Kurz und knapp – darum geht’s

Auf einer Brücke löst sich ein Rad, ein Kleinwagen kracht in einen Lkw – und für Hauptmann Peter Fuchs beginnt die Suche nach dem Verantwortlichen. Belastet wird der 14-jährige Markus Seifert, und zwar ausgerechnet von seinem Freund Jürgen Gruber: Markus soll die Radmuttern am Auto des Journalisten Huber gelockert haben. Doch noch ehe Fuchs Klarheit gewinnt, bricht der nächste Ernstfall über ihn herein. Jürgens Vater, Fleischermeister Hermann Gruber, hat bei der Trauerfeier für den Großvater kräftig zugelangt und setzt sich trotzdem ans Steuer. Mit Frau und Sohn im Wagen wird die Heimfahrt zur Raserei, und der Mann am Lenkrad denkt gar nicht daran, sich von der Polizei stoppen zu lassen …

Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Amoklauf“

Manchmal genügen ein paar Umdrehungen an der falschen Stelle für eine Katastrophe: Mitten auf einer Brücke löst sich bei einem Kleinwagen ein Rad, der Wagen gerät außer Kontrolle und stößt mit einem Lkw zusammen. Am Steuer saß der Journalist Huber. Er kommt mit einem Beinbruch davon, doch bis er wieder ganz genesen ist, werden drei Monate vergehen. Für Hauptmann Peter Fuchs stellt sich schnell die Frage, ob sich das Rad wirklich von allein gelöst hat.

Eine Aussage bringt Bewegung in die Ermittlungen: Der Jugendliche Jürgen Gruber zeigt mit dem Finger auf seinen Freund, den 14-jährigen Markus Seifert. Der Junge soll sich an den Radmuttern von Hubers Auto zu schaffen gemacht haben – an dem Wagen eines Mannes, der mit den beiden Freunden in Nachbarschaft lebt. Hat Markus tatsächlich einen Unfall mit derart schweren Folgen verursacht? Fuchs hat noch längst nicht alle Antworten beisammen, als ihn am selben Tag der nächste Fall einholt.

Für die Familie Gruber steht an diesem Nachmittag ein schwerer Gang an: Jürgen begleitet seine Eltern Hermann und Hilde zur Beerdigung des Großvaters. Auch Hermanns Bruder Siegfried ist mit seiner Frau Waltraud zur Trauerfeier erschienen – von brüderlicher Eintracht kann allerdings keine Rede sein. Hermann ist wie einst der Vater Fleischer geworden, Siegfried dagegen hat studiert und verdient sein Geld als Ingenieur. Für den Fleischermeister ist das ein alter Stachel, und er lässt keine Gelegenheit aus, dem Bruder vorzuhalten, er sei sich zu fein, um sich die Finger schmutzig zu machen.

Im TV-Krimi „Amoklauf“ wird aus dem stillen Abschied bald ein peinliches Schauspiel. Hermann trinkt maßlos, und je mehr Alkohol fließt, desto lauter prahlt er mit dem, was sein Vater im Zweiten Weltkrieg getan hat. Betreten verabschieden sich die meisten Gäste, auch Siegfried und Waltraud brechen auf. Hermann aber hat noch lange nicht genug – und sein Sohn Jürgen leistet ihm beim Weitertrinken Gesellschaft.

Als es schließlich um den Heimweg geht, besteht der Fleischermeister darauf, die Familie selbst nach Hause zu fahren. Hilde weigert sich, in den Wagen zu steigen, und macht sich lieber zu Fuß auf den Weg. Doch Widerspruch duldet ihr Mann nicht: Am Ende zwingt er sie, doch mitzufahren. Damit beginnt eine Fahrt, die Hauptmann Fuchs im Polizeiruf 110 „Amoklauf“ ein zweites Mal mit einem schweren Verkehrsunfall konfrontiert. Und wer sich Hermann Gruber in den Weg stellt, bekommt seine ganze Rücksichtslosigkeit zu spüren …

Hinter den Kulissen

„Amoklauf“ ist die 120. Folge der Krimireihe Polizeiruf 110, für Hauptmann Peter Fuchs (Peter Borgelt) ist es bereits der 72. Fall. Im Mittelpunkt steht die Familie Gruber mit Fleischermeister Hermann Gruber (Günter Junghans), seiner Frau Hilde (Barbara Dittus) und Sohn Jürgen (Bernd Michael Lade); den 14-jährigen Markus Seifert spielt Holger Schwarz.

Regie führte Wolfgang Hübner, der zudem in einer kleinen Rolle als Streifenführer zu sehen ist, das Drehbuch stammt von Eberhard Görner. Produziert wurde der Film von der DEFA im Auftrag des Fernsehens der DDR. Die Dreharbeiten fanden vom 15. Oktober bis zum 15. Dezember 1987 in Berlin, Potsdam, Mittenwalde und Belzig statt. Für die Kostüme war Ines Fritsche verantwortlich, die Filmbauten stammen von Heike Bauersfeld.

Beim Trauergottesdienst erklingt eine Vertonung des Gedichts „Geht nun hin und grabt mein Grab“ von Ernst Moritz Arndt. Die Erstausstrahlung im 1. Programm des Fernsehens der DDR erreichte eine Zuschauerbeteiligung von 46,3 Prozent.

Besetzung

Hauptmann Peter Fuchs – Peter Borgelt
Hermann Gruber, Fleischermeister – Günter Junghans
Hilde Gruber – Barbara Dittus
Jürgen Gruber – Bernd Michael Lade
Waltraud Gruber – Karin Gregorek
Siegfried Gruber – Werner Tietze
Markus Seifert – Holger Schwarz
Herr Seifert – Horst Rehberg
Frau Seifert – Renate Heymer
Herr Huber, Journalist – Dieter Zöllter
Mitarbeiter der K – Peter Cwielag
Diensthabender – Erik Veldre
Pfarrer – Bernd Stichler
Taxifahrer – Roland Seidler
Trabantfahrer – Dietmar Obst
LKW-Fahrer – Gerd Funk
LKW-Beifahrer – Gerd Blahuschek
Sekretärin der K – Iris Bohnau
Schutzpolizist – Frank Ciazynski
VP-Fahrer – Rainer Doering
Genosse beim ODH – Wolfgang Flieder
VP-Kradfahrer – Peter Friedrichson
Streifenpolizist – Roman-Eckhard Galonska
LKW-Fahrer – Dieter Gellenthin
Frau Hallmann – Thea Schmidt-Keune
Mädchen – Anja Kling
Genosse beim ODH – Jörg Knochée
Streifenpolizist – Werner Kos
Ältere Dame – Gertraud Last
Streifenführer – Stefan Martin Müller
Leiter der Schutzpolizei – Joachim Pape
Streifenführer – Michael Engel
Genosse beim ODH – Andreas Rüdiger
Streifenführer – Wolfgang Hübner
Schutzpolizist – Dieter Schindelhauer
Wirtin – Erdmute Schmidt-Christian
VP-Kradfahrer – Torsten Bauer
u. v. a.

Stab

Regie – Wolfgang Hübner
Drehbuch – Eberhard Görner
Produktion – Irene Ikker
Musik – Conny Bauer
Kamera – Otto Hanisch
Schnitt – Brigitte Koppe
Kostüme – Ines Fritsche
Filmbauten – Heike Bauersfeld
Produktionsunternehmen – DEFA im Auftrag des Fernsehens der DDR