Kurz und knapp – darum geht’s

Zwölf Jahre lang war das Kinderheim sein Zuhause, nun steht der 18-jährige Micha Romenei auf eigenen Füßen: mit eigener Wohnung, einer Arbeitsstelle und etwas Startgeld in der Tasche. Doch die Sehnsucht nach Geborgenheit lässt ihn nicht los, und so macht er sich auf die Suche nach den Eltern, denen einst das Sorgerecht entzogen wurde. Die Mutter hat nach einer Entziehungskur ein neues Leben begonnen und tut sich schwer mit dem unerwarteten Besuch. Der Vater dagegen überhäuft den Sohn mit Geschenken und verfolgt dabei eigene Pläne. Hoch verschuldet will er einen Lohngeldtransport überfallen, und Micha soll ihm dabei helfen. Während Oberleutnant Jürgen Hübner von der Kriminalpolizei einem Einbruch nachgeht, gerät der junge Mann zwischen alle Stühle …

Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Lass mich nicht im Stich“

Ein Abschied, der eigentlich ein Aufbruch sein soll: Nach zwölf Jahren im Kinderheim wird Micha Romenei ins Erwachsenenleben entlassen. Er bezieht seine erste eigene Wohnung, tritt eine Arbeitsstelle an und bekommt Startgeld mit auf den Weg. Mit dem Heim lässt er allerdings auch die einzige Ordnung zurück, die er wirklich kennt. Anders als manche seiner Kameraden wollte Micha mit seinen Eltern eigentlich nichts mehr zu tun haben. Beide waren Trinker, als er ins Heim kam, und seitdem hat er weder Mutter noch Vater wiedergesehen.

Doch kaum hat er sich im neuen Alltag eingerichtet, lässt ihn die Frage nach seiner Herkunft nicht mehr los. Seine Mutter, so findet er heraus, hat nach der Entziehungskur und der Scheidung von Michas Vater neu angefangen. Heute heißt sie Frau Mertin, lebt mit ihrem Partner Hans Mertin und dessen Tochter Ilona in geordneten Verhältnissen und versteht sich gut mit der Stieftochter. Als plötzlich ihr Sohn vor der Tür steht, ist sie überrumpelt – Scham und Angst halten sie zurück. Das gemeinsame Abendessen im TV-Krimi „Lass mich nicht im Stich“ verläuft entsprechend frostig, zumal Hans Mertin keinen Hehl daraus macht, dass er in dem jungen Mann keinen Stiefsohn sehen will. Ernüchtert zieht Micha wieder ab.

Ein früherer Freund aus dem Heim nimmt ihn mit zu seiner Familie, doch Micha sucht noch immer nach seiner eigenen. Beim zweiten Anlauf steht er seinem Vater Ernst Romenei gegenüber – und erlebt das genaue Gegenteil. Ernst, der ebenfalls vom Alkohol losgekommen ist und als Kraftfahrer arbeitet, empfängt den Sohn mit offenen Armen. Als Micha andeutet, die Eltern hätten an ihm so einiges wiedergutzumachen, lässt sich der Vater nicht lange bitten und kauft ihm wertvolle Dinge, darunter ein Sofa für die neue Wohnung. Der Mutter erzählt Micha später, der Vater habe sich wirklich gefreut, ihn wiederzusehen.

Was der Junge nicht wahrhaben will: Hinter der charmanten, gewinnenden Art steckt noch immer ein Mann mit reichlich krimineller Energie. Ernst Romenei drücken hohe Schulden, und zurück ins Gefängnis will er um keinen Preis. Seine Lösung ist ein riskanter Coup – der Überfall auf einen Lohngeldtransport. Unterdessen hält ein Einbruch in ein Elektrogeschäft Oberleutnant Jürgen Hübner und seine Kollegen von der Kripo auf Trab.

