Kurz und knapp – darum geht’s
Eigentlich soll Hauptkommissar Jens Hinrichs nur einen Ausbrecher wieder einfangen: den Betrüger Achim Tänzer, der aus dem Schweriner Gefängnis entwischt ist – ausgerechnet auf Hinrichs’ Fahrrad. Die Spur führt in das beschauliche Grimnitz, wo ein großes Stauseeprojekt den Tourismus ankurbeln soll und eine Nachwahl bevorsteht. Spitzenkandidat ist Lacleur, ein alter Bekannter, dessen Verbindungen im Ort Hinrichs bald stutzig machen. Als das Wahlkampfbüro brennt und das Stauwehr sabotiert wird, bekommt der Kommissar Verstärkung, über die er sich wenig freut: Robert Dieckmann aus Hamburg, der eigentlich angereist ist, um die Schweriner Behörde unter die Lupe zu nehmen. Obendrein hat Hinrichs auch noch Frau und Kinder im Schlepptau. Und dann wird im See ein Totenschädel gefunden …
Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Die Macht und ihr Preis“
Es ist ein feierlicher Moment, der für Hauptkommissar Jens Hinrichs ein ärgerliches Nachspiel hat: Zusammen mit dem Politiker Lacleur und drei Obdachlosen, die gemeinsam die Obdachlosenzeitschrift „Berberpost“ vertreiben, wird er als Lebensretter ausgezeichnet. Sein Kollege Groth, der ebenfalls geehrt werden soll, fehlt, und Hinrichs muss ihn entschuldigen. Nach dem offiziellen Teil setzt sich der Kommissar noch mit den drei Männern in den angrenzenden Park und trinkt mit ihnen ein Glas Wein. Diese Gelegenheit nutzt ein gerade ausgebrochener Häftling: Achim Tänzer schnappt sich Hinrichs’ Fahrrad und macht sich damit aus dem Staub.
Kurz darauf stellt Dr. Stuber dem Kommissar einen Neuen vor: Hauptkommissar Robert Dieckmann ist aus Hamburg gekommen, um die Abläufe der Schweriner Behörde zu durchleuchten. Hinrichs dagegen erhält den Auftrag, den flüchtigen Betrüger wieder hinter Gitter zu bringen. Beginnen soll er bei Tänzers Freundin Beatrice Wiedemann und ihrem Wäschegeschäft – doch unter der Adresse findet er nur einen Laden für Elektroartikel. Die Verkäuferin weiß immerhin, wohin es die Frau verschlagen hat: nach Grimnitz am See, wo sie inzwischen Reizwäsche im Direktverkauf anbietet. Hinrichs’ Versuche, allein zu fahren, scheitern kläglich – seine Frau Nina und die beiden Kinder kommen kurzerhand mit.
Auf den ersten Blick ist Grimnitz eine Idylle, und ein ehrgeiziges Stauseeprojekt soll den Ort für Urlauber noch attraktiver machen. Empfangen werden Hinrichs und Nina von Juliane, der Enkelin seines Kollegen Groth. Was dem Kommissar sofort ins Auge fällt, sind die Wahlplakate: Im Ort steht eine Nachwahl an, und einer der Spitzenkandidaten ist ausgerechnet Lacleur – der Mann, mit dem er eben noch auf der Bühne stand und der einst an Groths Seite kämpfte. Im Wahlkampf verteidigt der Kommunalpolitiker vor allem sein Wehr, mit dem der See weiter angestaut werden soll. Während die Suche nach Tänzer im TV-Krimi „Die Macht und ihr Preis“ zunächst ins Leere läuft, staunt Hinrichs, wie dicht Lacleur seine Kontakte im Ort geknüpft hat. Um politische Inhalte, so scheint es, geht es dabei weniger als um den eigenen Vorteil. Auch Beatrice Wiedemann ist wieder im Dorf, doch die Befragung zu Tänzers Flucht bricht Hinrichs schnell ab, als ihre Kundenberatung allzu ausführlich gerät.
