Kurz und knapp – darum geht’s

Rätselhafter Tod in Nürnberg: Rosa Büscher, Ehefrau des Holzfabrikanten Peter Büscher, wird tot in ihrer Wohnung gefunden. Die Obduktion ergibt eine Vergiftung, doch welche Substanz in ihrem Körper steckt, kann nicht einmal die Pathologin Lilo Schüller sagen. Kommissar Ulf Maiwald hat sich schnell auf den jähzornigen Ehemann eingeschossen, zumal die Nachbarn von einem heftigen Streit berichten. Um mehr über die Tote zu erfahren, holt er die Psychologin Dr. Silvia Jansen ins Boot, die Rosa einst wegen Bulimie behandelt hat. Dann sorgt die Testamentseröffnung für eine handfeste Überraschung: Das beträchtliche Vermögen geht nicht an den Ehemann. Es fällt an Professor Rudolf Fischer, in dessen „Vitapark“ Rosa mehrfach zur Kur war …

Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Im Netz der Spinne“

Ein Gift, das sich keinem bekannten Stoff zuordnen lässt – und das mitten in Nürnberg: Rosa Büscher, Ehefrau des Holzfabrikanten Peter Büscher, wird leblos in ihrer Wohnung aufgefunden. Zunächst deutet wenig auf ein Verbrechen hin. Pathologin Dr. Lilo Schüller geht nach der ersten Untersuchung von Herzversagen aus, also von einem natürlichen Tod. Erst bei der Obduktion zeigt sich, dass die Frau vergiftet worden sein muss. Doch womit? Die Substanzen, die Lilo in Rosas Körper nachweist, passen in kein bekanntes Schema. Die erfahrene Medizinerin ist mit ihrem Latein am Ende, und Kommissar Ulf Maiwald von der Nürnberger Mordkommission geht es nicht anders.

Einen Verdächtigen hat Maiwald trotzdem schnell ausgemacht. Nachbarn berichten von einem lautstarken Streit in der Wohnung der Büschers, und der Witwer gilt als jähzornig. Für den Kommissar, der ohnehin nur zwei Mordmotive kennt – Habgier und Eifersucht –, ist die Sache damit klar. Allerdings pflegt das Ehepaar eine ungewöhnliche Leidenschaft: In zahlreichen Terrarien halten die Büschers Vogelspinnen. Könnte eines der Tiere Rosa gebissen haben? Im Polizeiruf 110 „Im Netz der Spinne“ muss auch dieser Möglichkeit nachgegangen werden.

Während die Kripo noch sortiert, taucht Peter Büscher betrunken an einer ganz anderen Adresse auf: vor der Tür von Dr. Silvia Jansen. Bei der Psychologin war Rosa vor geraumer Zeit lange in Behandlung, weil sie an Bulimie litt, und die Therapie hatte Erfolg. Maiwald, der ohnehin einen Draht zu ihr hat, bittet sie um Hilfe. Wer, wenn nicht sie, könnte Auskunft darüber geben, was die Tote umgetrieben hat? Ein reibungsloses Gespann werden die beiden allerdings nicht: Hier der nüchterne Pragmatiker, der einen Fall am liebsten schnell abhakt, dort die Therapeutin, die sich Zeit nimmt und Menschen zum Erzählen bringt. Dass Maiwalds Interesse nicht allein dem Fall gilt, sondern mindestens ebenso sehr seiner Pathologin Lilo, macht die Zusammenarbeit nicht einfacher.

Eine erste Spur weist in eine andere Richtung. Wie Maiwald herausfindet, hat Rosa ihr letztes Telefonat mit Professor Rudolf Fischer geführt. In dessen Schönheitsklinik „Vitapark“ war sie mehrmals zur Kur gewesen. Was hatten die beiden zu besprechen?

