Kurz und knapp – darum geht’s

Ein kalter Januartag in Berlin: Der siebenjährige Marko Herzog will mit einem Freund ins Kino und kommt nie wieder nach Hause. Eltern und Polizei suchen tagelang vergeblich nach dem Jungen, bis an einer Bahnstrecke ein Koffer auftaucht – darin der leblose Körper des Kindes. Für Hauptmann Günter Beck und Leutnant Thomas Grawe beginnt eine zermürbende Jagd, denn die Gerichtsmedizin stellt fest, dass Marko sexuell missbraucht wurde, und alles deutet darauf hin, dass der Täter erneut zuschlagen könnte. Die Spurenlage ist dürftig. Übrig bleiben ein paar Textilfasern und die Zeitungsseiten, mit denen der Koffer ausgestopft war – und auf etlichen davon hat jemand Kreuzworträtsel gelöst …

Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Der Kreuzworträtselfall“

Ein ganz gewöhnlicher Donnerstag im Januar 1987, und doch wird er für die Familie Herzog zum Albtraum. Der siebenjährige Marko hat sich mit seinem Freund verabredet, auf dem Kinoprogramm steht „Ronja Räubertochter“. Die Mutter bleibt allerdings hart: Erst wird zu Mittag gegessen, dann sind die Hausaufgaben dran. Anschließend soll der Junge zusammen mit seiner Schwester losziehen und unterwegs beim Optiker noch eine Brille abholen. Weil ihm das Warten dort zu lange dauert, macht sich Marko kurzerhand allein auf den Weg – und verschwindet spurlos.

Als es dunkel wird und der Junge noch immer nicht zurück ist, gehen die Eltern auf die Suche. Schnell stellt sich heraus, dass ihr Sohn das Kino nie betreten hat. Die Herzogs melden ihn als vermisst, in den Krankenhäusern wird nachgefragt, eine großangelegte Fahndung läuft an. Doch heftiger Schneefall macht den Suchtrupps einen Strich durch die Rechnung, und so bleibt jede Mühe ohne Ergebnis. Erst als das Tauwetter einsetzt, wird an einer Bahnstrecke ein Koffer gefunden. Darin liegt, steif gefroren, die Leiche des Kindes.

Was Hauptmann Günter Beck und Leutnant Thomas Grawe von der Gerichtsmedizin erfahren, ist kaum zu ertragen: Marko wurde vor seinem Tod sexuell missbraucht. Und das Spurenbild lässt befürchten, dass der Täter jederzeit ein weiteres Mal zuschlagen könnte. Entsprechend groß ist der Druck auf die Kriminalisten im Polizeiruf 110 „Der Kreuzworträtselfall“, entsprechend mager die Ausbeute an Hinweisen: Fasern einer weitverbreiteten Decke und die Zeitschriftenseiten, mit denen der Koffer ausgepolstert war. Auf vielen davon sind Kreuzworträtsel ausgefüllt.

Zunächst setzen die Ermittler auf bewährte Methoden. Sämtliche vorbestraften Sexualstraftäter werden überprüft und vernommen, doch keiner von ihnen kommt ernsthaft infrage. Auch ihre Handschriften haben mit den markanten Buchstaben in den Rätseln nichts gemein. Eine Sackgasse – und plötzlich sind die gelösten Kreuzworträtsel der letzte Strohhalm, an den sich Beck und Grawe klammern können.

Grawe will diese Spur nicht kampflos aufgeben und beschließt, die Schriftvergleiche gewaltig auszuweiten. Dafür holt er sich mit Eberhard Aust einen Schriftsachverständigen ins Team, der eigentlich schon den Ruhestand vor Augen hat, sich aber noch einmal in die Pflicht nehmen lässt. Schließlich zieht auch Beck mit. Was nun im DDR-Krimi „Der Kreuzworträtselfall“ in Gang kommt, ist eine Suchaktion von ungeahnten Ausmaßen: Ein Kreuzworträtselwettbewerb wird ausgeschrieben, rund 12.000 Einsendungen landen bei der Kripo. Kinder sammeln in den Wohngebieten Altpapier, und Abschnittsbevollmächtigte klingeln an Tür um Tür, um die Bewohner um Schriftproben zu bitten.

