Kurz und knapp – darum geht’s

Ein nächtlicher Überfall auf ein Postamt ist der allererste Fall für Oberleutnant Peter Fuchs und Leutnant Vera Arndt: 70.000 Mark fehlen im Tresor, die junge Schalterbeamtin Lisa Murnau schwebt in Lebensgefahr, und ihr Bekannter Harry Wolter, der niedergeschlagen neben ihr gefunden wird, kann sich an nichts erinnern. Weil nirgends eingebrochen wurde, muss Lisa den Täter selbst hereingelassen haben – und an Männern, die um die geschiedene Frau werben, herrscht kein Mangel. Da ist der verheiratete Bäckermeister Retzlaff, ein verschuldeter Schausteller vom Rummelplatz nebenan und ein gewisser Rudi, den die Polizei nur als Stimme am Telefon kennt. Und jeder von ihnen scheint etwas zu verheimlichen …

Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Der Fall Lisa Murnau“

Postamt und Rummelplatz liegen in direkter Nachbarschaft, doch nach Lisa Murnaus Nachtdienst ist es mit jeder Unbeschwertheit vorbei: Als der Leiter des Postamts morgens zum Dienst erscheint, ist der Tresor ausgeräumt – rund 70.000 Mark sind geraubt. Die junge Schalterbeamtin wurde niedergeschlagen und kommt mit lebensgefährlichen Verletzungen ins Krankenhaus. Neben ihr im Dienstraum finden die Ermittler einen zweiten Mann: Harry Wolter, Lisas Bekannter, ebenfalls niedergeschlagen und noch dazu angetrunken. Wie er in die Post gelangt ist und was in der Nacht geschah, kann er nicht sagen – an den Tathergang fehlt ihm jede Erinnerung.

Für Oberleutnant Peter Fuchs und seine Assistentin, Leutnant Vera Arndt, wirft der Tatort im TV-Krimi „Der Fall Lisa Murnau“ gleich mehrere Fragen auf. Keine Tür der Postfiliale wurde aufgebrochen, Spuren eines gewaltsamen Eindringens fehlen völlig. Lisa muss den Täter also selbst hereingelassen haben; geflohen ist er durch die Hintertür, in der von innen noch der Schlüssel steckt. Das spricht für jemanden aus ihrem Umfeld, und damit gerät zunächst Harry ins Zwielicht: Er kannte die Postangestellte, und für seine Anwesenheit am Tatort hat er keine Erklärung. Der junge Mann seinerseits zeigt mit dem Finger auf einen anderen.

Er bezichtigt Paul Retzlaff, einen Bäckermeister, der zwar verheiratet ist, Lisa aber unentwegt nachstellt. Doch Retzlaff ist längst nicht der einzige Kandidat. Seit ihrer Scheidung hat die Schalterbeamtin einige Verehrer, und so ist der Kreis derer, die für das Verbrechen in Frage kommen, alles andere als klein.

Da wäre etwa Schausteller Proll vom Rummel nebenan, der vor wenigen Tagen am Schalter mit Lisa flirtete und für seinen Oldtimer einen Käufer sucht. Ein Geschäft mit dem Wagen hat ihn in finanzielle Schwierigkeiten gebracht, und nun sitzen ihm seine Gläubiger im Nacken. Auch der biedere Postamtmann Albrecht, den Lisa bei der Schicht abgelöst hat, hätte durchaus Verwendung für das Geld: Sein bestellter Wagen ist da und muss bezahlt werden, sonst verfällt die Bestellung.

Bleibt noch ein Mann, den Fuchs und Arndt bislang nur als Stimme am Telefon kennen: Ein gewisser Rudi meldet sich auf der Post und möchte sich mit Lisa verabreden. Wer hinter dem Anrufer steckt, ist zunächst offen. Zu allem Überfluss hält offensichtlich jeder in diesem Reigen aus Verehrern und Verdächtigen etwas zurück – entsprechend zäh kommen die Ermittlungen im Polizeiruf 110 „Der Fall Lisa Murnau“ voran.

Erst ein Zufallsfund bringt Schwung in die Sache: Beim Spielen stoßen Kinder in einer Drainageröhre ganz in der Nähe des Tatorts auf das gestohlene Geld. Fuchs und Arndt wollen den Fund nutzen, um dem Täter eine Falle zu stellen. Unweit des Verstecks lassen sie Bauarbeiten vortäuschen, die den Verbrecher dazu bewegen sollen, seine Beute zu bergen. Jetzt beginnt das Warten darauf, dass er den Köder schluckt …

Hinter den Kulissen

Mit „Der Fall Lisa Murnau“ beginnt die Geschichte des Polizeiruf 110: Der Schwarz-Weiß-Film ist die erste Folge der Krimireihe und zugleich der erste gemeinsame Fall von Oberleutnant Peter Fuchs (Peter Borgelt) und Leutnant Vera Arndt (Sigrid Göhler). Anders als in späteren Folgen siezen sich die beiden hier noch.

Entstanden ist der Film kurzfristig im Zuständigkeitsbereich von Hans-Jürgen Faschina, Chefdramaturg der Abteilung „Gegenwart“ in der Hauptabteilung „Fernsehkunst“, der gemeinsam mit Regisseur Helmut Krätzig auch das Drehbuch schrieb. Die neue Reihe sollte sich in ihrer Grundausrichtung auch mit alltagspolitischen Themen der DDR befassen. Krätzig hatte zuvor bereits Folgen der Kriminalreihe „Blaulicht“ inszeniert; in einer kleinen Rolle als Mann am Postschalter ist er auch selbst zu sehen.

Gedreht wurde vom 12. April bis zum 30. Mai 1971 in Wernsdorf. Für die Kostüme war Ruth Karge verantwortlich, die Filmbauten stammen von Christoph Lindemann.

Besetzung

Oberleutnant Peter Fuchs – Peter Borgelt
Leutnant Vera Arndt – Sigrid Göhler
Leutnant Rüdiger – Klaus-Jürgen Steinmann
Lisa Murnau, Schalterbeamtin – Petra Hinze
Rudolf Murnau – Heinz-Dieter Knaup
Harry Wolter – Ingolf Gorges
Paul Retzlaff, Bäckermeister – Hans-Peter Reinecke
Karla Retzlaff – Gisela Büttner
Klaus-Jürgen Proll, Schausteller – Klaus Manchen
Postamtmann Albrecht – Hans Lucke
Frau Wolter – Brigitte Lindenberg
Fräulein Werther – Solveig Müller
Burmeier – Wilhelm Gröhl
Kollege – Johannes Maus
Postangestellte – Brigitte Krause
Vermessungsingenieur – Roger Zerath
Kriminalist – Klaus Nietz
Arzt – Eckhard Bilz
Mann am Postschalter – Helmut Krätzig
Schausteller – Erich Giesa
u. v. a.

Stab

Regie – Helmut Krätzig
Drehbuch – Helmut Krätzig, Hans-Jürgen Faschina
Produktion – Rainer Crahé
Musik – Wolfgang Pietsch
Kamera – Manfred Marderwald
Schnitt – Susanne Carpentier
Produktionsunternehmen – Fernsehen der DDR