Kurz und knapp – darum geht’s

Ein paar Sekunden auf einer Landstraße genügen, und für den 26-jährigen Roland Preibisch ist nichts mehr, wie es war: Auf dem Heimweg von der Arbeit im Holzverarbeitungsbetrieb wird er bei einem Verkehrsunfall schwer verletzt, der Fahrer des beteiligten Wagens macht sich einfach aus dem Staub. Kriminalhauptkommissar Peter Fuchs und Kriminaloberkommissar Manfred Bergmann suchen den Verursacher zunächst unter Rolands Kollegen – und stoßen dabei auf falsche Aussagen, irreführende Spuren und eine heimliche Liebschaft. Zu allem Überfluss mag Rolands 18-jähriger Bruder Michael nicht abwarten, bis die Kripo Ergebnisse liefert. Er nimmt die Jagd nach dem Unfallfahrer selbst in die Hand und bringt die Ermittler damit gehörig in Zugzwang …

Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Der Fall Preibisch“

Feierabend im Holzverarbeitungsbetrieb: Michael Preibisch schwingt sich nach der Schicht auf sein Motorrad, sein älterer Bruder Roland hat das Werk da schon verlassen. Was als gewöhnliche Heimfahrt beginnt, endet in einem Albtraum. Unweit der Straße entdeckt Michael den Bruder auf einer Wiese, regungslos neben dessen Motorrad – und sieht gerade noch, wie sich ein Auto entfernt. Roland kommt mit schwersten Verletzungen ins Krankenhaus.

Den Fall übernehmen Kriminalhauptkommissar Peter Fuchs und sein Kollege, Kriminaloberkommissar Manfred Bergmann. Bremsspuren und Spurweite lassen wenig Zweifel daran, welcher Wagentyp beteiligt war: ein Trabant. Das schränkt den Kreis nicht gerade ein, doch Michael ist sich sicher, dass der Fahrer in der Belegschaft des Betriebs zu finden ist. Also nehmen sich die Kriminalisten im Polizeiruf 110 „Der Fall Preibisch“ die Trabis der Kollegen vor – ohne Erfolg. An keinem der Fahrzeuge finden sich Spuren eines Zusammenstoßes.

Im Krankenhaus kommt Roland schließlich wieder zu sich, und mit dem Erwachen folgt die bittere Gewissheit: Er wird querschnittsgelähmt bleiben. Für den jungen Mann, der noch so viel vorhatte, bricht eine Welt zusammen. Michael wiederum hält es kaum aus, wie gemächlich die Polizei aus seiner Sicht vorankommt. Statt weiter abzuwarten, beschließt er, den Schuldigen selbst ausfindig zu machen.

Tatsächlich stößt er schon am Tag nach dem Unfall auf etwas, das die Ermittler übersehen haben: Auf der Wiese nahe der Unfallstelle liegt ein Außenspiegel. Michael behält den Fund für sich und mustert auf eigene Faust die Wagen auf dem Betriebsparkplatz. Am Trabant von Alfred Müller wird er fündig – der Spiegel wurde ersetzt, die alte Halterung liegt auf der Hutablage. Für Michael ist die Sache damit klar. Er stellt Müller mitten im Betrieb zur Rede und droht ihm Prügel an; nur mit Mühe gelingt es Betriebsleiter Dietmar Stegemeier, die beiden Streithähne auseinanderzubringen. Müller muss mit aufs Revier, hat dort aber kaum mehr zu bieten als die Erklärung, man habe ihm den Spiegel abgebrochen.

Doch so eindeutig, wie es auf den ersten Blick scheint, ist im TV-Krimi „Der Fall Preibisch“ nichts. Fuchs und Bergmann bekommen es mit Aussagen zu tun, die nicht stimmen, mit Fährten, die ins Nichts führen, und mit jemandem, der offenbar bewusst falsche Tatsachen schafft. Und hinter vorgehaltener Hand wird im Betrieb über eine heimliche Affäre getuschelt, die so manchem Beteiligten Grund zum Schweigen gibt.

