Kurz und knapp – darum geht’s
Für Gerda Stadler, Inhaberin einer Kfz-Werkstatt, gerät binnen kürzester Zeit alles ins Wanken: Erst erfährt sie, dass ihre Tochter Marianne mit einem Geliebten ins Ausland gehen will, dann ertappt sie die junge Frau im Bett ihres eigenen Liebhabers Jogi. Kurz darauf wird der Mechaniker tot aufgefunden. Während Kriminalhauptkommissar Jürgen Tauber den Mord untersucht, kümmert sich Polizeipsychologin Dr. Silvia Jansen um Marianne, die nach einem Motorradunfall schwer verletzt im Krankenhaus liegt. War es überhaupt ein Unfall? Als die Tochter unter Verdacht gerät, legt plötzlich die Mutter ein Geständnis ab. Tauber glaubt ihr nicht, und Jansen ahnt, dass Gerda ihr Kind schützen will. Doch hinter allem scheint noch etwas ganz anderes zu stecken …
Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Verzeih mir“
Gerda Stadler führt eine Kfz-Werkstatt, in der neben ihrer Tochter Marianne die beiden Mechaniker Bastian und Joachim, genannt Jogi, arbeiten – ein kleiner Betrieb, in dem jeder jeden kennt. Oder zu kennen glaubt. Es ist Bastian, seit Jahren unglücklich in Marianne verliebt, der Gerda die bittere Neuigkeit überbringt: Ihre über alles geliebte Tochter hat genug von der Arbeit in der Werkstatt und will mit ihrem Geliebten heimlich nach Neuseeland auswandern, um dort neu anzufangen. Und als wäre das nicht genug, ist auch noch der Safe des Betriebs leer.
Halt sucht Gerda bei Jogi, mit dem sie selbst ein Verhältnis hat. Doch als sie bei ihm auftaucht, findet sie in seinem Bett ausgerechnet Marianne. Für Mutter und Tochter stürzt in diesem Moment eine Welt ein – Marianne beschleicht zudem der Verdacht, dass Jogi auch mit ihrer Mutter etwas hatte, und sie lässt ihn empört stehen. Wenig später wird Jogis Leiche in seinem ausgebrannten Wagen am Isarkanal entdeckt. Erschlagen wurde er mit einem schweren Gegenstand, das Feuer hat jemand erst danach gelegt.
Kriminalhauptkommissar Jürgen Tauber hatte am Vorabend noch Besuch: Polizeipsychologin Dr. Silvia Jansen, erschöpft und am Ende ihrer Kräfte, suchte gerade bei dem sonst so unterkühlten Kollegen ein offenes Ohr für ihre Sorgen. Nun ruft ihn der Mordfall an den Tatort, wo neben seiner Assistentin Alyin Sücel auch der Neue im Team erscheint – Fritz, der sich einen Anfängerfehler nach dem anderen leistet.
Bald zeigt sich, dass der Tote mehr war als ein gewöhnlicher Mechaniker: Jogi war als V-Mann in der Autoschieberszene unterwegs und hatte gerade den Schieber Roberto im Visier. Sein Vorgesetzter Erich ist deshalb überzeugt, dass die Automafia hinter der Tat steckt. Gerda wiederum versichert, ihre Werkstatt habe mit Roberto ganz legal Geschäfte gemacht. In Jogis Haus stoßen Tauber und Sücel derweil auf ein Ticket nach Neuseeland, einen Tresorschlüssel und einen beachtlichen Haufen Bargeld.
Marianne ist seit der Tat wie vom Erdboden verschluckt – bis sie nach einem Motorradunfall schwer verletzt ins Krankenhaus kommt. Dort nimmt sich Silvia Jansen der jungen Frau an und stößt auf eine tiefe Verzweiflung, die auch mit Mariannes Herkunft zu tun hat: Wer ihr Vater ist, hat sie nie erfahren, ebenso wenig, wer der Vater ihrer Mutter war. Gerda sagt dazu nur, beide seien tot. War der Sturz tatsächlich ein Unfall, oder wollte Marianne ihrem Leben ein Ende setzen? Die Frage wiegt umso schwerer, als auch Gerda vor drei Jahren nach einem Suizidversuch in die Psychiatrie eingewiesen wurde.