Doch die Monate vergehen, im Februar wird Marko beigesetzt, und während die Berge aus Zeitungspapier und Formularen immer weiter wachsen, zeichnet sich kein Treffer ab. Mit jedem Tag ohne Ergebnis nagt an den Ermittlern die Sorge, dass der Unbekannte längst nach seinem nächsten Opfer Ausschau hält …

Hinter den Kulissen

Für Leutnant Thomas Grawe (Andreas Schmidt-Schaller) ist es bereits der 15. Fall, Hauptmann Günter Beck (Günter Naumann) gibt hier dagegen seinen Einstand. Ebenfalls zum ersten Mal mit von der Partie ist Major Jäger (Werner Godemann). Den Schriftexperten Eberhard Aust spielt Harry Merkel.

Die Folge geht auf ein reales Verbrechen zurück, das als „Kreuzworträtselmord“ bekannt wurde: Am 15. Januar 1981 verschwand in Halle-Neustadt ein siebenjähriger Junge, der ins Kino wollte. Zwei Wochen später stieß ein Streckenläufer der Deutschen Reichsbahn an einem Bahndamm zwischen Halle und Leipzig auf einen Koffer mit seiner Leiche. Er war mit zerknüllten Zeitungen gefüllt, auf denen zum Teil Kreuzworträtsel gelöst worden waren. Die folgende Fahndung suchte ihresgleichen: Hunderte Polizisten und freiwillige Helfer sammelten Schriftproben, Pioniere durchkämmten Altpapier, insgesamt wurden 551.198 Schriftproben ausgewertet. Für den Film verlegte man die Handlung nach Berlin.

Gedreht wurde vom 15. Dezember 1987 bis Februar 1988 in Berlin-Marzahn sowie in Kühlungsborn an der Ostsee. Bei der Erstausstrahlung im Fernsehen der DDR lag die Zuschauerbeteiligung bei 54,7 Prozent; seither wurde die Folge mehr als dreißigmal wiederholt.

Besetzung

Hauptmann Günter Beck – Günter Naumann
Leutnant Thomas Grawe – Andreas Schmidt-Schaller
Major Jäger – Werner Godemann
Eberhard Aust, Schriftexperte – Harry Merkel
Staatsanwalt Ebert – Wilfried Pucher
Hauptmann Peter Fuchs – Peter Borgelt
Stefan Winkelmeyer – Torsten Ranft
Katrin Schröder – Annette Gleichmann
Simone Herzog, Markos Mutter – Karin Düwel
Siegfried Herzog, Markos Vater – Günter Junghans
Marko Herzog – René Mittag
Ivon Herzog – Anja Rost
Frau Winkelmeyer – Annelene Hischer
Herr Winkelmeyer – Rudolf Ulrich
Frau Schröder – Waltraut Kramm
Frau Grawe – Marina Erdmann
Frau Aust – Ingrid Rentsch
Streckenläufer – Ernst-Georg Schwill
Psychologe – Victor Deiß
Pathologe – Manfred Müller
ABV Schmidts – Erik Veldre
Buckliger Rudolf – Axel Werner
Meister – Arnim Mühlstädt
Textildirektor – Achim Petry
Kriminalist – Jörg Hengstler
Kind – Manuel Schacht
Kind – Oliver Greisbach
Kati Grawe – Mandy Herguth
u. v. a.

Stab

Regie – Thomas Jacob
Drehbuch – Thomas Jacob, Gabriele Gabriel
Produktion – Erich Biedermann
Musik – Arnold Fritzsch
Kamera – Horst Klewe
Schnitt – Marion Fiedler
Produktionsunternehmen – Fernsehen der DDR