Für sein Vorhaben braucht Ernst Unterstützung, und dafür hat er ausgerechnet den eigenen Sohn ausersehen. Mit Überredungskunst, Geschenken und schließlich wachsendem Druck versucht er, Micha auf seine Seite zu ziehen. Für den jungen Mann, der sich nach nichts so sehr sehnt wie nach einer Familie, wird der Polizeiruf 110 „Lass mich nicht im Stich“ zur Zerreißprobe zwischen der Treue zum Vater und dem eigenen Gewissen. Was er nicht ahnt: Am Zahltag ist es seine Mutter, die das Lohngeld von der Bank abholt …

Hinter den Kulissen

Für Oberleutnant Jürgen Hübner (Jürgen Frohriep) ist es bereits der 47. Fall; insgesamt ist „Lass mich nicht im Stich“ die 96. Folge der Krimireihe Polizeiruf 110. Im Zentrum der Geschichte stehen der Heimabgänger Micha Romenei (Stefan Saborowski) und seine Eltern, gespielt von Annekathrin Bürger und Hans-Peter Reinecke. Micha als Kind verkörpert Danny Awege.

Thomas Jacob schrieb das Drehbuch und führte Regie, als Förster ist er zudem selbst vor der Kamera zu sehen. Gedreht wurde vom 15. Juli bis zum 15. September 1984 unter dem Arbeitstitel „Der Einstieg um Mitternacht“ in Berlin, in Leißnitz (Friedland), in Dahlwitz-Hoppegarten sowie im Schlosspark Niederschönhausen. Für die Kostüme war Evelyn Gesper verantwortlich, die Filmbauten stammen von Günther Möller.

Produziert wurde der Krimi vom Fernsehen der DDR. Bei der Erstausstrahlung lag die Zuschauerbeteiligung bei 54,8 Prozent.

Besetzung

Oberleutnant Jürgen Hübner – Jürgen Frohriep
Leutnant Schulz – Hans-Georg Körbel
Ernst Romenei – Hans-Peter Reinecke
Michael „Micha“ Romenei – Stefan Saborowski
Michael Romenei als Kind – Danny Awege
Bernd Tritschler – Ernst Meincke
Hans Mertin – Klaus Hecke
Ilona Mertin – Peggy Marmuth
Frau Mertin – Annekathrin Bürger
Heimleiter Teichert – Klaus Gehrke
Herr Kober, Wartburg-Eigentümer – Harry Merkel
Herr Leschnitz – Günter Drescher
Bauer Klose – Arnim Mühlstädt
Herr Hellmann – Hans-Ulrich Lauffer
Assistant Richter – Holger Franke
Simone – Annette Richter
Heidrun – Edda Schwarzkopf
Hanna – Katharina Rothärmel
Albert – Oswald Foerderer
Hannes – Uwe Jellinek
Monika – Sabine Arenkes
Bernd – Jörg Hengstler
Jörg – Henry Lange
Inge – Elke Sehrt
Mathias – Thomas Mahlke
Ramona – Ljuba Billinger
Bernd – Oliver Kachliki
K-Techniker – Hans-Jürgen Pabst
K-Mitarbeiter – Manfred Müller
Kraftfahrer bei VEB Chemie – Willi Schrade
Pförtner bei VEB Chemie – Werner Möhring
Kollegin von Frau Mertin – Renate Bahn
Einlassdienst – Norbert Braun
Genosse Wachtmeister – Hans-Joachim Entrich
Genosse Funkstreifenbesatzer – Wolfgang Ernst
Wachtmeister im Funkstreifenwagen – Wolfgang Franke
Mutter von Mathias – Marita Gerasch
Vater von Matthias – Christian Henning
Förster – Thomas Jacob
Möbelträger – Willi Neuenhahn
Sekretärin bei Handelstranssport – Rita Wetzel
u. v. a.

Stab

Regie – Thomas Jacob
Drehbuch – Thomas Jacob
Produktion – Uwe Herpich
Musik – Arnold Fritzsch
Kamera – Wolfram Beyer
Schnitt – Edith Kaluza
Produktionsunternehmen – Fernsehen der DDR
Kostüm – Evelyn Gesper
Filmbauten – Günther Möller

Bild HR / DRA / Wolfgang Rowinski