Kurz und knapp – darum geht’s

Zerstörte Straßenschilder, demolierte Telefonzellen und binnen zwei Wochen zwei verwüstete Straßenbahnwagen: Oberleutnant Peter Fuchs hat es mit einer Bande Halbstarker zu tun, die ihre Langeweile an allem auslässt, was sich kaputt schlagen lässt. Zur selben Zeit häufen sich im Wald ausgeplünderte Brieftaschen und als verloren gemeldete Ausweise – für Leutnant Vera Arndt ein Muster, hinter dem mehr stecken muss als Zufall. Angeführt wird die Clique von Rolf Schmitter, genannt „Rolle“, dessen frühreife Freundin Susanne eine ebenso simple wie perfide Masche ersinnt: Sie lässt sich von älteren Herren per Anhalter mitnehmen und lockt sie in den Wald. Doch die Betroffenen schweigen beharrlich, denn was ihnen dort widerfahren ist, ist ihnen höchst peinlich …

Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Per Anhalter“

Erst waren es Straßenschilder, dann Telefonzellen – und nun hat es innerhalb von zwei Wochen bereits den zweiten Straßenbahnwagen erwischt. Oberleutnant Peter Fuchs ist einer Gruppe junger Randalierer auf den Fersen, die ihre Zerstörungswut an allem auslebt, was ihr in die Quere kommt. Viel mehr als Scherben und demolierte Waggons haben die Kriminalisten allerdings noch nicht in der Hand.

Leutnant Vera Arndt hat derweil einen Fall auf dem Tisch, der zunächst eher kurios klingt: Ein Förster hat in einer Schonung eine junge Frau, einen älteren Herrn und ein Auto beobachtet. Dazu kommen im Wald gefundene, ausgeräumte Brieftaschen und eine auffällige Zahl als verloren gemeldeter Ausweise. Der Mann aus dem Wagen wird vorgeladen und rückt nur widerwillig mit der Sprache heraus, so unangenehm ist ihm die Geschichte: Er habe eine angebliche Studentin mitgenommen, die ihm schöne Augen gemacht habe, also sei er mit ihr in den Wald gefahren. Dort habe sie sich plötzlich geziert und sei davongelaufen – und als er zum Auto zurückkam, war seine Jacke verschwunden. Die Brieftasche, beteuert er, verstecke er ohnehin immer im Wagen.

Wer hinter dem Vandalismus steckt, zeigt der Polizeiruf 110 „Per Anhalter“ früh: Kopf der Clique ist Rolf Schmitter, den alle nur „Rolle“ nennen. Zu seinen Leuten zählen Puster, Spatz, die alleinerziehende Mutter Emma und seit Kurzem Henne. Der junge Mann durfte wegen schlechter Noten den gewünschten Berufsweg nicht einschlagen und gibt dafür der Gesellschaft die Schuld. Um dazuzugehören, muss er sich erst bewähren – auf Rolles Geheiß schlägt er eine Telefonzelle kurz und klein. Als die Bande später an der Tür der Diskothek Sputnik als bekannte Krawallmacher abblitzt, müssen die Straßenbahnwaggons dran glauben.

Rolle ist bei der Polizei kein Unbekannter, schon einmal wurde er wegen Ruhestörung angezeigt. Damals sprang ihm ausgerechnet seine Mutter bei: Obwohl sie ihn wegen seines späten Heimkommens noch angeschrien hatte, deckte sie ihn in der Vernehmung und verschaffte ihm ein Alibi.

Beim Fensterputzen in einer Villa begegnet Rolle der 16-jährigen Susanne, die sich weit erwachsener gibt, als sie ist. Ihre Eltern machen Urlaub in Warna und sind auch sonst viel auf Reisen; tagsüber sieht eine ältere Tante nach dem Rechten, ansonsten ist das Mädchen weitgehend sich selbst überlassen. Susanne flirtet mit dem Fensterputzer und lädt ihn schließlich ein, die Ferien mit ihr auf der Datsche der Eltern zu verbringen – Emma kommt als Aufpasserin mit.

