Kurz und knapp – darum geht’s
Dreißig Jahre lang galt Erwin Reichenbach als verschollen – nun kommt nach einer Explosion in einem Bergwerk sein Skelett zum Vorschein. Für Hauptmann Wolfgang Reichenbach wird der Fall damit zur Familiensache: Der Tote ist sein Vater, der nach dem Krieg als Kriminalpolizist einer Hehlerbande um den damaligen Bürgermeister Richard Grabler auf der Spur war. Gemeinsam mit Oberleutnant Jürgen Hübner will er herausfinden, warum zwei Männer in den Stollen gestiegen sind und wer ihnen den Weg dorthin gewiesen hat. Grabler selbst ist angeblich seit Jahrzehnten tot, und ein Zeuge soll das damals bestätigt haben. Doch Reichenbach mag daran nicht mehr so recht glauben …
Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Schwere Jahre, Teil 2“
Unter Tage hat es gekracht: Nach einer Explosion in einem Bergwerk sitzen zwei Männer in der Tiefe fest, Manfred Oelze und der junge Rudolf Abeleit. Die beiden waren auf eigene Faust in den Stollen gestiegen, gelockt von den Geschichten über einen Schatz, der dort seit den Nachkriegsjahren lagern soll. Sofort läuft eine Rettungsaktion an, doch der Weg zu den Verschütteten ist versperrt. Erst muss eine massive Betonwand gesprengt werden, bevor die Retter überhaupt zu ihnen vordringen können.
Dann macht man im Gestein einen Fund, der eine längst vergangene Geschichte zurück an die Oberfläche holt: ein Skelett. Die Untersuchungen ergeben, dass es sich um Erwin Reichenbach handelt, der vor drei Jahrzehnten spurlos verschwand. Der Kriegsheimkehrer hatte nach 1945 bei der Kriminalpolizei angefangen und war bald einer Bande von Hehlern in die Quere gekommen, die vor nichts zurückschreckte. Die Männer stahlen, legten Feuer und mordeten, um sich zu bereichern und unbequeme Zeugen zum Schweigen zu bringen. Ihre Beute versteckten sie im Bergwerk, ehe sie sie in die westlichen Besatzungszonen schafften. Mit von der Partie: Richard Grabler, damals Bürgermeister des Ortes. Erwin Reichenbach suchte verbissen nach den letzten Beweisen gegen ihn – doch Grabler hatte längst beschlossen, seinem Verfolger zuvorzukommen.
Für Hauptmann Wolfgang Reichenbach wird die Ermittlung im TV-Krimi „Schwere Jahre, Teil 2“ damit zu einer zutiefst persönlichen Angelegenheit, denn der Tote ist sein Vater. Eine erste Spur liefert Manfred Oelze: Er übergibt Reichenbach und seinem Kollegen Oberleutnant Jürgen Hübner einen Plan des Stollens, den er von einem alten Mann bekommen haben will. Wer dieser Unbekannte sein könnte, darüber hat Reichenbach schnell eine eigene Theorie – er hält ihn für Richard Grabler.
Allerdings hat dieser Verdacht einen Haken: Grabler gilt seit Jahrzehnten als tot. Das jedenfalls beteuert Martha Abeleit, die Reichenbach von früher kennt und deren Familie auf verhängnisvolle Weise mit Grabler verbunden ist. Ihre Tochter Anne, einst Reichenbachs Jugendliebe, brachte ein uneheliches Kind von dem Bürgermeister zur Welt – Rudolf, jenen jungen Mann, der nun im Stollen verschüttet wurde. Martha bleibt bei ihrer Darstellung und verweist auf einen Augenzeugen von damals: Willi Konstabel, den Wirt des Ortes.
Also beschließt Reichenbach, dem alten Gastwirt im DDR-Polizeiruf „Schwere Jahre, Teil 2“ selbst auf den Zahn zu fühlen. Ob Konstabel nach all den Jahren bei seiner Version bleibt – oder ob die Vergangenheit, die man im Dorf so gründlich begraben glaubte, doch noch ans Licht drängt …
Hinter den Kulissen
Die Episode ist die 91. Folge der Krimireihe und setzt die gleichnamige 90. Folge fort. Der Zweiteiler wurde als großer Fernsehfilm angelegt: Während der erste Teil in die Vergangenheit zurückblickt, widmet sich der zweite der Suche nach dem Täter in der Gegenwart. Anlass für die Doppelfolge war der 35. Jahrestag der Gründung der DDR. Regie führte Hans-Joachim Hildebrandt, der auch das Drehbuch schrieb.
Für Hauptmann Wolfgang Reichenbach (Friedhelm Eberle) ist es der vierte Fall, für Oberleutnant Jürgen Hübner (Jürgen Frohriep) bereits der 43. Oberstleutnant Brandner (Lothar Schellhorn) ist zum zweiten Mal mit von der Partie.
Gedreht wurde vom 14. April bis zum 30. September 1983, unter anderem in Niederndodeleben und Rottleberode in Sachsen-Anhalt sowie auf der Insel Rügen. Für die Kostüme war Jutta Geißel-Burkhardt verantwortlich, die Filmbauten stammen von Manfred Glöckner und Jürgen Schmidt. Die Zuschauerbeteiligung bei der Erstausstrahlung lag bei 58,2 Prozent.
Besetzung
Hauptmann Wolfgang Reichenbach – Friedhelm Eberle
Oberleutnant Jürgen Hübner – Jürgen Frohriep
Oberstleutnant Brandner – Lothar Schellhorn
Leutnant Neubert – Hans Klima
Richard Grabler, ehemaliger Bürgermeister – Günter Naumann
Martha Abeleit – Evamaria Bath
Margot Abeleit – Katrin Saß
Rudolf Abeleit – Johannes Achtelik
Manfred Oelze – Dieter Bellmann
Gläser – Manfred Richter
Anne Roland – Brigitte Krause
Willi Konstabel 1946 – Klaus-Jürgen Steinmann
Willi Konstabel, Wirt – Otto-Erich Edenharter
Liesbeth Maurer – Hannelore Erle
Postfrau – Gisela Wahlberg
Verkäuferin – Renate Cyll
Tourist – Erhard Gulden
Touristin – Charlotte Hartung
Volkspolizistin – Gisela Graupner
Helga Reichenbach – Petra Hinze
Gertraud Reichenbach – Marga Legal
Hermann Vogler – Stefan Lisewski
Kerstin Abeleit – Ulrike Mai
Arno Abeleit – Jürgen Trott
u. v. a.
Stab
Regie – Hans-Joachim Hildebrandt
Drehbuch – Hans-Joachim Hildebrandt
Produktion – Lutz Clasen
Musik – Peter Gotthardt
Kamera – Walter Laaß
Schnitt – Edith Kaluza
Produktionsunternehmen – Fernsehen der DDR








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