Kurz und knapp – darum geht’s

Mit der Vergangenheit seiner Familie will Kriminalhauptkommissar Jürgen Tauber eigentlich nichts mehr zu tun haben. Dann werden ihm drei Holzkisten aus Montevideo zugestellt, randvoll mit Militaria und anderem Material aus dem Zweiten Weltkrieg. Der Absender, ein gewisser Ferdinand Wittlich, ist dem Münchner Ermittler völlig unbekannt. Kurz darauf belagern ihn Sammler, allen voran Anwalt Thiel und der Journalist Schmitt, die beide hinter einem Aquarell vom Walchensee her sind. Gleichzeitig steht Taubers Schwester Eva vor der Tür und zwingt ihn, sich mit dem Vater auseinanderzusetzen, einem Pfarrer, dessen Rolle in der NS-Zeit nie geklärt wurde. Als Schmitt tot aufgefunden wird, fällt der Verdacht ausgerechnet auf Tauber selbst. Seine Kollegin Jo Obermaier will ihm helfen, doch er blockt jede Hilfe ab …

Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Vater unser“

Post aus Südamerika bekommt Jürgen Tauber nicht alle Tage, und schon gar nicht in solchen Mengen: Gleich drei Holzkisten aus Montevideo, der Hauptstadt Uruguays, werden dem Münchner Kriminalhauptkommissar zugestellt. Ihr Inhalt stammt aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Es ist ein kaum überschaubares Sammelsurium, darunter Militaria-Stücke von erheblichem Sammlerwert und ein Aquarell, das den Walchensee zeigt. Als Absender ist ein Ferdinand Wittlich vermerkt. Der Name sagt Tauber nichts, und warum ausgerechnet er diese Sendung erhält, kann er sich nicht erklären.

Lange bleibt die Lieferung nicht unbemerkt. Bald steht Taubers Telefon kaum noch still, weil Militaria-Sammler unablässig anrufen und wissen wollen, was der Polizist da bei sich lagert. Ein Stück hat es der Szene besonders angetan: das Aquarell vom Walchensee. In Kennerkreisen gilt das Bild als etwas ganz Besonderes, und um seine Bedeutung rankt sich ein Geheimnis, das vorerst niemand lüften will. Vor allem zwei Männer lassen nichts unversucht, um das Gemälde in die Hände zu bekommen: der Anwalt Thiel und der Journalist Schmitt. Je hartnäckiger die beiden werden, desto mehr fühlt sich der Kommissar in die Enge getrieben.

Dazu kommt ein Besuch, mit dem Tauber am allerwenigsten gerechnet hat. Seine Schwester Eva taucht auf, nachdem die Geschwister seit Jahren kein Wort miteinander gewechselt haben. Grund für das Zerwürfnis ist der gemeinsame Vater: Er war Offizier der Wehrmacht und später Pfarrer, doch welche Rolle er im Nationalsozialismus tatsächlich gespielt hat, liegt bis heute im Dunkeln. Tauber hat als junger Mann mit ihm gebrochen und ist nicht einmal zu seiner Beerdigung gegangen. Eva will sich mit dem Schweigen nicht länger abfinden. Für ihren Bruder, der die Familiengeschichte jahrelang beiseitegeschoben hat, beginnt eine Zeit, in der ihn die Vergangenheit von zwei Seiten zugleich einholt: hier die Schwester mit ihren unbequemen Fragen, dort die Sammler, die ihm keine Ruhe lassen.

Eines Nachts spitzt sich die Lage zu. Auf einer Eisenbahnbrücke lauert Schmitt dem Kommissar auf, um ihm das Aquarell abzuhandeln. Am nächsten Morgen liegt der Journalist tot an den Gleisen, und damit wechselt Tauber im BR-Polizeiruf „Vater unser“ unversehens die Seiten: Aus dem Ermittler wird ein Verdächtiger. Denn er ist in der Nacht genau dort gesehen worden, wo Schmitt ums Leben kam.

Für Jo Obermaier ist das eine schwierige Lage. Sie kennt ihren Kollegen lange genug, um ihm beistehen zu wollen, und bietet ihm ihre Unterstützung an. Doch im TV-Krimi „Vater unser“ macht Tauber es ihr alles andere als leicht: Er bockt, weist jede Hilfe zurück und will offenbar mit allem allein fertigwerden, ausgerechnet jetzt, da er Rückhalt dringender bräuchte als je zuvor …

Hinter den Kulissen

In „Vater unser“ ermittelt Edgar Selge zum zehnten Mal als Münchner Kommissar Jürgen Tauber. Für Michaela May ist es der siebte Einsatz als seine Kollegin Jo Obermaier. Die vom BR produzierte Folge ist die 258. der Krimireihe.

Diesmal steht die Familiengeschichte des Kommissars im Mittelpunkt. Franziska Walser spielt seine Schwester Eva, Nikolaus Paryla den Journalisten Schmitt und Stefan Hunstein den Rechtsanwalt Thiel. Adele Neuhauser ist als Forensikerin zu sehen, Martin Maria Abram als Staatsanwalt Peetz. Das Drehbuch schrieb Christian Jeltsch, Regie führte Bernd Schadewald.

Gedreht wurde vom 16. September bis zum 20. Oktober 2003 in München. Produzent war Uli Aselmann, umgesetzt wurde der Film von der Die Film GmbH im Auftrag des BR.

Besetzung

Jo Obermaier – Michaela May
Kriminalhauptkommissar Jürgen Tauber – Edgar Selge
Schmitt, Journalist – Nikolaus Paryla
Joseph Waller – Fritz Lichtenhahn
Rechtsanwalt Thiel – Stefan Hunstein
Forensikerin – Adele Neuhauser
Staatsanwalt Peetz – Martin Maria Abram
Tarik Yilmaz – Tayfun Bademsoy
Ferdinand Wittlich – Franz Bauchrowitz
Eva, Taubers Schwester – Franziska Walser
Sängerin – Mady Rahl
u. v. a.

Stab

Regie – Bernd Schadewald
Drehbuch – Christian Jeltsch
Produktion – Uli Aselmann
Musik – Martin Kälberer
Kamera – Helmut Pirnat
Schnitt – Anja von Rüxleben
Produktionsunternehmen – Die Film GmbH, im Auftrag des BR