Kurz und knapp – darum geht’s

Jahrelang hat Architekt Hans Mutosch an seinem Eigenheim gebaut, jetzt fehlt nur noch das Treibhaus, das sich seine Stieftochter Heike wünscht. Während er bis tief in die Nacht das Fundament dafür gießt, bricht seine Frau Elke wie so oft allein in den Urlaub auf – doch an ihrem Ziel kommt sie nie an. Hauptkommissar Günter Beck findet schnell heraus, dass die Barbesitzerin es mit der Treue nicht allzu genau nahm. Ihr aktueller Geliebter, ein junger Schwimmmeister, wollte sie sogar auf die Reise begleiten. Ist Elke Mutosch also einfach aus ihrer Ehe ausgebrochen? Je länger Beck nachforscht, desto weniger glaubt er an diese Erklärung – und desto mehr spricht dafür, dass die Vermisste nicht mehr am Leben ist …

Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Das Treibhaus“

Ein eigenes Haus, ein großes Grundstück und eine Familie, die zusammenhält: Bei den Mutoschs scheint auf den ersten Blick alles in bester Ordnung. Architekt Hans Mutosch hat in den vergangenen Jahren jede freie Stunde in den Bau des Eigenheims gesteckt. Aus seiner ersten Ehe hat er zwei Söhne, die bei seiner geschiedenen Frau leben. Mit seiner jüngeren zweiten Frau Elke, an der er sehr hängt, und deren herangewachsener Tochter Heike hat er ein neues Leben begonnen. Stiefvater und Stieftochter verstehen sich prächtig, und so will Hans der angehenden Biologiestudentin einen besonderen Wunsch erfüllen: ein Treibhaus, in dem sie lernen und forschen kann.

Für Elke dagegen bleibt neben der ewigen Baustelle wenig Gemeinsames. Wie schon in den Jahren zuvor fährt sie deshalb ohne ihren Mann in den Urlaub nach Oberwiesenthal. Hans kann ohnehin nicht weg, denn für den Abend ihrer Abreise ist eine Ladung Schnellbeton angekündigt, und er will die ganze Nacht durcharbeiten, um das Fundament für das Treibhaus zu legen. Kurzerhand überlässt er seiner Frau den Wagen für die Fahrt zum Bahnhof. Als er das Auto am nächsten Tag dort abholen will, kommt er gerade rechtzeitig, um zuzusehen, wie es abgeschleppt wird – Elke hat es im Halteverbot stehen lassen.

Nach einer Woche müsste sie eigentlich zurück sein, doch Elke bleibt aus. Hans und Heike sehen das zunächst gelassen, denn dass sie ihren Urlaub eigenmächtig verlängert, ist bei ihr nichts Ungewöhnliches. Erst als weitere Tage verstreichen, ohne dass sie sich meldet, beginnen die beiden, Fragen zu stellen – und erhalten eine beunruhigende Antwort: Zwar hatte Elke in einem Hotel in Oberwiesenthal ein Doppelzimmer reserviert, eingetroffen ist sie dort aber nie. Nun schaltet Hans die Polizei ein.

Hauptkommissar Günter Beck übernimmt den Fall und muss nicht lange suchen, um auf die erste Spur zu stoßen: Die Vermisste hatte einen Liebhaber. Der junge Schwimmmeister Hartmann macht aus seiner Affäre mit der verheirateten Frau auch gar kein Geheimnis. Mehr noch, die beiden wollten heimlich zusammen verreisen und hatten sich am Bahnhof verabredet. Doch dort sei Elke nie aufgetaucht, beteuert Hartmann – sie habe ihn schlicht versetzt. Für das Doppelzimmer im TV-Krimi „Das Treibhaus“ gibt es damit zumindest eine Erklärung, für das Verschwinden der Frau dagegen noch lange nicht.

Hat Elke Mutosch am Ende nicht nur ihren Mann, sondern auch den Schwimmmeister hinter sich gelassen und sich mit einem ganz anderen abgesetzt? Ausschließen mag Beck das zunächst nicht, denn so, wie er die Frau inzwischen kennt, wäre ihr ein solcher Schritt durchaus zuzutrauen. Doch die Tage vergehen, und die Vermisste bleibt wie vom Erdboden verschluckt. Im Polizeiruf 110 „Das Treibhaus“ setzt sich beim Hauptkommissar deshalb allmählich ein weit düstererer Gedanke fest: Was, wenn Elke Mutosch nie in Oberwiesenthal angekommen ist, weil sie diese Reise gar nicht mehr antreten konnte …

Hinter den Kulissen

Für Hauptkommissar Günter Beck (Günter Naumann) ist es der fünfte Fall; innerhalb der Reihe trägt der Krimi die Nummer 149. Im Mittelpunkt steht die Familie Mutosch mit Hans (Gerd Preusche), Elke (Monika Hildebrand) und Tochter Heike (Anna-Katharina Muck), als Schwimmmeister Hartmann ist Ralf Lindermann zu sehen. Zum Polizeiteam gehören außerdem Kommissar König (Gerald Schaale) und Kriminalrat Böhme (Werner Tietze).

Regie führte Thomas Jacob, der im Film zudem selbst als Conferencier Herr Dy vor der Kamera steht. Das Drehbuch stammt von Gabriele Kotte und Wolfgang Müller, produziert wurde der Krimi von der DEFA im Auftrag des DFF.

Gedreht wurde „Das Treibhaus“ vom 30. Oktober bis zum 6. Dezember 1990, unter anderem in Potsdam und Umgebung, in Teltow und in Oberwiesenthal; die Innenaufnahmen entstanden im DEFA-Studio für Spielfilme. Für die Kostüme war Günther Pohl verantwortlich, die Filmbauten schuf Heinz Röske. Bei der Erstausstrahlung lag die Zuschauerbeteiligung bei 19 Prozent.

Besetzung

Hauptkommissar Günter Beck – Günter Naumann
Kommissar König – Gerald Schaale
Kriminalrat Böhme – Werner Tietze
Heike Mutosch, Elkes Tochter – Anna-Katharina Muck
Hans Mutosch, Architekt – Gerd Preusche
Elke Mutosch, Barbesitzerin – Monika Hildebrand
Nachbar – Harry Merkel
Nachbarin – Waltraut Kramm
Schwimmlehrer Hartmann – Ralf Lindermann
Karin, Bardame – Rita Feldmeier
Verkehrspolizist – Klaus Gehrke
Frau Burmeister – Brigitte Lindenberg
Fahrkartenverkäuferin – Theresia Wider
Sachbearbeiterin im Betonwerk – Ursula Genhorn
Schwimmerin – Karin Beewen
1. Hundeführer – Manfred Müller
2. Hundeführer – Knut Schultheiß
Double Elke – Swetlana Skorochodowa
Arbeiter im Betonwerk – Holger Richter
Hartmanns Freundin – Veronika Schikowski
Gerichtsmediziner – Klaus Hecke
Junge in der Disko – Stefan Klebig
Conferencier Herr Dy – Thomas Jacob
Stripperin Lady Dy – Rita Haban
u. v. a.

Stab

Regie – Thomas Jacob
Drehbuch – Gabriele Kotte, Wolfgang Müller
Produktion – Uwe Kraft
Musik – Arnold Fritzsch
Kamera – Peter Krause
Schnitt – Brigitte Krex
Kostüme – Günther Pohl
Filmbauten – Heinz Röske
Produktionsunternehmen – DEFA im Auftrag des DFF

Bild HR / DRA / Wolfgang Ebert