Kurz und knapp – darum geht’s

Als Möbelpacker getarnt, räumt ein eingespieltes Diebesquartett die Wohnungen von Urlaubern aus. Diesmal fahren die Einbrecher sogar am helllichten Tag vor. Für die Hauptleute Peter Fuchs und Wolfgang Reichenbach sowie Oberleutnant Lutz Zimmermann wird aus der Einbruchserie plötzlich ein hochbrisanter Fall: Unter der Beute aus dem Haus der Schwägerinnen Selma und Ida Sikorski befinden sich zwei Kisten mit Chemikalien, darunter ein tödliches Nervengift. Marlies und Axel Reichert, zwei der Diebe, ahnen nicht, was sie da in ihren Keller geschafft haben. Ebenso wenig weiß es ihr Sohn Olaf, dem die Eltern über ihren nächtlichen Geschäften fremd geworden sind – und der die Kisten entdeckt …

Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Das vergessene Labor“

Auf den ersten Blick sieht alles nach einem gewöhnlichen Umzug aus. Ein Lastwagen hält vor dem Haus, Packer tragen Möbel hinaus, und die Nachbarn wundern sich allenfalls darüber, dass die Sikorskis offenbar ausziehen wollen und sich nicht einmal verabschiedet haben. Tatsächlich sind Selma Sikorski und ihre Schwägerin Ida verreist. Die angeblichen Möbelträger sind Einbrecher, die das Haus in aller Seelenruhe leer räumen. Als die beiden Frauen früher als geplant aus dem Urlaub zurückkehren, finden sie ihr Zuhause geplündert vor und alarmieren die Polizei.

Hinter dem dreisten Coup im Polizeiruf 110 „Das vergessene Labor“ steckt ein eingespieltes Gespann: Marlies und Axel Reichert, die eine Altstoffhandlung betreiben, und Siegfried und Regina, Inhaber eines Trödelladens. Mit dem Lastwagen der Altstoffhandlung steuern die vier gezielt Häuser an, deren Bewohner gerade auf Reisen sind. Vor allem Antiquitäten haben es ihnen angetan, denn die lassen sich über das eigene Geschäft unauffällig zu Geld machen. Gewöhnlich schlägt die Bande im Schutz der Dunkelheit zu. Dass sie sich nun bei Tageslicht vor die Haustür wagt, zeugt von einer Selbstsicherheit, die den Ermittlern gehörig zu schaffen macht.

Bei der Aufstellung des Diebesguts kommt Beunruhigendes ans Licht: Neben Möbeln und Nippes fehlen zwei große Kisten voller Chemikalien. Sie stammen von Idas Mann, der während der NS-Zeit im Gasschutzlaboratorium der Spandauer Zitadelle gearbeitet und nach Kriegsende zahlreiche Giftstoffe im Haus eingelagert hatte. Darunter befindet sich eine Ampulle, eingeschlossen in eine Metallkapsel, mit dem Nervengift Soman. Schon eine winzige Menge, eingeatmet, tötet in kurzer Zeit, und der Inhalt dieser einen Ampulle würde genügen, um die Bewohner einer ganzen Kleinstadt umzubringen. Beruhigend ist für die Kriminalisten einzig, dass das Gift erst ab 20 Grad verdampft. Im kühlen Herbst bliebe seine Wirkung auf einen kleinen Umkreis begrenzt. Spätestens jetzt ist der Einbruch im TV-Krimi „Das vergessene Labor“ kein gewöhnlicher Diebstahl mehr, sondern eine Gefahr für viele Menschen.

Von alledem ahnen die Reicherts nichts. Axel hat die beiden Kisten bei dem Raubzug einfach mitgenommen, ohne einen Blick hineinzuwerfen. Seitdem stehen sie im Keller herum. Zu Hause hat das Paar ohnehin andere Sorgen: Marlies und Axel müssen sich eingestehen, dass über all den Beutezügen das Vertrauen ihres Sohnes Olaf verloren gegangen ist. Der tierliebe Junge verbringt viel Zeit in seinem Taubenschlag. Die feuchtfröhlichen Abende, die seine Eltern mit Siegfried und Regina feiern, findet er abstoßend.

Und während die Polizei noch rätselt, wo die gestohlenen Chemikalien geblieben sein könnten, stößt ausgerechnet Olaf auf die Kisten aus dem Keller. Er hat keine Vorstellung davon, mit welch tödlichem Inhalt er es zu tun hat …

Hinter den Kulissen

Für Hauptmann Peter Fuchs (Peter Borgelt) ist es bereits der 54. Fall, Hauptmann Wolfgang Reichenbach (Friedhelm Eberle) ermittelt dagegen erst zum zweiten Mal. Oberleutnant Lutz Zimmermann (Lutz Riemann) ist zum vierten Mal im Einsatz. „Das vergessene Labor“ ist die 89. Folge der Reihe Polizeiruf 110. Regie führte Hans Werner, das Drehbuch stammt von Ulrich Waldner.

Das Diebespaar Marlies und Axel Reichert spielen Ruth Reinecke und Detlef Heintze, ihren Sohn Olaf verkörpert Andreas Haltinger. Peter Groeger und Eva-Maria Fastenau sind als Siegfried „Siggi“ Schmidt und Regina „Puppi“ zu sehen. Erika Pelikowsky und Käthe Reichel spielen die bestohlenen Schwägerinnen Selma und Ida Sikorski.

Gedreht wurde vom 28. Oktober bis zum 21. Dezember 1983 in Berlin, Königs Wusterhausen und Dahlewitz. Bei der Erstausstrahlung lag die Zuschauerbeteiligung bei 53 Prozent.

Besetzung

Hauptmann Peter Fuchs – Peter Borgelt
Hauptmann Wolfgang Reichenbach – Friedhelm Eberle
Oberleutnant Lutz Zimmermann – Lutz Riemann
Marlies Reichert – Ruth Reinecke
Axel Reichert – Detlef Heintze
Olaf Reichert – Andreas Haltinger
Selma Sikorski – Erika Pelikowsky
Ida Sikorski – Käthe Reichel
Siegfried „Siggi“ Schmidt – Peter Groeger
Alois Hauber – Siegfried Weiß
Dr. Weber – Klaus Gendries
Frau Schubert – Charlotte Freygang
Herr Schubert – Curt Trepte
Regina „Puppi“ – Eva-Maria Fastenau
Winfried „Winne“ – Clemens Ziesenitz
Klaus – Johannes Achtelik
Jens – Mirco Jakubschik
Junge Frau – Inge Kießig
Funkstreifenfahrer – Dieter Memel
Genosse Oberstleutnant – Dietrich Mechow
Genosse Leutnant – Manfred Müller
Sekretärin in der K – Wera Paintner
Kriminalist – Gerald Schaale
Kriminaltechniker – Roger Zerath
Taxifahrer – Peter Hoff
u. v. a.

Stab

Regie – Hans Werner
Drehbuch – Ulrich Waldner
Produktion – Fritz Delp
Musik – Conrad Aust
Kamera – Wolfram Beyer
Schnitt – Renate Földesi
Kostüm – Helga Dürwald
Filmbauten – Udo Genschmer
Produktionsunternehmen – Fernsehen der DDR