Kurz und knapp – darum geht’s
Ein Brandanschlag auf ein Schweriner Asylbewerberheim, Schwerverletzte und Aufnahmen, die rund um den Globus gesendet werden: Für Kriminalhauptkommissar Jens Hinrichs beginnt ein heikler Fall, den Kriminalrat Dr. Stuber am liebsten unter der Decke halten würde – und aus dem sein herzkranker Kollege Kurt Groth eigentlich herausgehalten werden soll. Hinter den spektakulären Bildern steckt der Kleinganove Harry Malz, der für die quotenhungrige Produzentin Senta Scharfenberg filmt und die Katastrophen, die er dokumentiert, längst selbst anzettelt. Während sich die Ermittler an ihn herantasten, gerät Harrys Kumpel Karl Hauser in Not: Der Staat nimmt ihm sein Zuhause, ein geerbtes Wohnmobil. Und Harry wittert bereits die nächste große Geschichte …
Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Live in den Tod“
Große Träume, kleine Gaunereien: Harry Malz und Karl Hauser halten sich mit Kleinkriminalität über Wasser und haben sich am Rand der Gesellschaft eingerichtet, so gut es eben geht. Doch während der resignierte Karl in seinem geerbten amerikanischen Wohnmobil ganz zufrieden ist, will Harry hoch hinaus. Den Anstoß liefert ausgerechnet eine gestohlene, ramponierte Kamera: Fortan heftet er sich an die Fersen untreuer Ehemänner und hält auf Video fest, wie Mann, Ehefrau und Geliebte aufeinandertreffen.
Senta Scharfenberg, eine Produzentin, die solche Aufnahmen aufkauft und vor allem auf die Quote schielt, macht ihm allerdings schnell klar, dass sich mit Seitensprüngen heute kein Publikum mehr fesseln lässt. Wer verkaufen will, braucht Sensationen – und wenn die sich nicht von selbst ergeben, hilft Harry eben nach. Was er vor die Linse bekommt, inszeniert er zunehmend selbst, und mit jedem Mal wird er brutaler. Im Polizeiruf 110 „Live in den Tod“ treibt diese Spirale ihn bis zur Brandstiftung: In Schwerin steht ein Asylbewerberheim in Flammen, es gibt Schwerverletzte, und Harry, der den Anschlag angestiftet hat, ist mit laufender Kamera vor Ort.
Paradoxerweise wird gerade er dabei zum Helden, denn vor laufender Kamera rettet er einen Mann aus Ruanda. Der hatte erst an diesem Tag seine kleine Tochter Namaka in die Arme schließen können, die als blinder Passagier auf einem Frachter nach Deutschland gelangt ist. Während der Vater ins Krankenhaus gebracht wird, bleibt das Mädchen bei Harry zurück – und der weiß mit der Kleinen nichts anzufangen. Kurzerhand bringt er sie bei Karl unter.
Bei der Polizei herrscht nach dem Anschlag helle Aufregung. Kriminalrat Dr. Stuber, dem vor allem daran gelegen ist, die Angelegenheit klein zu halten, überträgt die Ermittlungen allein Kriminalhauptkommissar Jens Hinrichs. Dessen herzkranker Kollege Kurt Groth soll außen vor bleiben, doch aus persönlichem Interesse mischt er natürlich trotzdem mit. Schritt für Schritt rücken die beiden Harry näher, der seine Brandaufnahmen inzwischen gewinnbringend verkauft hat, aber vergeblich nach ähnlich zugkräftigem Material sucht.
Derweil platzt Karl der Kragen: Weil der TÜV fehlt und er die Kfz-Steuer nie bezahlt hat, zieht der Staat sein Wohnmobil ein. Wer ihm das Letzte nimmt, was ihm geblieben ist, soll ihn kennenlernen – Karl kündigt seinem Freund an, eine Bank zu überfallen und mit der Beute auszuwandern. Für Harry ist das die Gelegenheit schlechthin. Im TV-Krimi „Live in den Tod“ macht er aus dem Coup seines Kumpels ein Medienspektakel, drängt Karl zu einer Geiselnahme und lässt ausgerechnet die kleine Namaka dabei das Opfer spielen. Groth und Hinrichs sind dem ungleichen Gespann zwar auf der Spur, doch vor den laufenden Kameras droht die Lage jeden Augenblick zu kippen …
Hinter den Kulissen
Für Kurt Groth (Kurt Böwe) und Jens Hinrichs (Uwe Steimle) ist „Live in den Tod“ der zehnte gemeinsame Fall; innerhalb der Reihe Polizeiruf 110 trägt der Film die Nummer 199. Im Zentrum stehen diesmal zwei Gestalten von der Schattenseite des Lebens: Armin Rohde spielt den Kleinganoven Harry Malz, Ingo Naujoks dessen Freund Karl Hauser. Als Produzentin Senta Scharfenberg ist Julia Jäger zu sehen, die kleine Namaka spielt Anna van Hoorn.
Regie führte Manfred Stelzer, der gemeinsam mit Gert Möbius auch das Drehbuch verfasste. Produziert wurde der Krimi von der Polyphon Film- und Fernseh GmbH im Auftrag des NDR. Für die Kostüme war Heidi Plätz verantwortlich, die Filmbauten stammen von Peter Bausch.
Die Dreharbeiten begannen im März 1997, damals noch unter dem Arbeitstitel „Die Medienqualle“. Gedreht wurde in Schwerin und Umgebung sowie im Hafen Rostock; einer der Schauplätze war die Apotheke am Schelfmarkt in der Schelfstadt. Bei der Erstausstrahlung lag die Zuschauerbeteiligung bei 12,6 Prozent.
Besetzung
Kurt Groth – Kurt Böwe
Kriminalhauptkommissar Jens Hinrichs – Uwe Steimle
Kriminalrat Dr. Stuber – H. H. Müller
Karl Hauser – Ingo Naujoks
Harry Malz – Armin Rohde
Namaka – Anna van Hoorn
Doris – Dorothea Gädeke
SEK-Leiter – Andreas Hoppe
Senta Scharfenberg, Produzentin – Julia Jäger
Herr Schonert – Karl Kranzkowski
Namakas Vater – Michael Ojake
Anna Schonert – Hanna Petkoff
Bauer – Arno Reckers
Jens Dammann – Horst Rehberg
Filmstudent – Victor Schefé
Politesse – Irm Hermann
Prof. Dr. Börner – Peter Möbius
Sven – Till Wiedemann
u. v. a.
Stab
Regie – Manfred Stelzer
Drehbuch – Gert Möbius, Manfred Stelzer
Musik – Lutz Kerschowski
Kamera – Michael Wiesweg
Schnitt – Inge Bohmann
Kostüm – Heidi Plätz
Filmbauten – Peter Bausch
Produktionsunternehmen – Polyphon Film- und Fernseh GmbH, im Auftrag des NDR





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