Kurz und knapp – darum geht’s
Nur für einen Einkauf hat Katja Kraatz ihren Kinderwagen vor dem Supermarkt abgestellt – doch das Baby, das sie wenig später auf die Polizeiwache trägt, ist nicht ihr Sohn Marius. Hauptkommissar Beck steht vor einem Rätsel: Wer tauscht ein Kind gegen ein anderes aus, und wozu? Hinweise auf eine Entführung gibt es nicht, und auch die Mutter des fremden Babys bringt keine Klarheit. Evelin Friedau ist alkoholabhängig, hat das Fehlen ihres Sohnes Ben angeblich erst Stunden später bemerkt und erzählt eine Geschichte, an der Beck erhebliche Zweifel hegt. Mit jedem Tag, an dem der kleine Marius verschwunden bleibt, schwindet die Hoffnung, ihn lebend wiederzufinden …
Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Der Tausch“
Im Gewusel der Polizeiwache nimmt anfangs kaum jemand Notiz von der jungen Frau. Sie steht einfach da, ein Baby auf dem Arm, und beteuert ein ums andere Mal, dieses Kind gehöre nicht ihr – sie wolle ihren eigenen Sohn zurück. Erst nach und nach setzt sich das Bild zusammen: Katja Kraatz war einkaufen und hatte den Kinderwagen draußen vor dem Supermarkt stehen lassen. In der Zwischenzeit hat jemand den erst wenige Wochen alten Marius herausgenommen und ein fremdes Baby an seine Stelle gelegt.
Für Hauptkommissar Beck ist das ein Fall, wie er ihn so noch nicht erlebt hat, und jede Antwort scheint nur neue Fragen aufzuwerfen. Gemeinsam mit seinen Kollegen, den Kommissaren Lindemann und Gutschmidt, hört er sich in der Umgebung des Supermarkts um. Doch die Zeugen erinnern sich bloß an einen weißen Lieferwagen, der in der Nähe des Kinderwagens geparkt haben soll. Auch die Aufnahmen der Überwachungskameras bringen die Ermittler im Polizeiruf 110 „Der Tausch“ keinen Schritt weiter.
Der Gedanke an eine Entführung drängt sich auf, schließlich ist Katjas Freund Ralf Dassendorf, der Vater des Jungen, Mitinhaber der florierenden Werbefirma Megalux. Doch nichts deutet bislang in diese Richtung. Und so bleibt die vielleicht rätselhafteste Frage offen: Warum sollte jemand ein Kind verschwinden lassen und dafür ausgerechnet ein anderes zurücklassen?
Kaum klüger sind die Kriminalisten, als sich schließlich die Mutter des fremden Babys bei der Polizei vorstellt. Evelin Friedau trinkt, ihr Leben ist längst aus den Fugen geraten – eine Frau, die mit der verzweifelten Katja wenig gemein hat. Ihre Erklärung klingt abenteuerlich: Sie sei betrunken gewesen und habe geglaubt, ihr Sohn Ben liege schlafend im Wagen. Als sie ihn dann nicht mehr vorfand, habe sie angenommen, das Jugendamt habe ihn mitgenommen – so, wie es bereits mit ihren beiden anderen Kindern geschehen sei. Erst auf Bildern in der Presse will sie Ben wiedererkannt haben. Katja und Ralf ist die Frau gänzlich unbekannt.
Beck traut dieser Darstellung nicht über den Weg. Dennoch lässt er Evelin gehen – allerdings nicht, ohne ihr einen Beschatter an die Fersen zu heften. Während die Ermittler im MDR-Polizeiruf „Der Tausch“ jedem noch so dünnen Faden folgen, verstreicht Tag um Tag, ohne dass von Marius eine Spur auftaucht. Dass hinter seinem Verschwinden ein Verbrechen steckt, wird immer wahrscheinlicher, und bald muss sich der erfahrene Kommissar eingestehen, dass kaum noch Hoffnung besteht, das Baby lebend zu finden. Was in jenen Stunden vor dem Supermarkt wirklich geschehen ist, bleibt vorerst im Dunkeln …
Hinter den Kulissen
Für Hauptkommissar Beck (Günter Naumann) ist es der elfte und zugleich letzte Fall. Nach „Bruder Lustig“ aus dem Jahr 1995 hatte Naumann wegen einer schweren Erkrankung pausieren müssen. Als Abschied war „Der Tausch“ allerdings nicht angelegt: Erst Ende 1996 entschied der MDR, keine weiteren Folgen mit Beck zu drehen und die Reihe allein mit dem Duo Schmücke und Schneider (Jaecki Schwarz und Wolfgang Winkler) fortzusetzen – Naumann erfuhr davon aus der Presse. Beck war damals der letzte Kommissar, der schon in Polizeirufen zu DDR-Zeiten ermittelt hatte. An seiner Seite sind Manfred Möck als Lindemann und Ernst-Georg Schwill als Gutschmidt zu sehen.
Die Vorlage lieferte der gleichnamige, 1995 erschienene Kriminalroman von Hans Ullrich Krause, der auch das Drehbuch schrieb. Der Psychologe schöpfte dabei aus aktuellen Fällen und seiner Tätigkeit als Leiter eines Berliner Kinderheims. In dieser Funktion lernte ihn Regisseur Andreas Dresen bei Dreharbeiten zu einem Dokumentarfilm kennen. Die beiden Mütter verkörpern Ulrike Krumbiegel (Katja Kraatz) und Sophie Rois (Evelin Friedau).
Gedreht wurde die 186. Folge der Reihe im Spätsommer 1996 in Erfurt und Umgebung. Die Zuschauerbeteiligung bei der Erstausstrahlung lag bei 18,7 Prozent.
Besetzung
Hauptkommissar Beck – Günter Naumann
Kommissar Lindemann – Manfred Möck
Kommissar Gutschmidt – Ernst-Georg Schwill
Katja Kraatz, Mutter von Marius – Ulrike Krumbiegel
Evelin Friedau, Mutter von Ben – Sophie Rois
Ralf Dassendorf, Katjas Freund – Peter Wilczynski
Tina Rechenbach – Gundula Köster
Manfred Dassendorf – Horst Rehberg
Mann von Gegenüber – Wolfgang Hosfeld
Hagen Zimmler – Axel Werner
Frau Schiebig – Petra Kelling
Verkäuferin – Katrin Martin
Polizeioberkommissar – Marco Bahr
Supermarktdetektiv – Ortwin Spieler
Gerichtsmediziner – Roman Silberstein
Kriminalist – Steffen Münster
Fernsehreporter – Wolfgang Wimmer
Straßenreiniger – Michael Klobe
Kriminaltechniker – Frank-Burkhard Habel
alte Frau – Brigitte Renner
u. v. a.
Stab
Regie – Andreas Dresen
Drehbuch – Hans Ullrich Krause
Produktion – Matthias Esche, Wolfgang Voigt
Musik – Rainer Rohloff
Kamera – Andreas Höfer
Schnitt – Monika Schindler
Kostüm – Sabine Greuning
Filmbauten – Claudia Jaffke
Produktionsunternehmen – ndF, im Auftrag des MDR






Kommentieren ab sofort in ca. 27 Std. möglich.
Noch keine Kommentare vorhanden.