Kurz und knapp – darum geht’s

Mit weit über 90 Jahren hat Oma Kampnagel vom beschaulichen Leben in Volpe genug und will ihrem Leben ein Ende setzen – doch ihre letzte Fahrt im Oldtimer nimmt eine unerwartete Wendung: Sie erfasst einen Fußgänger, der seither nicht mehr weiß, wer er ist. Um dem Fremden seine Identität zurückzugeben, trommelt die resolute alte Dame ihre früheren Bekannten von der Polizei zusammen: Kalle Küppers, der in Volpe geblieben ist, den inzwischen in Wuppertal tätigen Sigi Möller und Gabi Bauer, die kurz vor dem Sprung zum BKA steht. Freiwillig hilft keiner der drei, denn Oma Kampnagel weiß von einer alten Vertuschung, die ihre Karrieren gefährden könnte. Und bald zeigt sich, dass der Mann ohne Gedächtnis eine bewegte Vergangenheit haben muss …

Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Mein letzter Wille“

Das Bergische Land, ein Paradies auf Erden – zumindest wenn man den Lokalpatrioten in Volpe glaubt. Oma Kampnagel jedoch, die die 90 längst hinter sich gelassen hat, mag nicht mehr. Während im Radio die Doors „The End“ spielen, macht sie sich ein letztes Mal zurecht, steigt in ihren offenen Oldtimer und hält mit hohem Tempo auf eine noch unfertige Autobahnbrücke zu. Doch bevor der Wagen in die Tiefe stürzen kann, läuft ihr ein Mann vor die Motorhaube. Beide landen im Krankenhaus, und der Fremde, ein Italiener, weiß seit dem Unfall nicht mehr, wer er ist. Die Verzweiflung darüber treibt ihn selbst an den Rand des Suizids – bis die alte Dame ihn davon abbringt und ihm verspricht, seine Vergangenheit für ihn aufzuspüren.

Die eigentliche Arbeit sollen allerdings andere erledigen. Im TV-Krimi „Mein letzter Wille“ erinnert sich die Seniorin an drei Polizisten, mit denen sie vor rund neun Jahren zu tun hatte und die inzwischen in alle Richtungen verstreut sind. Kalle Küppers hält als Einziger in Volpe die Stellung; aus dem einstigen Schürzenjäger ist ein Familienvater mit Zwillingen geworden, beruflich hat er es dagegen nicht weit gebracht. Sigi Möller ist mittlerweile Hauptkommissar in Wuppertal, und seine frühere Freundin Gabi Bauer steht unmittelbar vor dem Wechsel zum BKA – wo auch ihr neuer Partner Dieter Dissner Karriere macht.

Es ist der frühere Taubenzüchter August Plonner, der mit Gemeinderat Mühlbach inzwischen einen Versand für italienische Feinkost betreibt, der Gabi zurück nach Volpe holt. Dort sind auch Sigi und Kalle eingetroffen, und gemeinsam sehen sie sich eine Videobotschaft von Oma Kampnagel an. Ihr Auftrag: herausfinden, wer der Unbekannte ist, den alle nur „Mr. Nobody“ nennen. Damit niemand auf die Idee kommt abzulehnen, hat die alte Dame vorgesorgt. Drei Briefe liegen bereit, die ans Licht bringen könnten, wie die Polizisten ihr einst aus der Klemme halfen und dabei eine Straftat unter den Teppich kehrten. Gerade für Gabi, deren Beförderung ansteht, wäre das ein Desaster. Zähneknirschend fügt sich das Trio.

Mr. Nobody, der nur gebrochen Deutsch, dafür aber ausgezeichnet Italienisch spricht, zieht bei Oma Kampnagel ein und verliebt sich bald in ihre Nachbarin Amelie Neumann, ebenfalls Italienerin. Gabi nimmt seine Fingerabdrücke und lässt sie über Dissner beim BKA überprüfen. Doch je mehr die alten Kollegen über ihren Schützling erfahren, desto deutlicher wird: Ein unbeschriebenes Blatt ist der Mann ganz sicher nicht.

