Kurz und knapp – darum geht’s
Ein Toter im Duisburger Hafen bringt kurz nach dem Fall der Mauer zusammen, was eben noch getrennt war: Die Ostberliner Kommissare Peter Fuchs und Thomas Grawe reisen nach Duisburg, um gemeinsam mit Horst Schimanski und Christian Thanner einen Fall von deutsch-deutscher Tragweite zu lösen. Es geht um Gemälde, die der DDR-Staat Museen und Sammlern abgepresst hat und die frühere Stasi-Leute nun auf alten Wegen in den Westen verschieben wollen. Im Fokus steht der Kunsthändler Schrader – doch der weist jeden Verdacht mit lückenlosen Belegen zurück. Also ändern die Ermittler ihre Taktik: Schimanski und Thanner geben sich in einem Ostberliner Nobelhotel als zahlungskräftige Interessenten aus und wagen sich damit auf gefährliches Terrain …
Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Unter Brüdern“
Im trüben Wasser des Duisburger Binnenhafens treibt ein nackter Mann, und als die Kripo die Leiche an Land holt, liefert eine Tätowierung den entscheidenden Hinweis: Der Tote war einmal Offizier der Staatssicherheit. In der DDR, die sich gerade im Umbruch befindet, wird er als Mittelsmann polizeilich gesucht. Für die Hauptkommissare Horst Schimanski und Christian Thanner ist schnell klar, dass sie ohne Unterstützung aus dem Osten nicht weiterkommen – und so geht ein offizielles Ersuchen um Amtshilfe nach Ost-Berlin.
Dort erreicht das Schreiben Hauptkommissar Peter Fuchs und Oberkommissar Thomas Grawe in einem günstigen Moment: Gerade erst sind die beiden auf Kunstwerke gestoßen, die die Stasi versteckt hat. Die Hintergründe sind ebenso dreist wie einträglich. Um an Devisen zu kommen, hat der Staat Museen und Privatleute unter Druck gesetzt, ihre Gemälde herauszugeben. Nach der Wende haben ehemalige Stasi-Mitarbeiter einen Teil der Bilder beiseitegeschafft und wollen sie nun über die bewährten Kanäle im Westen zu Geld machen – diesmal für die eigene Tasche. Hinter dem Tod des Mannes im Hafenbecken vermuten Fuchs und Grawe eine Gruppe, die sich „Dürer“ nennt. Eine Dienstreise nach Duisburg kommt den beiden Ost-Kommissaren da gerade recht.
Im Westen werden sie von Schimanski, Thanner und Hänschen mit offenen Armen empfangen, und wie die Zusammenarbeit über die Grenze hinweg aussehen soll, klären die vier Kriminalisten ganz unbürokratisch in einem Duisburger Saunaclub. Ihr Hauptaugenmerk im Polizeiruf 110 „Unter Brüdern“ gilt dem Kunsthändler Schrader, den die Kripo für eine Schlüsselfigur hält – zumal Kirstin Kröner, die Witwe des Toten, bei ihm beschäftigt ist. Schrader allerdings gibt sich ahnungslos und zeigt sich peinlich berührt von den Methoden, mit denen die DDR an harte Währung kam. Seine Geschäfte mit dem Osten, so kann er nachweisen, liefen allesamt legal, und für eine Verbindung zum Mord fehlt jeder brauchbare Anhaltspunkt. Ohnehin will er sich aus dem Geschäft zurückziehen: Seiner Geschäftsführerin Dr. Viola Bender hat er bereits alles überschrieben.
Ins Visier gerät außerdem Heinz Baier, mit dem Schimanski schon zu Beginn der Ermittlungen in einem Auffanglager aneinandergeraten ist. Der Mann betreibt ein besonders schäbiges Geschäft: Junge Vietnamesinnen, die in volkseigenen Betrieben der DDR gearbeitet haben, lässt er nach Duisburg bringen, wo sie für ihn als Prostituierte anschaffen müssen.
