Kurz und knapp – darum geht’s

In Görlitz kämpft das Fuhrunternehmen der Gebrüder Lustig ums Überleben – die polnischen Billiganbieter drücken die Preise, und die Aufträge bleiben aus. Während der ältere Lothar über Umstrukturierungen grübelt, sucht sein Bruder Uwe nach handfesteren Lösungen und lässt sich auf zwielichtige Geschäfte jenseits der Neiße ein. Woher das Geld plötzlich kommt, will niemand so genau wissen, auch Lothars Frau Monika nicht, die den Betrieb führt und mit dem Gedanken spielt, ihren Mann für Uwe zu verlassen. Dann wird Uwe erschossen aufgefunden. Hauptkommissar Beck, eilig aus dem Urlaub zurückbeordert, steht vor einem Geflecht aus Schmuggel, Affären und Schweigen – und mit Zollamtmann Weißer hat er einen Beamten an der Seite, der ihm ständig ungebetene Tipps gibt …

Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Bruder Lustig“

Direkt an der Grenze zu Polen, in Görlitz, betreiben die Brüder Lothar und Uwe Lustig eine kleine Spedition – und die steckt tief in Schwierigkeiten. Die Konkurrenz ist erdrückend, vor allem die polnischen Fuhrunternehmen unterbieten jeden Preis. Wie der Familienbetrieb zu retten ist, darüber denken die beiden ungleichen Brüder sehr verschieden: Lothar, der Ältere, will neue Kunden an Land ziehen und feilt an Plänen zur Umstrukturierung, die vor allem auf dem Papier existieren. Uwe dagegen sitzt selbst hinterm Steuer, fährt Touren quer durch Deutschland und hinüber nach Polen – und hat dabei längst eigene Wege gefunden, Geld zu verdienen.

Was einst klein anfing, ist ihm inzwischen über den Kopf gewachsen. Mit Lothars Wissen hatte Uwe zunächst geringe Mengen Altfarbe illegal über die Grenze gebracht. Mittlerweile transportiert er regelmäßig mehrere Fässer nach Polen, deren Inhalt er nicht kennt. Die Ladung bekommt er von Sägewerksbesitzer Sikowski, der die Fahrten stets mit einer Lieferung Sägemehl verbindet; Sikowski wiederum bezieht die Ware von Dr. Müller-Barmstedt, dem Leiter der Chemiefabrik Chenolan. Als Uwe dämmert, dass er hochgefährliche Altstoffe durch die Gegend fährt, verlangt er mehr Geld und will am liebsten ganz aussteigen. Beim Fabrikchef wachsen die Zweifel, ob auf den Fahrer noch Verlass ist. Und dann steht nach einer anonymen Anzeige auch noch Zollamtmann Weißer bei den Lustigs, bei Sikowski und bei Chenolan auf der Matte und erkundigt sich nach den Fässern.

Doch das ist nicht die einzige heikle Fracht: Ohne dass seine Familie etwas ahnt, schmuggelt Uwe für Dealer Rauschgift aus Polen nach Deutschland. Monika, Lothars Frau, die im Unternehmen die Geschäfte führt, bemerkt zwar, dass Uwe auf einmal auffällig viel Bargeld besitzt. Seine Ausrede, er habe beim Glücksspiel gewonnen, lässt sie aber gelten, Nachfragen stellt sie keine. Dabei ist ihr Verhältnis zu Uwe alles andere als distanziert: Die beiden lieben sich, und Monika plant, Lothar für seinen Bruder zu verlassen – obwohl sie weiß, dass Uwe zugleich eine Affäre mit der polnischen Laborantin Elzbieta Zyron hat.

Lange geht das nicht gut. Elzbietas Ehemann Jacek kommt den beiden auf die Schliche und stellt Uwe zur Rede, woraufhin dieser die Beziehung beendet. Kurz darauf wird Uwes Leiche in der Neiße gefunden – er wurde erschossen. Und mit einem Mal tritt zutage, wovor in der Familie Lustig alle die Augen verschlossen haben.

Für Hauptkommissar Beck aus Dresden ist der Urlaub damit abrupt vorbei: Er übernimmt die Ermittlungen im Mordfall Lustig. Schnell zeigt sich im Polizeiruf 110 „Bruder Lustig“, dass es nicht allein darum geht, einen Mörder zu finden – Beck soll auch dem Schmuggel über die Grenze ein Ende setzen, und wer hinter den Geschäften steckt, liegt völlig im Dunkeln. An möglichen Motiven herrscht kein Mangel, an verlässlichen Aussagen dafür umso mehr. Zu allem Überfluss kommt dem Kommissar immer wieder Zollamtmann Weißer mit seinen Ratschlägen in die Quere. Und doch spricht einiges dafür, dass die rätselhaften Fasstransporte etwas mit dem Tod von Uwe Lustig zu tun haben …

Hinter den Kulissen

Für Hauptkommissar Beck (Günter Naumann) ist „Bruder Lustig“ der zehnte Einsatz und zugleich sein vorletzter Fall. Regie führte Thomas Jacob nach einem Drehbuch von Friedemann Schreiter; der Film ist die 172. Folge der Reihe Polizeiruf 110.

In der Rolle des Zollamtmanns Weißer ist Jaecki Schwarz zu sehen, der später selbst als Hauptkommissar Herbert Schmücke zu den Ermittlern des Polizeiruf 110 gehören sollte.

Gedreht wurde unter anderem in Görlitz und an der Grenze zu Polen. Die Geschichte beruht auf Recherchen zu tatsächlichen Vorgängen, bei denen das Team vom Bundesgrenzschutz und vom Zollamt unterstützt wurde. Die Kostüme entwarf Anne-Gret Oehme, für die Filmbauten war Christa Köppen zuständig, die Musik stammt von Arnold Fritzsch. Produziert wurde der Krimi vom MDR. Die Zuschauerbeteiligung bei der Erstausstrahlung lag bei 22,5 Prozent.

Besetzung

Hauptkommissar Beck – Günter Naumann
Zollamtmann Weißer – Jaecki Schwarz
Uwe Lustig, Fuhrunternehmer – Peter Weiß
Lothar Lustig, Fuhrunternehmer – Werner Tietze
Monika Lustig, Lothars Frau – Angelika Perdelwitz
Sikowski, Sägewerksbesitzer – Joachim Zschocke
Elzbieta Zyron, Laborantin – Aldona Struzik
Jacek Zyron, Elzbietas Ehemann – Maciej Lysakowski
Steuerberater Steigler – Victor Deiß
Daniel Lustig – Danny Awege
Guido Graupner – Joachim Lätsch
Dr. Müller-Barmstedt, Leiter der Chemiefabrik Chenolan – Dieter Wien
Zöllner – Harry Merkel
Nachbar – Werner Senftleben
u. v. a.

Stab

Regie – Thomas Jacob
Drehbuch – Friedemann Schreiter
Musik – Arnold Fritzsch
Kamera – Helmut Bahr
Schnitt – Silvia Hebel
Kostüm – Anne-Gret Oehme
Filmbauten – Christa Köppen
Produktionsunternehmen – MDR