Kurz und knapp – darum geht’s
Ein Mord im Fahrstuhl, ein Liebhaber, der als Täter nicht infrage kommt, und eine Spur, die buchstäblich strahlt: Weil die Mordkommission unterbesetzt ist, landet der Fall der getöteten Anwaltsgattin Silke Kuhlmann bei Hauptkommissar Jens Hinrichs und Oberkommissar Kurt Groth. Für den ehrgeizigen Sachsen Hinrichs ist es die erste Mordermittlung und damit die Gelegenheit, sich für Höheres zu empfehlen. Am Tatort finden sich Schalen von Sonnenblumenkernen, und die sind radioaktiv verseucht. Hinrichs glaubt deshalb an einen Auftragskiller aus dem Umfeld von Tschernobyl und an die russische Mafia. Sein erfahrener Kollege hält das für abwegig. Doch Hinrichs lässt sich nicht bremsen und wagt sich als verdeckter Ermittler auf gefährliches Terrain …
Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Gefährliche Küsse“
Mitten in Schwerin, in einem ganz gewöhnlichen Wohnhaus, wird ein Fahrstuhl zum Tatort: Darin liegt die Leiche von Silke Kuhlmann, der Ehefrau des Rechtsanwalts Jan Kuhlmann. Eigentlich wäre das ein Fall für Kellermann von der Mordkommission. Der ist allerdings krank, und auch sonst fehlt es dort an Leuten. Also erhalten Hauptkommissar Jens Hinrichs und Oberkommissar Kurt Groth den Auftrag, die ersten Ermittlungen zu führen, und zwar in einem Fall, der sich schnell als ausgesprochen vertrackt erweist.
Für Hinrichs kommt der Anruf zu einem denkbar ungünstigen Moment. Der Kommissar aus Sachsen ist auf der Suche nach einer Ehefrau und sitzt gerade in einem Café, um eine Bekanntschaft aus dem Internet zu treffen, als er zum Tatort gerufen wird. Dafür ist es sein erster Mordfall, und der ehrgeizige Ermittler sieht die Chance, auf der Karriereleiter einen ordentlichen Sprung nach oben zu machen. Umso mehr wurmt es ihn, dass Groth längst vor Ort ist und schon alles erledigt hat, was Hinrichs voller Tatendrang selbst anpacken wollte. Verstimmt argwöhnt er, der zurückhaltende ältere Kollege arbeite gegen ihn.
Die ersten Recherchen führen zu Karl Saibel, einem sogenannten Nacktputzer, der Silke Kuhlmanns Liebhaber war und als Letzter Kontakt zu ihr hatte. Saibel hat das Haus kurz nach ihr verlassen und gibt an, er habe die Treppe genommen, weil der Fahrstuhl besetzt gewesen sei. Das klingt nach einer bequemen Ausrede, doch die Spuren am Tatort bestätigen seine Aussage. Als Mörder kommt er nicht infrage. Neben den Fingerabdrücken der Toten stoßen die Kriminaltechniker allerdings noch auf die einer unbekannten Person.
Die einzige wirklich brauchbare Entdeckung macht dann ausgerechnet der stille Groth: Im Treppenhaus liegen Schalen von Sonnenblumenkernen, die nur vom Täter stammen können. Im Labor zeigt sich, dass sie stark radioaktiv belastet sind. Für Hinrichs ergibt sich daraus ein klares Bild. Er sieht einen bestellten Killer aus der Gegend um Tschernobyl, angeheuert von der russischen Mafia. Groth dagegen hält einen Auftragsmord im beschaulichen Schwerin für vollkommen abwegig. Im Polizeiruf 110 „Gefährliche Küsse“ prallen damit nicht nur zwei Theorien, sondern auch zwei grundverschiedene Temperamente aufeinander.
Mit einem einzelnen Mörder will sich Hinrichs nämlich nicht zufriedengeben. Er möchte gleich die gesamten Strukturen der russischen Mafia in Mecklenburg-Vorpommern zerschlagen. Groth warnt ihn und zieht bei diesem Vorhaben nicht mit. Hinrichs schlägt den Rat des erfahrenen Kollegen jedoch in den Wind und holt sich bei Kriminaldirektor Dr. Stuber grünes Licht für verdeckte Ermittlungen. Für die Tarnung bekommt er sogar eine Kollegin an die Seite gestellt: die Kriminologin Anita, die seine Ehefrau spielen soll. Ausgerechnet der Mann, der so dringend eine Partnerin sucht, lebt nun in einer Ehe zum Schein. Und das Spiel, auf das er sich im TV-Krimi „Gefährliche Küsse“ einlässt, wird von Tag zu Tag riskanter …
Hinter den Kulissen
Für Kurt Groth (Kurt Böwe) und Jens Hinrichs (Uwe Steimle) ist „Gefährliche Küsse“ der sechste gemeinsame Fall. In der Reihe Polizeiruf 110 trägt der Film die Nummer 181. Regie führte Manfred Stelzer, der zusammen mit Gert Möbius auch das Drehbuch schrieb. Die Musik stammt von Rio Reiser.
Gedreht wurde von September bis Oktober 1995 in der Ukraine, in Schwerin sowie in Berlin und Umgebung. Für die Kostüme war Heidi Plätz verantwortlich, die Filmbauten entwarf Peter Bausch.
Ihre Fernsehpremiere erlebte die Folge zehn Jahre nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vom 26. April 1986, wenige Tage vor dem Jahrestag. Die Zuschauerbeteiligung bei der Erstausstrahlung lag bei 22,2 Prozent. Nach dem Tod von Kurt Böwe änderte der MDR im Juni 2000 sein Programm und zeigte „Gefährliche Küsse“ zur Hauptsendezeit.
Besetzung
Oberkommissar Kurt Groth – Kurt Böwe
Hauptkommissar Jens Hinrichs – Uwe Steimle
Jan Kuhlmann, Rechtsanwalt – Gerd Baltus
Silke Kuhlmann, Ehefrau von Jan Kuhlmann – Karin Düwel
Anita, Kriminologin – Julia Jäger
Killer Jakob Smiri – Bogdan Benjuk
Horst A. Fechner
Eva Storm – Marie Anne Fliegel
Karl Saibel, Nacktputzer – Karl Kranzkowski
Kriminaldirektor Dr. Stuber – Hans-Helmut Müller
Alexy Nesterow
Kellermann, Mordkommission – Ludger Pistor
Willy Holz – Hans-Martin Stier
Juliane Groth – Gabriele Völsch
u. v. a.
Stab
Regie – Manfred Stelzer
Drehbuch – Gert Möbius, Manfred Stelzer
Produktion – Doris J. Heinze, Klaus-Dieter Zeisberg
Musik – Rio Reiser
Kamera – Michael Wiesweg
Schnitt – Heidi Endruwelt
Produktionsunternehmen – Polyphon Film- und Fernseh GmbH, für NDR







Kommentieren ab sofort in ca. 29 Std. 49 Min möglich.
Noch keine Kommentare vorhanden.