Am meisten Kopfzerbrechen bereitet den Kriminalisten allerdings der junge Preibisch selbst. Je länger der Unfallfahrer unentdeckt bleibt, desto mehr wächst Michaels Wut – und desto weniger lässt er sich von den Ermittlern bremsen. Ob er sich mit seinem Alleingang am Ende nur selbst in Gefahr bringt …

Hinter den Kulissen

„Der Fall Preibisch“ ist die 146. Folge der Reihe Polizeiruf 110. Für Kriminalhauptkommissar Peter Fuchs (Peter Borgelt) ist es bereits der 83. Fall, für Kriminaloberkommissar Manfred Bergmann (Jürgen Zartmann) hingegen der fünfte und zugleich letzte. Die Brüder Michael und Roland Preibisch werden von Jens Knospe und Marc Hetterle gespielt. Regie führte Lothar Hans nach einem Drehbuch von Hans Schneider.

Die DEFA produzierte den Film im Auftrag des DFF. Gedreht wurde vom 15. März bis 15. Mai 1990 in Berlin, Potsdam und in mehreren Kleinstädten in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg – also noch vor Einführung der D-Mark und lange vor dem Beitritt der DDR am 3. Oktober 1990. Wenn Bergmann im Film hofft, die „Pappkisten“ mögen bald von den Straßen verschwinden, war ein rasches Ende der Trabant-Ära zum Zeitpunkt der Dreharbeiten noch nicht abzusehen; damals liefen sogar noch Trabis mit Viertaktmotor vom Band. Bei seiner Erstausstrahlung erreichte der Krimi eine Zuschauerbeteiligung von 19 Prozent.

Mehrfach im Film und im Abspann erklingt das Lied „Brother“, das Dirk Michaelis geschrieben und gesungen hat; eingespielt wurde es von der Gruppe Karussell.

Musik

Dirk Michaelis und Karussell – Brother

Besetzung

Kriminalhauptkommissar Peter Fuchs – Peter Borgelt
Kriminaloberkommissar Manfred Bergmann – Jürgen Zartmann
Polizeikommissar Joachim Haase – Uwe Karpa
Michael Preibisch – Jens Knospe
Roland Preibisch – Marc Hetterle
Dietmar Stegemeier, Betriebsleiter – Eckhard Becker
Susanne Stegemeier – Renate von Wangenheim
Daniela Pielmann, Sekretärin – Lina Wendel
Vater Pielmann – Werner Ehrlicher
Alfred Müller – Detlef Gieß
Günter Weber – Otmar Richter
Carsten Heideklang – Peter Reinhardt
Kriminaloberkommissar Heinrich, K-Techniker – Klaus Gehrke
Staatsanwalt – Wilfried Pucher
Gerichtsmediziner – Gerd Blahuschek
Arzt im Krankenhaus – Uwe Zerbe
Juliane Müller, Kind – Tabea Mielke
Hauswirtin von Michael Preibisch – Ilse Bastubbe
Ein Mann – Peter Bügler
ABV Betriebs-Parkplatz – Roman-Eckhard Galonska
Arzt am Tatort – Reinhard Hellmann
Kranführerin – Sylvana Krappatsch
Kraftfahrer im Holzbetrieb – Paul Kriese
Frau Pielmann, Mutter von Daniela – Edeltraud Küppers
Pförtnerin – Bettina Mahr
ABV Unfallort – Guenther Nabzdyk
Kraftfahrer – Gerd Opitz
Polizist am Unfallort – Peter Pauli
Angler Schulz – Manfred Schawinke
Schutz-Polizist im Revier – Knut Schultheiß
Verkäuferin – Theresia Wider
Polizist am Tatort – Volkmar Witt
Paul – Hans Jochen Röhrig
u. v. a.

Stab

Regie – Lothar Hans
Drehbuch – Hans Schneider
Produktion – Martin Sonnabend
Musik – Dirk Michaelis
Kamera – Wolfgang Pietsch
Schnitt – Ursula Henning
Kostüm – Werner Bergemann
Filmbauten – Solvejg Paschkowski
Produktionsunternehmen – DEFA im Auftrag des DFF

Bild: HR / RBB / DRA / Erkens