Kurz und knapp – darum geht’s
Für den Saxophonisten Anton Lasch, der sich auf der Bühne Antonio nennt, geht mit dem Engagement auf dem Urlaubsschiff „Arkona“ ein Kindheitstraum in Erfüllung – doch die Reise weckt auch Erinnerungen an das dunkelste Kapitel seines Lebens. Im Januar 1945 zeigte ein Fotograf namens Keller, der für die Gestapo arbeitete, Antons Mutter an, weil sie ihren fahnenflüchtigen Mann versteckte. Der Vater wurde erschossen, die Mutter starb an den Folgen der Haft. Die Augen des Denunzianten hat Anton nie vergessen. Dann liegt der von den Damen umschwärmte Musiker eines Morgens tot in seiner Kabine, und ein Foto aus seinem Besitz ist verschwunden. Hauptkommissar Peter Fuchs muss zwischen Tanztee, Bordroutine und Kreuzfahrtfasching herausfinden, was in der Nacht geschehen ist …
Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Big Band Time“
Zwischen Tanztee und Kreuzfahrtfasching scheint die Welt in bester Ordnung: Nach einer Reihe von Konzerten mit ihrer Big Band treten drei Musiker ein Sonderengagement auf dem Urlaubsschiff „Arkona“ an. Bandleader Bosowski sitzt am Klavier, dazu kommen ein Gitarrist und Anton Lasch, der Solist am Saxophon, der sich Antonio nennt. Vor allem er, der Lockenkopf der Truppe, zieht an Bord die Blicke der weiblichen Passagiere auf sich. Für ihn selbst ist die Tour mehr als ein weiterer Auftritt – mit der Fahrt auf einem großen Schiff erfüllt sich ein Wunsch, den er seit Kindertagen mit sich trägt.
Besonders hartnäckig bemüht sich Nixe Walter um den Musiker. Die Ehefrau von Klempnermeister Walter ist mit ihrem Leben an der Seite des Handwerkers sichtlich unzufrieden und hätte gegen ein kleines Abenteuer auf See nichts einzuwenden. Doch Anton bleibt freundlich, kühl und auf Abstand. Wann immer es an Bord ruhiger wird, wandern seine Gedanken ohnehin in eine ganz andere Zeit zurück.
Antons Vater Otto war Pianist, bis ihn der Zweite Weltkrieg an die Front holte. In den Jahren ohne ihn war es Mutter Maria, die in dem Jungen die Leidenschaft für das Saxophon weckte. Ein Foto zeigt Anton als Achtjährigen mit ihr an der See, aufgenommen von Keller, einem Nachbarn der Familie. Im Januar 1945 entdeckte der Junge beim Wegbringen der Asche einen Fremden, der sich im Aschecontainer versteckt hielt – es war sein Vater, der von der Truppe geflohen war. Maria holte ihn heimlich in die Wohnung, doch Keller, der für die Gestapo arbeitete, hatte alles beobachtet und zeigte sie an. Otto wurde als Deserteur erschossen, Maria starb an den Folgen der Haft.
Anton wuchs nach Kriegsende im Waisenhaus auf und schwor sich, den Mann, der seine Eltern ans Messer geliefert hatte, umzubringen, sollte er ihn je finden. Die Augen des Verräters haben sich ihm für immer eingeprägt. Wie sehr ihn die Vergangenheit auf dieser Reise einholt, bekommen auch seine Kollegen im DFF-Polizeiruf „Big Band Time“ zu spüren: Beim Probealarm fällt Bosowski und dem Gitarristen auf, dass ihr Saxophonist mit den Gedanken völlig woanders ist.
Dann, eines Morgens, liegt Anton leblos in seiner Kabine. Hauptkommissar Peter Fuchs wird zusammen mit einem Kriminaltechniker und einem Gerichtsmediziner auf die „Arkona“ geflogen, und die Untersuchung lässt keinen Zweifel: Der Musiker wurde erwürgt. Unter seinen Fingernägeln sichern die Ermittler Faserreste, in seinem Haar Spuren von Nagellack. Und noch etwas fällt auf im Polizeiruf 110 „Big Band Time“: Unter Antons Sachen fehlt ein Foto. Für Fuchs stellt sich damit die Frage, wer an Bord ausgerechnet an einem alten Bild interessiert sein könnte …
Hinter den Kulissen
„Big Band Time“ ist die 147. Folge der Reihe, für Hauptkommissar Peter Fuchs (Peter Borgelt) ist es der 84. Fall. Zur Seite stehen ihm ein K-Techniker (Holger Franke) und ein Gerichtsmediziner (Alexander Wikarski). Den Saxophonisten Anton „Antonio“ Lasch spielt Christian Steyer, seine Eltern Maria und Otto Lasch werden von Nina Lorck-Schierning und Justus Carrière verkörpert, Anton als Kind von Marco Krause und Andreas Rudloff.
Regie führte Wolfgang Hübner, das Drehbuch schrieb Eberhard Görner, produziert wurde der Film vom DFF. Hübner ist zudem selbst als Archivar zu sehen, Produzent Volker Holecek tritt als Schiffsfotograf auf.
Gedreht wurde vom 1. September bis zum 31. Oktober 1990 in Berlin und Rostock sowie auf dem Fährschiff Finnjet, mit Unterstützung der Reederei Silja Line und der Besatzung. Ursprünglich sollten die Bordszenen auf der Personenfähre Rügen während ihrer Fahrt nach Trelleborg entstehen. Das Passagierschiff Arkona, auf dem die Handlung spielt, kam nur für die Totalen zum Einsatz. Bei der Erstausstrahlung lag die Sehbeteiligung bei 10 Prozent.
Besetzung
Hauptkommissar Peter Fuchs – Peter Borgelt
K-Techniker – Holger Franke
Gerichtsmediziner – Alexander Wikarski
Leiter der K Lossow – Manfred Müller
Anton „Antonio“ Lasch – Christian Steyer
Bosowski, Band-Leader – Jan Spitzer
Gitarrist – Frank Matthus
Maria Lasch – Nina Lorck-Schierning
Otto Lasch – Justus Carrière
Anton als Kind – Marco Krause
Anton als Kind – Andreas Rudloff
Frau Schmidt – Annemone Haase
Herr Schmidt – Joachim Tomaschewsky
Fotograf Keller – Herbert Sand
Frau Lübeck – Gisela Morgen
Herr Lübeck – Helmut Müller-Lankow
Frau Auerbach – Renate Heymer
Herr Auerbach – Werner Dissel
Klempnermeister Walter – Ortwin Spieler
Nixe Walter – Hildegard Walter
Dr. Fritz Zabel – Fritz Bornemann
Frau Zabel – Hansi Jochmann
Geschwister Leitner – Christa Löser
Geschwister Leitner – Christa Wagner
Schiffsfotograf – Volker Holecek
Reiseleiter – Detlef Neuhaus
Kapitän – Gerd Blahuschek
1. Offizier – Peter Friedrichson
Archivar – Wolfgang Hübner
Gefängniswärter – Günter Drescher
Strafvollzugsbeamtin – Christine Heinze
Reinigungskraft – Sabine Wang
Feldpolizist – Peter Kaden
Feldpolizist – Heini Müller
u. v. a.
Stab
Regie – Wolfgang Hübner
Drehbuch – Eberhard Görner
Produktion – Volker Holecek
Musik – Günther Fischer
Kamera – Kurt Bobek
Schnitt – Brigitte Hujer
Produktionsunternehmen – DFF
Nächste Kommentarmöglichkeit: Sonntag, 01.11.2026 ab 17:00 Uhr (in ca. 2 Tagen).
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