Zur selben Zeit zieht der inhaftierte Mafioso Michele Potazzi aus seiner Zelle heraus weiter die Fäden – und es sieht ganz danach aus, als solle bald jemand sterben. Als Unbekannte das Feuer eröffnen, entgeht Gabi nur knapp dem Tod, dabei galt der Anschlag eigentlich Amelie Neumann. Wenig später taucht Dissner, designierter BKA-Chef, in Volpe auf, um nach einem Auftragskiller der Mafia zu fahnden. Gabi rückt zunehmend von ihrem Freund ab und besinnt sich auf ihre alten Gefühle für Sigi, während die Ermittler sich fragen, auf welcher Seite Dissner eigentlich steht. Im WDR-Polizeiruf „Mein letzter Wille“ nehmen es die drei Freunde aus dem Bergischen Land schließlich gemeinsam mit einem Gegner auf, der für das verschlafene Volpe mehrere Nummern zu groß scheint – und Oma Kampnagels letzter Wille rückt in immer weitere Ferne …

Hinter den Kulissen

Mit „Mein letzter Wille“ verabschieden sich Sigi Möller (Martin Lindow) und Kalle Küppers (Oliver Stritzel) nach ihrem achten gemeinsamen Fall aus der Reihe. Die Folge war von Anfang an als Abschluss geplant und ist zugleich der letzte Polizeiruf des WDR, der sich künftig auf den „Tatort“ konzentrieren wollte. Ein Grund dafür: Andrea Sawatzki ermittelte seit 2001 im „Tatort“ des HR, und beide Reihen sollten getrennt bleiben; zudem waren die Einschaltquoten gesunken. Sawatzki, die sich nach dem sechsten Fall „Bruderliebe“ aus dem Drehbuch hatte schreiben lassen, kehrt als Gabi Bauer für das Finale zurück.

Inge Meysel, die Elisabeth Kampnagel bereits in den ersten drei Folgen der Reihe verkörpert hatte, steht im Abspann an erster Stelle – ein Novum bei den Möller-Küppers-Krimis. Es ist ihr letzter Filmauftritt; die Schauspielerin starb am 10. Juli 2004. Eingebaut sind Szenen in Schwarzweiß aus dem ersten, mit dem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichneten Fall „1A Landeier“. Die Drehbuchautoren Dirk Salomon und Thomas Wesskamp stehen als Mühlbach und Eppmann zudem selbst vor der Kamera.

Gedreht wurde vom 25. April bis zum 25. Mai 2003 in Brilon sowie in München und Umgebung. Bereits am 29. April 2004 lief der Film im Rahmen der Criminale im Goli-Theater in Goch. Die Erstausstrahlung verfolgten 5,22 Millionen Zuschauer, was einem Marktanteil von 16,5 Prozent entsprach.

Musik

The Doors – The End

Besetzung

Hauptkommissar Sigi Möller – Martin Lindow
Kalle Küppers, Polizist in Volpe – Oliver Stritzel
Kriminalbeamtin Gabi Bauer – Andrea Sawatzki
Elisabeth Kampnagel – Inge Meysel
Amelie Neumann, Kampnagels Nachbarin – Charlotte Schwab
Mr. Nobody – Francesco Salvi
August Plonner, Ex-Taubenzüchter – Andreas Kunze
Dieter Dissner, BKA-Beamter – Drago Ragutin
Vizepräsident des BKA – Luis Lamprecht
Klaus Welz – Franjo Marincic
Arzt – Lars Weström
Michele Potazzi, Mafioso – Giacinto Ferro
Guzzi – Marcantonio Moschettini
Gemeinderat Mühlbach – Dirk Salomon
Eppmann – Thomas Wesskamp
u. v. a.

Stab

Regie – Ulrich Stark
Drehbuch – Dirk Salomon, Thomas Wesskamp
Produktion – Veith von Fürstenberg
Musik – Birger Heymann
Kamera – Stefan Spreer
Schnitt – Manuela Kempf
Kostüm – Barbara Ehret
Filmbauten – Josef Sanktjohanser, Hans Zillmann
Produktionsunternehmen – Bavaria Film, im Auftrag des WDR