In der Nacht schreckt Krach den Kommissar auf: Zwei Unbekannte machen sich am Wehr zu schaffen. Hinrichs eilt hinaus, doch statt der Täter läuft ihm nur ein Dorfpolizist über den Weg – und der berichtet, dass auch auf Lacleurs Wahlkampfbüro ein Brandanschlag verübt wurde. Am nächsten Tag zeigt sich das ganze Ausmaß: Das Wehr ist so schwer beschädigt, dass sich die Bauvorhaben um Monate verzögern. Weil Groth nicht zur Verfügung steht und Hinrichs neben der Fahndung auch noch die Familie um sich hat, schickt Dr. Stuber Dieckmann als Verstärkung an den See. Der karrierebewusste Hinrichs ist von dem neuen Partner zunächst alles andere als begeistert. Lacleur selbst hält die Anschläge für politisch motiviert.
Gemeinsam gehen die beiden ungleichen Kollegen den Spuren nach. Im Gasthof stoßen sie auf Fotos, die einen jungen, charismatischen Mann zeigen – vertraut mit Lacleur, aber ebenso mit Beatrice Wiedemann. Wer ist der Unbekannte, und was verbindet ihn mit den beiden? Bevor die Ermittler im NDR-Polizeiruf „Die Macht und ihr Preis“ darauf eine Antwort finden, wird im See ein Totenschädel entdeckt. Und plötzlich stellt sich die Frage, was hinter der hübschen Fassade von Grimnitz verborgen liegt …
Hinter den Kulissen
Hauptkommissar Jens Hinrichs (Uwe Steimle) ermittelt hier in seinem 15. Fall – und erstmals an der Seite von Hauptkommissar Robert Dieckmann (Jürgen Schmidt). In den folgenden Filmen heißt Schmidts Figur dann Holm Diekmann.
Ursprünglich war die Folge als letzter Einsatz von Kurt Böwe in seiner Rolle als Kommissar Groth geplant. Weil der Schauspieler schwer erkrankte, wurden die Dreharbeiten zunächst verschoben. Nach Böwes Tod sprang Jürgen Schmidt ein, der eigentlich erst im nächsten Film dessen Nachfolge hätte antreten sollen. Auf das Fehlen von Groth geht der Film nur indirekt ein – was aus ihm geworden ist, wird nicht erzählt. Groths Enkelin Juliane (Gabriele Völsch) ist hier zum letzten Mal zu sehen.
Regie führte Hans-Erich Viet, der gemeinsam mit Edmund Grote auch das Drehbuch schrieb. Produziert wurde die 222. Folge der Reihe vom NDR. Die Erstausstrahlung erreichte eine Einschaltquote von 19,4 Prozent.
Besetzung
Hauptkommissar Jens Hinrichs – Uwe Steimle
Hauptkommissar Robert Dieckmann – Jürgen Schmidt
Beatrice Wiedemann, Tänzers Freundin – Katharina Schubert
Achim Tänzer, entflohener Betrüger – Oliver Korittke
Nina, Hinrichs’ Frau – Julia Richter
Lacleur, Kommunalpolitiker – Alexander May
Gesa Badenhorst
Marianne Barth
Klaus Bieligk
Chris – Volker Bogdan
Hubertus Hartmann
Illa Hedergott
Ingrid Hüffel
Wolfgang Kaven
Dr. Stuber – H. H. Müller
Manfred Möck
Gerhard Naujoks
Bortscheller – Anton Rattinger
Wolfer – Michael von Rospatt
Wolfgang Schenck
Jaecki, Obdachloser – Steffen Schult
Juliane Groth, Groths Enkelin – Gabriele Völsch
u. v. a.
Stab
Regie – Hans-Erich Viet
Drehbuch – Hans-Erich Viet, Edmund Grote
Produktion – Reiner Milker
Musik – Kambiz Giahi
Kamera – Johannes Anders
Schnitt – Wiebke Koester
Produktionsunternehmen – NDR








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