Kurz und knapp – darum geht’s

In einem Münchner Einkaufszentrum verliert sich die Spur der sechsjährigen Melanie. Während Hauptkommissar Jürgen Tauber und sein Team kaum verwertbare Hinweise finden, kümmert sich Polizeipsychologin Dr. Silvia Jansen um die verzweifelten Eltern – und die Boulevardpresse wittert eine Sensation. Ein anonymer Anrufer verlangt eine Million Mark Lösegeld, doch ob er das Kind tatsächlich in seiner Gewalt hat, ist mehr als fraglich. Bald rückt ein Mann in den Fokus, der wegen Kindesmissbrauchs vorbestraft ist und seine vorzeitige Entlassung ausgerechnet einem Gutachten von Silvia Jansen verdankt. Als Melanie tot aufgefunden wird, muss sich die Psychologin nicht nur der Suche nach dem Mörder stellen, sondern auch der quälenden Frage, ob sie selbst eine Mitverantwortung trägt …

Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Spurlos verschwunden“

Ein Einkaufszentrum in München, ein Ort des Alltags und der Geschäftigkeit – und doch verschwindet ausgerechnet hier die sechsjährige Melanie, als hätte es sie nie gegeben. Für ihre Eltern Ricky und Ronny Doermer bricht eine Welt zusammen. Kriminalhauptkommissar Jürgen Tauber, der seit einem Unfall nur noch einen Arm hat, zieht deshalb die Nürnberger Psychologin Dr. Silvia Jansen hinzu: Sie soll der Familie in den Stunden und Tagen der Ungewissheit beistehen.

Schnell merkt Jansen allerdings, dass bei den Doermers ein rauer Umgangston herrscht – Ronny schlägt seine Frau nicht zum ersten Mal. Tauber treibt derweil eine ganz andere Befürchtung um: Er hält es für gut möglich, dass Melanie einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist. Seine Leute durchforsten einschlägige Portale, auf denen kleine Kinder für Sexspiele angeboten werden. Ein Bild von Melanie taucht dort zwar nicht auf, doch die Beklemmung bleibt – und mit ihr die Frage, wo das Mädchen stecken könnte.

Während die Ermittler im Polizeiruf 110 „Spurlos verschwunden“ weitgehend im Dunkeln tappen, läuft die Presse heiß: Der Fall liefert reichlich Stoff für Schlagzeilen und Spekulationen aller Art. Jansen setzt auf die Öffentlichkeit und lässt die Eltern vor die Kameras treten, um den Entführer um die Freilassung ihrer Tochter zu bitten. Kurz darauf meldet sich tatsächlich ein anonymer Anrufer bei der Polizei und fordert eine Million Mark für das Kind. Hat er Melanie wirklich in seiner Gewalt – oder will da nur jemand Kapital aus dem Unglück einer Familie schlagen?

Wenig später taucht eine zweite Spur auf, die deutlich schwerer wiegt: Sie führt zu Victor Timpe, der wegen Kindesmissbrauchs vorbestraft ist. Ausgerechnet Silvia Jansen hat ihn damals therapiert und mit ihrem Gutachten den Weg für seine vorzeitige Entlassung geebnet – als geheilt. Während Timpe ins Visier der Polizei gerät, ist die Psychologin felsenfest davon überzeugt, dass ihre Kollegen einen Fehler begehen. Damit sitzt sie zwischen allen Stühlen: Hält sie an ihrem Urteil fest, steht ihre Glaubwürdigkeit auf dem Spiel, und stellt sie es infrage, dann auch ihre eigene Arbeit.

Dann folgt die schlimmste aller Nachrichten: Melanie wird tot aufgefunden. Aus der verzweifelten Suche im TV-Krimi „Spurlos verschwunden“ ist endgültig ein Mordfall geworden, und für Silvia Jansen ist die Jagd nach dem Täter nun zugleich eine Auseinandersetzung mit der Frage, welche Schuld sie selbst trägt. Hat sie sich damals in Timpe getäuscht? Schließlich scheint sich für die Psychologin und die Ermittler eine vielversprechende Fährte aufzutun – doch ob sie tatsächlich zum Mörder führt, ist längst nicht ausgemacht …

Hinter den Kulissen

Für Polizeipsychologin Dr. Silvia Jansen (Gaby Dohm) ist es der dritte Fall – und zugleich ein Neuanfang: „Spurlos verschwunden“ ist der erste Jansen-Polizeiruf, der nicht mehr in Nürnberg, sondern in München spielt. An ihrer Seite gibt Kriminalhauptkommissar Jürgen Tauber (Edgar Selge) seinen Einstand. In weiteren Rollen sind unter anderem Ricky und Ronny Doermer (Nina Kronjäger, Thorsten Nindel) als Melanies Eltern sowie Victor Timpe (Herbert Rohm) zu sehen.

Die 205. Folge der Reihe entstand unter der Regie von Ulrich Stark nach einem Drehbuch von Christian Jeltsch. Produziert wurde der Film von Manfred Korytowski bei der Infafilm im Auftrag des BR, gedreht wurde in München. Für die Kostüme war Natascha Curtius-Noss verantwortlich, die Filmbauten stammen von Pit Janzen, die Musik von Birger Heymann.

Bei der Erstausstrahlung erreichte der Polizeiruf eine Zuschauerbeteiligung von 19,9 Prozent.

Besetzung

Polizeipsychologin Dr. Silvia Jansen – Gaby Dohm
Kriminalhauptkommissar Jürgen Tauber – Edgar Selge
Ricky Doermer, Melanies Mutter – Nina Kronjäger
Paul Schelski, Journalist – Karl Kranzkowski
Ronny Doermer, Melanies Vater – Thorsten Nindel
Willi Sorowski, Melanies Großvater – Günter Mack
Meyers – Stefan Becker
Assistentin – İlknur Bahadır
Victor Timpe – Herbert Rohm
Sehler-Rednick, Leiterin der Agentur Kids Cast – Monika Schwarz
Journalistin – Inka Calvi
Kameramann – Michael Vogtmann
Kinderhändler – Franjo Marincic
u. v. a.

Stab

Regie – Ulrich Stark
Drehbuch – Christian Jeltsch
Produktion – Manfred Korytowski
Musik – Birger Heymann
Kamera – Wolf Siegelmann
Schnitt – Ulla Möllinger
Kostüm – Natascha Curtius-Noss
Filmbauten – Pit Janzen
Produktionsunternehmen – Infafilm, im Auftrag des BR