Kurz und knapp – darum geht’s

Ein Brief aus Berlin, eine scheinbar todsichere Anleitung und 90.000 Mark als Belohnung: Der Harzer Klempner Klaus Ahnert und sein Bekannter, der Fotograf Werner Brune, können der Versuchung kaum widerstehen. Wenig später verschwinden die Lohngelder eines Betriebes aus dem Wagen von Hauptbuchhalter Siebert – in nicht einmal einer Minute und ohne die geringste Spur von Gewalt. Für Oberleutnant Jürgen Hübner und Leutnant Sabine Berghoff liegt der Verdacht nahe, dass der Mann den Diebstahl bloß inszeniert hat. Doch Siebert beteuert hartnäckig seine Unschuld, und Hübner kommen Zweifel. Bleiben Sieberts Ehefrau Renate, die es mit der Treue nicht so genau nimmt, ihr Liebhaber – und die Frage, wer den Plan überhaupt verschickt hat …

Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Auftrag per Post“

Manche Versuchungen kommen ganz unscheinbar daher, etwa in einem gewöhnlichen Briefumschlag. Klaus Ahnert, Klempner und Hausmeister im Harz, findet darin die vollständige Anleitung zu einem Diebstahl, der 90.000 Mark einbringen soll. Der anonyme Absender aus Berlin verlangt für seinen Tipp 30.000 Mark und gibt ansonsten nichts über sich preis. Allein will Ahnert das Ding nicht drehen, also weiht er seinen Bekannten Werner Brune ein, einen Fotografen. Der ziert sich zunächst, lässt sich dann aber wenigstens dazu überreden, sich die Angelegenheit einmal aus der Nähe anzusehen – zu einfach und zugleich zu raffiniert wirkt der Plan. Für einen der beiden steht dabei mehr auf dem Spiel als nur Geld: Er ist vorbestraft und wollte eigentlich nie wieder rückfällig werden.

Ganz andere Sorgen plagen an diesem Morgen Hauptbuchhalter Siebert. Seine Frau Renate ist die ganze Nacht nicht nach Hause gekommen – nicht zum ersten Mal. Sie behauptet, bei einer Freundin übernachtet zu haben, weil sie den letzten Bus verpasst habe. Dabei ist es längst ein offenes Geheimnis, dass sie ein Verhältnis mit Sieberts Kollegen März hat. Auch mit Stieftochter Elke gerät der aufgebrachte Siebert aneinander, ehe er sich auf den Weg zur Arbeit macht und unterwegs die Lohngelder des Betriebes von der Bank abholt.

Der Koffer mit dem Geld liegt in seinem Wagen, der eigens mit einer besonderen Sicherungsanlage ausgestattet ist. Und doch ist er verschwunden, als Siebert schließlich mit fast einer Stunde Verspätung im Betrieb eintrifft – die Suche nach seiner Frau hat ihn aufgehalten. Gerade einmal rund 50 Sekunden war das Auto unbeaufsichtigt. Oberleutnant Jürgen Hübner und Leutnant Sabine Berghoff stehen im Polizeiruf 110 „Auftrag per Post“ vor einem Rätsel, denn am Wagen findet sich keinerlei Hinweis auf ein gewaltsames Eindringen. Ein Diebstahl, der eigentlich gar nicht möglich sein dürfte – da drängt sich den Ermittlern der Gedanke auf, dass es womöglich gar keinen gegeben hat.

Alles spricht dafür, dass der Hauptbuchhalter den Raub nur vorgetäuscht hat. Doch Siebert, ein überkorrekter Mann, dem die ganze Geschichte höchst unangenehm ist, streitet jede Beteiligung entschieden ab. Je länger Hübner sich mit ihm befasst, desto mehr gerät seine Überzeugung ins Wanken. Ist der Buchhalter tatsächlich ein Betrüger, der seine Kollegen jahrelang getäuscht hat, oder schlicht das Opfer eines ausgeklügelten Coups? Für Siebert jedenfalls beginnt eine bittere Zeit: Der Verdacht hängt an ihm wie ein Makel, und er muss lernen, damit zu leben.

Weil sich kein konkreter Anhaltspunkt für andere Täter ergibt, richten die Kriminalisten im DDR-Polizeiruf „Auftrag per Post“ den Blick auf Sieberts privates Umfeld. Ins Visier geraten Renate Siebert und ihr Liebhaber. Hat die Ehefrau, die es mit der Wahrheit über ihre Nächte offenbar nicht allzu genau nimmt, mehr mit dem Verschwinden der Lohngelder zu tun, als sie zugeben will? Und was weiß Kollege März, der Siebert im Betrieb täglich über den Weg läuft? Während Hübner und Berghoff die Spuren sortieren, ist ein Detail noch völlig offen: Wer auch immer den Plan per Post verschickt hat – er wird seinen Anteil haben wollen …

Hinter den Kulissen

„Auftrag per Post“ ist die 72. Folge der Reihe Polizeiruf 110. Oberleutnant Jürgen Hübner (Jürgen Frohriep) ermittelt darin in seinem 32. Fall. Bettina Mahr ist hier zum zweiten und zugleich letzten Mal als Leutnant Sabine Berghoff zu sehen. In weiteren Rollen spielen unter anderem Herbert Köfer den Hauptbuchhalter Siebert, Marita Böhme dessen Frau Renate sowie Lutz Stückrath und Dieter Unruh den Klempner Klaus Ahnert und den Fotografen Werner Brune.

Hans Joachim Hildebrandt führte Regie und schrieb auch das Drehbuch. Gedreht wurde vom 4. August bis zum 30. September 1980 unter dem Arbeitstitel „Anhänger gesucht“ in Berlin, Quedlinburg, Rübeland und Stolberg (Harz). In Berlin diente ein Haus in der Sodtkestraße im Prenzlauer Berg als Wohnung der Sieberts, eine Filiale der Berliner Volksbank in der Simplonstraße in Friedrichshain als Bank und der VEB Berliner Aufzug- und Fahrtreppenbau in der Chausseestraße in Mitte als Sieberts Arbeitsstelle. Die Kostüme entwarf Helga Alschner, die Filmbauten stammen von Hans-Joachim Hölzel.

Die Zuschauerbeteiligung bei der Erstausstrahlung lag bei 54,1 Prozent.

Besetzung

Oberleutnant Jürgen Hübner – Jürgen Frohriep
Leutnant Sabine Berghoff – Bettina Mahr
Leutnant Kretschmar – Klaus Nietz
Herbert Siebert, Hauptbuchhalter – Herbert Köfer
Renate Siebert, seine Frau – Marita Böhme
Elke Siebert, Sieberts Stieftochter – Birgit Linke
Klaus Ahnert, Klempner und Hausmeister – Lutz Stückrath
Werner Brune, Fotograf – Dieter Unruh
Ines Schramm – Brigitte Heinrich
Irene Klausmann – Anne Wollner
Angelika Bach – Ilka Hügel
Rudolf Papenbrodt – Erich Schäfer
Walter Kühne – Walter Wickenhauser
Lohnbuchhalter März – Hanns-Jörn Weber
Frau Dörfler – Annelies Edenharter
Herr Dörfler – Werner Kamenik
Gustav – Peter Panhans
u. v. a.

Stab

Regie – Hans Joachim Hildebrandt
Drehbuch – Hans Joachim Hildebrandt
Produktion – Lutz Clasen
Musik – Karl-Ernst Sasse
Kamera – Walter Küppers
Schnitt – Edith Kaluza
Produktionsunternehmen – Fernsehen der DDR