Dort verfällt das Paar auf einen Trick, um an Geld zu kommen: Susanne fährt bei älteren Herren per Anhalter mit, umgarnt sie und lässt sie im Wald parken. Ziert sie sich dann, tritt Rolle als ihr Beschützer auf den Plan und gibt den Männern zu verstehen, dass das Mädchen noch minderjährig ist. Die Ertappten zahlen Schweigegeld und verzichten auf eine Anzeige. Bei Walter Kraus jedoch gerät die Sache außer Kontrolle: Rolle prügelt brutal auf ihn ein und lässt ihn mit einer Nierenkolik im Straßengraben liegen. Nur mühsam, in langen Befragungen, gelingt es Vera Arndt, dem Verletzten zu entlocken, was wirklich geschehen ist. Und mit jedem Detail wird im DDR-Polizeiruf „Per Anhalter“ deutlicher, dass die Randale in der Stadt und die Vorfälle im Wald enger zusammenhängen könnten, als es zunächst scheint …

Hinter den Kulissen

„Per Anhalter“ ist die 21. Folge der Reihe Polizeiruf 110 und vereint ein Ermittlerquartett, das so kein zweites Mal gemeinsam vor der Kamera stand: Oberleutnant Peter Fuchs (Peter Borgelt) ermittelt in seinem 15. Fall, Leutnant Vera Arndt (Sigrid Göhler) in ihrem 17., Oberleutnant Jürgen Hübner (Jürgen Frohriep) in seinem 8. und Meister der VP Lutz Subras (Alfred Rücker) in seinem 7. Fall.

Drehbuch und Regie lagen in den Händen von Hans Joachim Hildebrandt. Mit Jugendkriminalität rückte der Film ein Thema in den Mittelpunkt, das die Reihe bis dahin eher am Rand gestreift hatte. Die Diskothek Sputnik, in der ein Teil der Handlung spielt, gab es unter diesem Namen tatsächlich. Für die Kostüme war Christel Richter verantwortlich, die Filmbauten stammen von Heinz Zeise, die Musik komponierte Peter Gotthardt.

Gedreht wurde vom 21. August bis zum 6. Oktober 1973 in Berlin und Umgebung sowie in Hüttenrode und Wernigerode. Produziert wurde der Film vom Fernsehen der DDR, die Produktion verantwortete Hans Reichel.

Musik

Klaus Renft Combo – Der Witz
Veronika Fischer & Panta Rhei – Blues
Horst-Krüger-Septett – Mama Loo
Puhdys – Geh zu ihr

Besetzung

Oberleutnant Peter Fuchs – Peter Borgelt
Oberleutnant Jürgen Hübner – Jürgen Frohriep
Leutnant Vera Arndt – Sigrid Göhler
Meister der VP Lutz Subras – Alfred Rücker
Susanne „Susi“ Binder – Viola Schweizer
Rolf „Rolle“ Schmitter – Bernd Storch
Karin Meisel – Ingeborg Westphal
Udo Walter – Klaus-Dieter Klebsch
Henning „Henne“ Walter – Andreas Scheer
Waltraud „Emma“ Ort – Christine Harbort
Werner „Puster“ Seger – Hansjürgen Hürrig
Werner „17 und 4“ Gelder – Axel Daehn
Heinz „Spatz“ Leuter – Gerald Schaale
Reinhard „Kanne“ Kramer – Nils Röwekamp
Eckhard Binder – Thomas Weisgerber
Margarete Binder – Inge Ahrends
Walter Kraus – Werner Senftleben
Herr Leber – Walter Lendrich
Frau Ronnewohl – Liska Merbach
Frau Schmitter – Wiebke Fuhrken
Herr Laude – Klaus Bergatt
Tante Lene – Marianne Behrens
Ehemann – Christoph Beyertt
u. v. a.

Stab

Regie – Hans Joachim Hildebrandt
Drehbuch – Hans Joachim Hildebrandt
Produktion – Hans Reichel
Musik – Peter Gotthardt
Kamera – Walter Laaß
Schnitt – Brigitte Bergmann
Produktionsunternehmen – Fernsehen der DDR