Kurz und knapp – darum geht’s

Ein einziger fehlerhafter Betonträger hat das Leben von Gernot Siebenkorn aus den Angeln gehoben: Seit dem Unfall auf der Baustelle ist der Bauarbeiter blind. Mit Hilfe seiner Frau Marion und der ebenfalls blinden Anna Möller lernt er mühsam, sich in der Dunkelheit zurechtzufinden. Doch dann zerbricht auf einer Baustelle erneut ein Podestbalken, und wieder wird ein Arbeiter verletzt. Oberleutnant Hübner und Leutnant Schimpf von der Kriminalpolizei stellen fest, dass die Bauteile Fälschungen waren – nur will niemand wissen, woher sie stammen. Siebenkorn hat einen eigenen Verdacht und hält ihn in Blindenschrift fest. Ihn bei der Polizei auszusprechen, bringt er jedoch nicht über sich, denn der Mann, gegen den er sich richtet, ist ausgerechnet sein Freund Erwin Kampe …

Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Auskünfte in Blindenschrift“

Ein Bauteil, auf das sich alle verlassen, gibt plötzlich nach: Auf einer Baustelle zerbricht ein Podestbalken, Teile des Gebäudes stürzen ein und begraben einen Arbeiter unter sich. Für Oberleutnant Jürgen Hübner und Leutnant Michael Schimpf ist das kein gewöhnlicher Betriebsunfall, denn ein solches Unglück hat es schon einmal gegeben. Damals traf es Gernot Siebenkorn. Er überlebte, hat aber seither sein Augenlicht verloren.

Seitdem muss sich Siebenkorn in einem Leben zurechtfinden, das ihm von Grund auf fremd geworden ist. Halt geben ihm vor allem seine Frau Marion und Anna Möller, die selbst blind ist und ihm zeigt, wie sich der Alltag ohne Sehvermögen bewältigen lässt. Stück für Stück holt er sich im DDR-Polizeiruf „Auskünfte in Blindenschrift“ etwas von seinem alten Leben zurück: Er greift wieder zur Gitarre, lernt, auf einer speziellen Maschine Blindenschrift zu schreiben, und tastet sich langsam auch an das Lesen heran. Ein mühsamer Weg, den er nur Schritt für Schritt gehen kann.

Unterdessen versuchen die Kriminalisten herauszufinden, woher die maroden Bauteile kommen. Im Betonwerk werden sie nicht fündig, denn dort haben die Podestbalken das Gelände nachweislich geprüft verlassen. Was auf den Baustellen eingebaut wurde, waren Fälschungen: Die Bewehrungsstäbe wurden zu kurz gegossen, die Kontrollnummern manipuliert. Wer die Teile hergestellt hat, will allerdings niemand wissen – weder im Werk noch in den Zwischenlagern. Hübner und Schimpf stoßen überall nur auf Achselzucken.

Zu den regelmäßigen Besuchern bei den Siebenkorns gehört Erwin Kampe, Gernots Freund und Kollege. Er betreibt gleich neben dessen Wohnung ein Lager für Bauelemente. Kampe kümmert sich um den Erblindeten, schaut häufig vorbei und bringt Geschenke mit. In seinem Lager häufen sich derweil die Schwierigkeiten: Zweimal kurz hintereinander wird dort eingebrochen, unter anderem verschwinden Sanitäreinrichtungen im Wert von mehr als 40.000 Mark.

Dann liegt eines Tages ein Umschlag im Briefkasten, darin 1000 Mark und kein Absender. Für Gernot ist das Geld kein Grund zur Freude. Es nährt vielmehr einen Verdacht, den er bislang nicht offen aussprechen mochte, zu sehr war er mit sich selbst beschäftigt: Ist er womöglich nicht einem bloßen Unglück, sondern einer groß angelegten Schieberei zum Opfer gefallen? Ab und zu hat er für Kampe schwarzgearbeitet, und je länger er grübelt, desto schwerer wiegen seine Zweifel. Er vertraut sie dem Papier an, Zeichen für Zeichen in Blindenschrift. Als Kampe sich obendrein Marion auf zudringliche Weise nähert, weist sie ihn empört zurück. Gernots Aufzeichnungen könnten den Ermittlern im Polizeiruf 110 „Auskünfte in Blindenschrift“ entscheidend weiterhelfen – doch dafür müsste er einen Freund verraten …

Hinter den Kulissen

„Auskünfte in Blindenschrift“ ist die 82. Folge der Reihe Polizeiruf 110. Für Oberleutnant Jürgen Hübner (Jürgen Frohriep) ist es bereits der 39. Fall, an seiner Seite ermittelt Leutnant Michael Schimpf (Michael Pan). Dieter Mann spielt den erblindeten Bauarbeiter Gernot Siebenkorn, Renate Geißler seine Frau Marion. Christine Schorn ist als Anna Möller zu sehen, Dietrich Körner als Erwin Kampe.

Marijam Agischewa hat einen Auftritt als Krankenschwester Marta – eine Rolle, die sie bereits im Film „Marta, Marta“ verkörpert hatte.

Regie führte Peter Vogel, der gemeinsam mit Jens Bahre auch das Drehbuch schrieb. Produziert wurde der Krimi von der DEFA im Auftrag des Fernsehens der DDR. Die Dreharbeiten fanden vom 20. April bis zum 20. Juli 1982 in Berlin statt. Die Kostüme entwarf Dorit Gründel, die Filmbauten stammen von Werner Pieske. Bei der Erstausstrahlung lag die Zuschauerbeteiligung bei 51,2 Prozent.

Besetzung

Oberleutnant Jürgen Hübner – Jürgen Frohriep
Leutnant Michael Schimpf – Michael Pan
Gernot Siebenkorn, Bauarbeiter – Dieter Mann
Marion Siebenkorn, Gernots Frau – Renate Geißler
Anna Möller – Christine Schorn
Erwin Kampe, Gernots Freund und Kollege – Dietrich Körner
Marta, Krankenschwester – Marijam Agischewa
Werkleiter – Eckhard Becker
Transportleiter – Hans-Peter Reinecke
Bauleiter – Carl-Hermann Risse
TKO Leiter – Fritz Bartholdt
Ärztin – Christine Harbort
Hauptbuchhalter – Hans-Gerd Sonnenburg
Kriminalist – Toni Hartl
LKW-Fahrer – Rudolf Goßing
Materialökonom – Hans-Joachim Brieske
Betriebsschutzfrau – Rose Becker
Beifahrer – Klaus Tilsner
Kellnerin im Café – Ute Lath
Kellnerin in der Gaststätte – Claudia Schmutzler
u. v. a.

Stab

Regie – Peter Vogel
Drehbuch – Peter Vogel, Jens Bahre
Produktion – Hans-Erich Busch
Musik – Hermann Anders
Kamera – Günter Jaeuthe
Schnitt – Brigitte Koppe
Kostüm – Dorit Gründel
Filmbauten – Werner Pieske
Produktionsunternehmen – DEFA, im Auftrag von Fernsehen der DDR