Kurz und knapp – darum geht’s
In einem Dorf an der Oder, direkt an der Grenze zu Polen, ist das Glück knapp bemessen, besonders für Armin Kulick. Der gutmütige, im Herzen kindlich gebliebene Mann lebt noch immer bei seiner Großmutter und sehnt sich nach einer Frau, die ihn ernst nimmt. Nachts zieht er mit seinem Bruder Gerd als Bürgerwehr den Deich entlang, um Flüchtlinge abzufangen. Ausgerechnet dort stößt er auf einen Erschlagenen und auf die junge Rumänin Lilja, die er kurzerhand in der Scheune versteckt. Hauptkommissarin Tanja Voigt ermittelt derweil in einem Ort, in dem eine alte Landfehde zwischen den Kulicks und Tischlermeister Goertz schwelt. Armin sieht sich am Ziel seiner Wünsche. Doch Lilja trägt ein Geheimnis mit sich, das die ganze Familie erschüttern könnte …
Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Kurzer Traum“
Lessin, ein Dorf an der Oder: Am anderen Ufer beginnt Polen, und diesseits des Deichs scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Auf einem der Höfe lebt Armin Kulick mit seiner Großmutter. Sie hat ihn nach dem Tod der Eltern großgezogen und übersieht bis heute, dass aus ihrem Sorgenkind längst ein erwachsener Mann geworden ist. Armin ist gutmütig, ein wenig ängstlich und innerlich ein Kind geblieben. Nichts wünscht er sich sehnlicher als eine Frau, die ihn als Mann akzeptiert. Doch in dieser abgelegenen Ecke Brandenburgs ist die Auswahl dünn: Frauen, das sind für viele Männer hier vor allem die Prostituierten jenseits des Flusses.
Armins Bruder Gerd hat das großmütterliche Gehöft schon vor langer Zeit verlassen. Seit 15 Jahren ist er mit Helga verheiratet, der Tochter von Tischlermeister Goertz, und wohnt auf dem Anwesen seines Schwiegervaters, genau gegenüber. Die große Liebe hat er damit nicht gefunden, wohl aber eine gute Partie, und inzwischen steht die Ehe kurz vor dem Aus. Zwischen den Kulicks und Goertz herrscht nämlich seit Langem Feindschaft: Nach der Bodenreform bekam der Tischler Land zugesprochen, das bis dahin den Großbauern Kulick gehört hatte. Ausgerechnet auf diesem Stück Erde soll nun die neue Oderbrücke entstehen. Ein Verkauf würde Goertz rund eine Million D-Mark einbringen.
Dem Zusammenhalt der Brüder tut der Familienzwist allerdings keinen Abbruch. Abend für Abend gehen Gerd und Armin gemeinsam auf Streife. Als Teil der Lessiner Bürgerwehr unterstützen sie Dorfpolizist Herbert, denn im Ort ist immer wieder gestohlen worden, und sie wollen verhindern, dass noch mehr Flüchtlinge nachts über die Oder kommen. Eines Nachts macht im Polizeiruf 110 „Kurzer Traum“ ausgerechnet der furchtsame Armin einen grausigen Fund: Auf seinem Rundgang stößt er auf einen erschlagenen jungen Mann. Und daneben liegt, er glaubt zu träumen, eine Frau.
Die Fremde heißt Lilja und stammt aus Rumänien. Statt sie zu melden, bringt Armin die junge Frau heimlich in der Scheune auf dem Hof seiner Großmutter unter. Dort versorgt er sie, wacht über ihr Versteck und verliebt sich Hals über Kopf. Zum ersten Mal scheint der Traum von einer Frau an seiner Seite greifbar, und mit ihm die Hoffnung, endlich der strengen Obhut von Oma Kulick zu entkommen.
Unterdessen wird Hauptkommissarin Tanja Voigt mitten aus ihrer eigenen Geburtstagsfeier geholt und an den Tatort beordert. Im ORB-Krimi „Kurzer Traum“ muss sie sich in einem Dorf zurechtfinden, dessen Bewohner durch alte Besitzansprüche und familiäre Bande eng miteinander verflochten sind. Armin hütet derweil sein kostbares Geheimnis in der Scheune und fühlt sich so glücklich wie nie zuvor. Doch Lilja weiß etwas, das die Kulicks bis ins Mark treffen könnte …
Hinter den Kulissen
„Kurzer Traum“ ist die 185. Folge der Reihe und der achte Fall von Hauptkommissarin Tanja Voigt (Katrin Saß). Grimme-Preisträger Bernd Böhlich führte bereits zum dritten Mal bei einem Voigt-Fall Regie, das Drehbuch stammt von Scarlett Kleint. Neben Katrin Saß stehen Dominique Horwitz als Armin Kulick, Uwe Kockisch als Gerd Kulick, Inge Meysel als Großmutter und Rolf Hoppe als Tischlermeister Goertz vor der Kamera. Außerdem hat Horst Krause hier seinen ersten Auftritt als Dorfpolizist Herbert.
„Action, das sollen die anderen machen. Wir setzen lieber auf eine konzentrierte Geschichte und investieren unser Geld in gute Schauspieler“, sagt ORB-Redakteurin Cooky Ziesche über den Ansatz des Senders. Böhlich legt Wert auf zeitgemäße Bilder: „Die Leute haben heute ein Bewusstsein für Formen, Farben, Tempo.“ Zugleich betont er: „Dennoch sollte sich die Kameraarbeit immer nach den Geschichten richten.“
Gedreht wurde ab April 1996 unter anderem in Gröben und in Zollbrücke, einem Weiler in Zäckericker Loose. Dort lebten während der Dreharbeiten acht Menschen, von denen sechs als Statisten mitwirkten. Die Kostüme entwarf Christine Zartmann, die Filmbauten schuf Eduard Krajewski. Bei der Erstausstrahlung lag die Zuschauerbeteiligung bei 17,3 Prozent.
Besetzung
Hauptkommissarin Tanja Voigt – Katrin Saß
Armin Kulick – Dominique Horwitz
Gerd Kulick, Armins Bruder – Uwe Kockisch
Frau Kulick, Großmutter von Armin und Gerd – Inge Meysel
Tischlermeister Goertz – Rolf Hoppe
Helga Kulick, Goertz’ Tochter und Gerds Ehefrau – Simone von Zglinicki
Lilja – İdil Üner
Dorfpolizist Herbert – Horst Krause
Alexander Hardt
Frau vom Katasteramt – Claudia Jakobshagen
Gast auf Tanjas Feier – Maren Schumacher
Harald, Tanjas Freund – Claudius Freyer
Vermesser – Reiner Heise
Vermesser – Michael Klobe
Wirt – Ernst-Georg Schwill
Anwohner – Axel Werner
Peter Wohlfeil
Volpert – Hannes Stelzer
Kneipengast – Utz Krause
Polnischer Zöllner – Janusz Cichocki
Bernd Kupke
u. v. a.
Stab
Regie – Bernd Böhlich
Drehbuch – Scarlett Kleint
Musik – Tomas Kahane
Kamera – Eberhard Geick
Schnitt – Susanne Carpentier
Kostüm – Christine Zartmann
Filmbauten – Eduard Krajewski
Produktionsunternehmen – Ost-Film Hoffmann & Loeser Produktion, im Auftrag des ORB




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