helmut Bez, das 1980 uraufgeführt wurde. Schon damals verkörperte Dagmar Manzel die Jutta. Das Drehbuch schrieb Bez gemeinsam mit Regisseur Bernd Böhlich, der über den Stoff sagt: „Eine kräftige Geschichte“, so Böhlich, „durch ihre Nebenfiguren bekommt sie auch etwas Überhöhtes.“ Für Böhlich war es zugleich ein Wiedersehen: Mit Dagmar Manzel und Kameramann Martin Schlesinger hatte er einst sämtliche Studentenfilme gedreht.
Gedreht wurde im Sommer 1995. Die Kostüme entwarf Christine Zartmann, die Filmbauten stammen von Eduard Krajewski. Bei der Erstausstrahlung lag die Zuschauerbeteiligung bei 16,2 Prozent.
Besetzung
Hauptkommissarin Tanja Voigt – Katrin Saß
Jutta Pahl – Dagmar Manzel
Emmi Pahl, Juttas Mutter – Gudrun Ritter
Edda Melchior, Herberts Frau – Barbara Dittus
Uwe Rockstroh, Juttas Freund – Heino Ferch
Herbert Melchior, Rolands Vater – Michael Greiling
Alfred Henschel, Schäfer – Hermann Beyer
Polizist – Manfred Möck
Elvira „Beverly“ Batzke – Petra Kleinert
Rosi – Ilona Schulz
Frau Hoyer – Christine Schorn
Sabine, Juttas Tochter – Luise Helm
Roland, Juttas Sohn – David Schelle
Gerd – Michael Kind
Hotte – Jürgen Watzke
Heinze, Drogist – Erhard Marggraf
Polizist – Oliver Korittke
Arzt – Klaus Schindler
Frau Weißfang – Walfriede Schmitt
Frau Henninger – Ute Lubosch
Juttas Chef – Claudius Freyer
Angelika Howland
Bürgermeister – Hans-Gerd Sonnenburg
Gast – Pfarrer Zastrow
u. v. a.
Stab
Regie – Bernd Böhlich
Drehbuch – Helmut Bez, Bernd Böhlich
Musik – Tomas Kahane
Kamera – Martin Schlesinger
Schnitt – Karola Mittelstädt
Produktionsunternehmen – ORB

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