Richtig brisant wird es bei der Testamentseröffnung im BR-Polizeiruf „Im Netz der Spinne“, zu der neben Peter Büscher auch Silvia Jansen geladen ist. Was dort verlesen wird, verschlägt allen Anwesenden die Sprache: Das ansehnliche Vermögen erbt nicht etwa der Ehemann. Alles geht an Professor Fischer. Für den Holzfabrikanten ist das ein doppelter Tiefschlag. Um im Fall einer Pleite nicht alles zu verlieren, hatte er nämlich seinen gesamten Besitz auf seine Frau überschreiben lassen. Außer sich vor Wut kündigt er an, das Testament anzufechten. Und Maiwald, eben noch so sicher, wen er sich vorknöpfen muss, beginnt sich zu fragen, wer vom Tod Rosa Büschers am meisten profitiert …

Hinter den Kulissen

Mit „Im Netz der Spinne“ ermittelt Dr. Silvia Jansen (Gaby Dohm) in ihrem ersten Fall, an ihrer Seite Kommissar Ulf Maiwald (Peter von Strombeck). Es ist die 194. Folge der Reihe und zugleich die Rückkehr des Bayerischen Rundfunks zum Polizeiruf 110. Nach seinem ersten Film „Gespenster“ hatte sich der Sender 1994 aus der Reihe verabschiedet, um sich stärker auf die Serie „Ärzte“ und den „Tatort“ zu konzentrieren. Die Fälle um die Nürnberger Psychologin waren ursprünglich als eigene Reihe mit dem Titel „Eine Frau für alle Fälle“ geplant und wurden erst kurzfristig zu Polizeirufen. Entwickelt wurde das Konzept im Fahrwasser der BBC-Serie „Fitz“.

Auf ihre Rolle bereitete sich Gaby Dohm mit Unterstützung einer Psychologin vor. Vor allem wollte sie wissen, wie man sich als Therapeutin vor zu großer Nähe zu einem Fall schützt: „Anscheinend muss man sich schon in gewisser Weise mit dem Patienten identifizieren. Man muss eine Leidensfähigkeit haben, muss sich aber auch durch Selbstanalyse davor bewahren, sich zu sehr auf eine Geschichte einzulassen.“ Ihre Figur beschreibt sie als Gegenentwurf zum schnellen Ermittler: „Dr. Jansen ist langsamer, ist interessierter daran, Leute zum Reden zu bringen und von sich zu erzählen, anstatt einen Fall nur schnell abzuschließen, um vor Politikern gut dazustehen.“

Regie führte Erwin Keusch nach einem Drehbuch von Klaus-Peter Wolf. Produziert wurde der Film von Infafilm im Auftrag des BR. Gedreht wurde nur teilweise in Nürnberg, unter anderem an der St.-Lorenz-Kirche, am Heilig-Geist-Spital, an der Nürnberger Burg sowie am Hefnersplatz vor der Buchhandlung Jakob und dem Peter-Henlein-Brunnen. Große Teile entstanden in Oberbayern und in einer Kurklinik am Starnberger See. Für die Kostüme war Carola Niemeier-Wagner verantwortlich, die Bauten stammen von Gert B. Venzky. Bei der Erstausstrahlung lag die Zuschauerbeteiligung bei 18 Prozent.

Besetzung

Psychologin Dr. Silvia Jansen – Gaby Dohm
Kommissar Ulf Maiwald – Peter von Strombeck
Pathologin Dr. Lilo Schüller – Regine Leonhardt
Prof. Dr. Rudolf Fischer – Max Volkert Martens
Holzfabrikant Peter Büscher – Armin Rohde
Gabriele Zimmermann, Fischers rechte Hand – Andrea Sawatzki
Gerald Schulz – Gilbert von Sohlern
Patientin – Gabriele Kastner
Patient – Udo Weinberger
Otto Süders – Joost Siedhoff
Jutta Steffens – Tabea Heynig
u. v. a.

Stab

Regie – Erwin Keusch
Drehbuch – Klaus-Peter Wolf
Produktion – Manfred Korytowski, Monika Peetz
Musik – Andreas Köbner
Kamera – Harry Bruntz
Schnitt – Michaela Koch
Produktionsunternehmen – Infafilm, im Auftrag des BR