Kurz und knapp – darum geht’s

Mitten in einer schlaflosen Nacht, die Hauptkommissar Jürgen Tauber wieder einmal im Büro verbringt, klingelt das Telefon: Eine junge Frau bezichtigt sich selbst, einen Mann namens Will Gérard tödlich verletzt zu haben. Doch in der Wohnung der Jurastudentin Floriane Engelhard, die sich Flo nennt, entdecken Tauber und seine Kollegin Jo Obermaier lediglich eine Blutspur, die im Nichts endet – ein Toter ist nirgends zu finden. Hat sich die Anruferin das Ganze nur ausgedacht? Je genauer sich das Münchner Duo Flos Leben ansieht, desto mehr Ungereimtheiten tauchen auf: ein Job, der nicht der ist, für den er ausgegeben wird, eine Webcam über dem Computer, schwierige Verhältnisse zum Chef und zur eigenen Mutter. Und Tauber hat längst mehr als nur ein dienstliches Auge auf die schöne Zeugin geworfen …

Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Der scharlachrote Engel“

An Schlaf ist für Jürgen Tauber auch in dieser Nacht nicht zu denken. Statt sich zu Hause von einer Seite auf die andere zu wälzen, sitzt der Hauptkommissar im Büro und vertreibt sich die dunklen Stunden mit einer ungewöhnlichen Beschäftigung: Er baut Eisenbahnerhäuschen. Die Ruhe endet abrupt, als das Telefon klingelt. Am anderen Ende meldet sich eine junge Frau, die sich Flo nennt – und die sich selbst anklagt. Sie könne, so sagt sie, einen gewissen Will Gérard tödlich verletzt haben.

Gemeinsam mit seiner Kollegin Jo Obermaier macht sich Tauber auf den Weg zur Wohnung der Anruferin. Tatsächlich stoßen die beiden dort auf Blut, doch die Spur bricht unvermittelt ab, und so gründlich die Kommissare auch suchen: Eine Leiche finden sie nicht. Hat Floriane Engelhard, wie die Jurastudentin mit bürgerlichem Namen heißt, die ganze Geschichte schlicht erfunden? Und falls ja – was könnte eine junge Frau dazu bringen, sich eines Verbrechens zu bezichtigen?

Die beiden Ermittler blicken dabei recht unterschiedlich auf ihre Zeugin. Während Tauber vor allem die Schönheit der jungen Frau ins Auge sticht, bleibt Obermaier nüchtern. Ihrem geschulten Blick entgeht ein Detail nicht, das so gar nicht zum Bild der braven Studentin passen will: Über dem PC in Flos Wohnung ist eine Webcam installiert. Wofür sie die braucht, bleibt zunächst offen.

Die weiteren Recherchen im Polizeiruf 110 „Der scharlachrote Engel“ fördern noch mehr Überraschungen aus Flos Leben zutage. Angeblich jobbt sie als Fremdenführerin bei der Firma „Munich Travelgroup“ – in Wahrheit aber verdient sie ihr Geld als geheimnisvoller „Angel“. Was genau sich dahinter verbirgt, müssen Tauber und Obermaier erst herausfinden. Kompliziert ist zudem Flos Verhältnis zu ihrem Chef Hendrik Elling, und auch zwischen ihr und ihrer Mutter scheint einiges im Argen zu liegen. Wer ist diese junge Frau, die einerseits so verletzlich wirkt und andererseits ein Doppelleben führt, wirklich?

Dann geschieht etwas, womit niemand gerechnet hat: Der Mann, den alle für tot gehalten haben, taucht plötzlich wieder auf. Will Gérard lebt – und er weiß sich zu wehren. In einer Gerichtsverhandlung steht ihm seine Anwältin von Martens zur Seite, und auch Marie Böhm, die Mutter seines Kindes, sagt aus. Mit ihrer Hilfe gelingt es Gérard, dem Verfahren eine völlig unerwartete Richtung zu geben, sodass Staatsanwältin und Richterin bald nicht mehr weiterwissen.

Für die beiden Kommissare im TV-Krimi „Der scharlachrote Engel“ ist die Sache damit allerdings keineswegs erledigt. Denn das Urteil, das am Ende dieses Prozesses steht, wird ausgerechnet für Tauber und Obermaier gravierende Folgen haben …

Hinter den Kulissen

„Der scharlachrote Engel“ ist die 263. Folge der Reihe und der zwölfte Fall für den Münchner Hauptkommissar Jürgen Tauber (Edgar Selge). Seine Kollegin Jo Obermaier (Michaela May) ermittelt zum neunten Mal an seiner Seite. In der Rolle der Floriane „Flo“ Engelhard ist Nina Kunzendorf zu sehen, Martin Feifel spielt Will Gérard.

Regie führte Dominik Graf, das Drehbuch stammt von Günter Schütter. Produziert wurde der Film von MTM Medien & Television München im Auftrag des Bayerischen Rundfunks, für die Produktion zeichnete Gloria Burkert verantwortlich. Hinter der Kamera stand Alexander Fischerkoesen, die Musik komponierten Sven Rossenbach und Florian van Volxem.

Die Folge wurde mit dem Adolf-Grimme-Preis mit Gold ausgezeichnet, den Drehbuchautor Günter Schütter, Regisseur Dominik Graf sowie die Schauspieler Michaela May, Edgar Selge und Nina Kunzendorf erhielten. Beim Deutschen Fernsehpreis 2005 gab es zudem eine Auszeichnung in der Kategorie „Beste Krimi-Reihe“.

Besetzung

Kommissarin Jo Obermaier – Michaela May
Hauptkommissar Jürgen Tauber – Edgar Selge
Floriane „Flo“ Engelhard, Jurastudentin – Nina Kunzendorf
Will Gérard – Martin Feifel
Rechtsanwältin von Martens – Claudia Messner
Staatsanwältin – Mona Seefried
Richterin – Hildegard Kuhlenberg
Marie Böhm – Ursula Gottwald
Hendrik Elling, Flos Chef – Filip Peeters
Ina Mai – Anka Lea Sarstedt
Mutter Engelhard – Elisabeth Rath
Polizeibeamter – Wilfried Labmeier
Phantomzeichner – Ljubisa Ristic
Polizeibeamter – Martin Walch
Leopold Hornung
Christoph Gareisen
Claudia Sofie Jelinek
Transvestit – Joram Voelklein
Amerikaner im Amerika-Haus – David Michael Williamson
Ludo Vici
u. v. a.

Stab

Regie – Dominik Graf
Drehbuch – Günter Schütter
Produktion – Gloria Burkert
Musik – Sven Rossenbach, Florian van Volxem
Kamera – Alexander Fischerkoesen
Schnitt – Ulla Möllinger
Produktionsunternehmen – MTM Medien & Television München, im Auftrag des BR