Für Tauber rückt Marianne im TV-Krimi „Verzeih mir“ immer stärker in den Kreis der Verdächtigen. Da steht plötzlich Gerda Stadler vor ihm und erklärt, sie habe Jogi umgebracht. Der Kommissar nimmt ihr das nicht ab, muss sie aber in Untersuchungshaft nehmen. Silvia Jansen hat eine naheliegende Erklärung: Hier will eine Mutter die Schuld ihrer Tochter auf sich nehmen – eine Deutung, die selbst den skeptischen Tauber überzeugt. Tatsächlich ergeben weitere Nachforschungen, dass Gerda als Täterin nicht infrage kommt. Doch sie beharrt darauf, zu Recht hinter Gittern zu sitzen, und nun weiß auch die erfahrene Psychologin nicht mehr weiter. Offenbar lastet auf Gerda ein dunkles Geheimnis, das mit dem Mord an Jogi nichts zu tun hat – und das im BR-Polizeiruf „Verzeih mir“ doch über allem zu liegen scheint …
Hinter den Kulissen
Mit „Verzeih mir“, der 221. Folge der Reihe, verabschiedet sich Polizeipsychologin Dr. Silvia Jansen (Gaby Dohm): Es ist ihr sechster und letzter Fall und zugleich der dritte, den sie gemeinsam mit dem einarmigen Kriminalhauptkommissar Jürgen Tauber (Edgar Selge) bestreitet. Ursprünglich war die Figur nur für vier Filme vorgesehen, doch der große Zuschauerzuspruch brachte ihr zwei weitere Einsätze ein. Eine dauerhafte Fortführung hielt der BR dagegen für schwierig, weil das Konzept stets Fälle mit psychologischem Schwerpunkt erfordere.
Als Mutter und Tochter Stadler stehen Karin Boyd und Dennenesch Zoudé vor der Kamera, Henning Baum spielt den Mechaniker Jogi. Regie führte Hartmut Griesmayr nach einem Drehbuch von Horst Vocks. Die Bavaria Film produzierte im Auftrag des BR, gedreht wurde vom 8. November bis zum 9. Dezember 1999 in München und Umgebung. Die Kostüme entwarf Annette Reinecke-Popp, für die Filmbauten war Jochen Schumacher verantwortlich.
Die Erstausstrahlung verfolgten 7,67 Millionen Zuschauer, was einem Marktanteil von 22,9 Prozent entsprach. Damit war der Krimi nach der Formel-1-Übertragung und der Tagesschau die meistgesehene Sendung des Tages.
Besetzung
Polizeipsychologin Dr. Silvia Jansen – Gaby Dohm
Kriminalhauptkommissar Jürgen Tauber – Edgar Selge
Alyin Sücel, Taubers Assistentin – İlknur Bahadır
Fritz, der „Neue“ – Jens Eulenberger
Marianne Stadler, Gerdas Tochter – Dennenesch Zoudé
Gerda Stadler, Inhaberin einer Kfz-Werkstatt – Karin Boyd
Joachim „Jogi“ Kleinschmidt, Mechaniker – Henning Baum
Bastian Schäfer, Mechaniker – Jens Woggon
Huber – Gerd Fitz
Sepp – Rolf Castell
Erich, Jogis Vorgesetzter – Wilhelm Manske
Schorsch – Martin Walch
Wirt – Udo Thomer
Journalistin – Nina Bagusat
Joachim Schötz
Volker Metzger
Lance Girard
Markus Wasner
Gerd Rigauer
Roberto, Autoschieber – Tim Seyfi
u. v. a.
Stab
Regie – Hartmut Griesmayr
Drehbuch – Horst Vocks
Produktion – Veith von Fürstenberg
Musik – Joe Mubare
Kamera – Charly Steinberger
Schnitt – Helga Kriller
Kostüm – Annette Reinecke-Popp
Filmbauten – Jochen Schumacher
Produktionsunternehmen – Bavaria Film, im Auftrag des BR






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