Kurz und knapp – darum geht’s

Ein Opernabend, der in einer Tragödie endet: Bei der Premiere von „Tosca“ bricht der Tenor Werner Austen während der Erschießungsszene tot zusammen, denn eines der Gewehre war scharf geladen. Die Kommissare Herbert Schmücke und Herbert Schneider sitzen selbst im Saal, weil Schmückes Lebensgefährtin Edith Reger das Stück inszeniert hat. Ein Foto vom Grab eines kleinen Jungen, der vor zehn Jahren bei einem nie aufgeklärten Unfall mit Fahrerflucht starb, lenkt den Verdacht auf dessen Bruder Robert. Der stand als Komparse im Erschießungskommando, ist seit der Tat aber spurlos verschwunden. Und dann ist da noch der angesehene Bürgermeisterkandidat Alfred Löbel, ein Freund des Toten, der für die Tatzeit allerdings ein Alibi vorweisen kann …

Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Mordsfreunde“

Festliche Garderobe, volles Haus, gespannte Erwartung – und dann ein Schuss, der kein Bühneneffekt ist. Bei der Premiere der Oper „Tosca“ legt ein Erschießungskommando aus Komparsen auf den Tenor Werner Austen an, die Gewehre krachen, der Sänger sinkt zu Boden. Was wie ein perfekt inszenierter Bühnentod aussieht, ist bitterer Ernst: In einer der Waffen steckte scharfe Munition. Unter den Zuschauern befinden sich ausgerechnet Kriminalhauptkommissar Herbert Schmücke und sein Kollege Herbert Schneider. Schmücke hat sich auf diesen Abend gefreut, schließlich verantwortet seine Lebensgefährtin Edith Reger die Inszenierung.

Noch im Theater nehmen die beiden Ermittler die Arbeit auf, stoßen aber schnell an Grenzen. Sechs Gewehre waren in der Szene im Einsatz, keines davon einem bestimmten Darsteller fest zugeteilt – wer den tödlichen Schuss abgegeben hat, lässt sich im Polizeiruf 110 „Mordsfreunde“ nicht mehr klären. Rätselhaft ist auch ein Fund bei dem Toten: das Foto eines Grabsteins mit der Inschrift „UNVERGESSEN – JAN – 1983 – 1988“. Die Recherche ergibt, dass der kleine Jan vor zehn Jahren von einem Auto erfasst wurde. Die Verantwortlichen machten sich damals aus dem Staub und sind bis heute nicht gefasst.

Bei Jans Mutter Gertrud Boldt erfährt Schneider, wie gründlich der Unfall die Familie zerstört hat: Der Vater nahm sich aus Kummer das Leben, und die Mutter kam mit ihrem zweiten Sohn Robert irgendwann nicht mehr zurecht und gab ihn in ein Heim. Der heute 19-Jährige hat den Tod seines Bruders nie verwunden – und er jobbt als Komparse am Theater. Bei der Premiere gehörte er zum Erschießungskommando. Motiv und Gelegenheit, alles scheint zusammenzupassen. Doch als Robert merkt, dass nach ihm gesucht wird, sucht er das Weite.

Parallel verfolgt Schmücke eine zweite Spur, die in ganz andere Kreise führt: zu Alfred Löbel, einem geachteten Mann, der sich gerade um das Amt des Bürgermeisters bewirbt und mit Austen befreundet war. Nur hat Löbel für die Tatzeit ein Alibi. Und selbst wenn nicht – welchen Grund sollte er haben, und wie hätte er die Tat überhaupt anstellen sollen?

Bald gibt es im MDR-Polizeiruf „Mordsfreunde“ einen zweiten Toten. Georg Quast, früher Löbels Chauffeur, wird leblos in einer abgelegenen Jagdhütte aufgefunden. Robert war vor den Kommissaren dort, hat die Leiche entdeckt und ist erneut in Panik geflüchtet. Bei Quast stoßen die Ermittler wieder auf ein Foto von Jans Grab. Löbel wird abermals in die Mangel genommen, doch auch diesmal kann er belegen, wo er zur fraglichen Zeit war.

Die Indizien scheinen eine eindeutige Sprache zu sprechen: Robert könnte glauben, in Austen, Löbel und Quast die Schuldigen am Tod seines Bruders gefunden zu haben, und nun Rache nehmen. Vorgesetzter Ackermann macht Druck und will schnelle Ergebnisse sehen. Schmücke und Schneider aber trauen dem allzu glatten Bild nicht. Wo steckt Robert – und was ist vor zehn Jahren wirklich geschehen …

Hinter den Kulissen

„Mordsfreunde“ ist die 211. Folge der Krimireihe Polizeiruf 110 und der zehnte gemeinsame Fall für Kriminalhauptkommissar Herbert Schmücke (Jaecki Schwarz) und seinen Kollegen Herbert Schneider (Wolfgang Winkler). Diesmal führt der Fall die beiden mitten in den Theaterbetrieb und zugleich in die Vergangenheit: Neben den aktuellen Morden geht es um einen tödlichen Unfall, der zehn Jahre zurückliegt. Marita Böhme spielt Schmückes Lebensgefährtin Edith Reger, die als Regisseurin der „Tosca“-Inszenierung unmittelbar in die Ereignisse verwickelt ist.

In den Episodenrollen sind Matthias Koeberlin als junger Komparse Robert Boldt, Peter Sattmann als Bürgermeisterkandidat Alfred Löbel und Max Volkert Martens als Tenor Werner Austen zu sehen. Luis Lamprecht verkörpert Georg Quast, Marie Gruber Roberts Mutter Gertrud Boldt. Die Titelpartie der Oper auf der Bühne übernimmt Irina Platon.

Rainer Bär schrieb das Drehbuch und führte auch Regie. Der Kriminalfilm aus dem Jahr 1999 entstand bei der Saxonia Media im Auftrag des MDR, Produzent war Emmo Lempert. Hinter der Kamera stand Franz Ritschel, die Musik komponierte Axel Donner.

Besetzung

Kriminalhauptkommissar Herbert Schmücke – Jaecki Schwarz
Kriminalhauptkommissar Herbert Schneider – Wolfgang Winkler
Edith Reger, Regisseurin und Schmückes Lebensgefährtin – Marita Böhme
Alfred Löbel, Bürgermeisterkandidat – Peter Sattmann
Robert Boldt, Komparse – Matthias Koeberlin
Werner Austen, Tenor – Max Volkert Martens
Paulsen, Requisiteur – Gert Gütschow
Theaterpförtner – Hannes Stelzer
Georg Quast, Löbels ehemaliger Chauffeur – Luis Lamprecht
Gertrud Boldt, Roberts Mutter – Marie Gruber
Kardinal – Werner Dissel
Ludwig – Siegfried Voß
Hannes, Kriminaltechniker – Stefan Gebelhoff
Lambert, Theaterintendant – Christoph Hohmann
Tosca – Irina Platon
N. N. – Marina Schütz
Reporterin – Griseldis Wenner
Rechtsmediziner – Torsten Spohn
u. v. a.

Stab

Regie – Rainer Bär
Drehbuch – Rainer Bär
Produktion – Emmo Lempert
Musik – Axel Donner
Kamera – Franz Ritschel
Schnitt – Marion Fiedler
Produktionsunternehmen – Saxonia Media im Auftrag des MDR