Trotz aller Rückschläge lassen die vier Kommissare im TV-Krimi „Unter Brüdern“ nicht locker. Ihre Überlegung: Seit sich die Polizei für Schrader interessiert, dürfte er für seine Hintermänner zum Risiko geworden sein. Wer die Bilder loswerden will, braucht also neue Käufer – Leute mit dickem Portemonnaie. Diese Rolle übernehmen Schimanski und Thanner kurzerhand selbst: Als wohlhabende Geschäftsleute auf der Suche nach einer lohnenden Geldanlage beziehen sie Quartier im Grand Hotel Unter den Linden in Ost-Berlin. Lange müssen die beiden Lockvögel nicht warten, bis die ersten Offerten eintreffen, eindeutige ebenso wie zweideutige. Doch die verdeckte Mission auf fremdem Pflaster bringt die Westkommissare schon bald in heikle Lagen – und Viola Bender verfolgt in dieser Sache ganz eigene Ziele …
Hinter den Kulissen
Mit „Unter Brüdern“ betrat das deutsche Fernsehen Neuland: Erstmals kreuzten sich hier die Wege von „Polizeiruf 110“ und „Tatort“ – ein Crossover, das es in dieser Form danach nicht wieder gab. Der Deutsche Fernsehfunk und der WDR produzierten den Film gemeinsam; er sollte die deutsche Einheit auf dem Bildschirm symbolisieren und gehört zu den letzten Fernsehproduktionen der DDR. Der Arbeitstitel lautete „Ein Posten Kunst und Deutschland einig Vaterland“.
Es ist die 142. Folge des Polizeirufs und zugleich der 235. Tatort. Peter Fuchs (Peter Borgelt) ermittelt zum 81. Mal, Thomas Grawe (Andreas Schmidt-Schaller) zum 28. Mal, für Horst Schimanski (Götz George) ist es der 26. Fall, an seiner Seite Christian Thanner (Eberhard Feik). Auch im Vorspann spiegelt sich die Verbindung wider: Szenen aus beiden Reihen wechseln einander ab, begleitet von Klaus Doldingers Tatort-Musik und Hartmut Behrsings Polizeiruf-Melodie, und ausnahmsweise erscheint der Schriftzug „Polizeiruf 110“ vollständig statt nur der Zahl. Den Titelsong „Hand in Hand“ steuerte Klaus Lage bei – sein drittes Lied für einen Schimanski-Tatort.
Gedreht wurde vom 25. Juni bis 31. Juli 1990, unter anderem in Duisburg und Umgebung, in Berlin, Zeuthen und Mildenberg sowie am Flughafen Berlin-Tegel. Die Zuschauerbeteiligung der Erstausstrahlung lag bei 43,7 Prozent. Ein Jahr später griff der letzte Polizeiruf des DFF, „Thanners neuer Job“ (Folge 153), die Geschichte noch einmal auf: Darin wird Thanner in Berlin vertretungsweise zum Vorgesetzten von Fuchs und Grawe.
Musik
Klaus Lage – Hand in Hand
Besetzung
Kriminalhauptkommissar Peter Fuchs – Peter Borgelt
Kriminaloberkommissar Thomas Grawe – Andreas Schmidt-Schaller
Kriminalhauptkommissar Horst Schimanski – Götz George
Kriminalhauptkommissar Christian Thanner – Eberhard Feik
Hänschen – Chiem van Houweninge
Dr. Viola Bender, Geschäftsführerin bei Schrader – Susanne Bentzien
Dörfler – Ulrich Thein
Schrader, Kunsthändler – Peter Aust
Heinz Baier – Stephan Kuno
Holfelder, Sicherheitschef im Hotel – Peter Reusse
Kirstin Kröner, Witwe des Toten – Heidemarie Wenzel
Frau Dobler – Walfriede Schmitt
Herr Horten – Jürgen Reuter
Thailänderin – Warumee Trost
Komplize – Karl Knaup
Modeschöpfer – Andreas Borcherding
Vietnamesin – Janet De Dias
Vietnamesin – Le Thuy Duong
Kontaktmann – Günter Schubert
u. v. a.
Stab
Regie – Helmut Krätzig
Drehbuch – Helmut Krätzig, Veith von Fürstenberg
Produktion – Veith von Fürstenberg
Musik – Hartmut Behrsing, Paul Vincent Gunia
Kamera – Franz Ritschel
Schnitt – Renate Müller
Kostüm – Rosemarie Hettmann, Karin Pas
Bauten – Vladimir Skrdlik
Produktionsunternehmen – DFF, WDR





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