Kurz und knapp – darum geht’s
Zwölf Sekunden: Länger dauert es nicht, bis die Fahrer eines Geldwagens die Säcke aus dem Nachttresor einer Bank verladen haben. Für den 16-jährigen Hans Wökke reicht das. Der Junge ist aus einem Jugendwerkhof ausgerissen und lässt sich von einem Fremden, der sich „Freddy“ nennt, zu einem Überfall überreden. Doch in der Tatnacht läuft einiges aus dem Ruder. Hans wird gefasst, sein Komplize verschwindet und mit ihm der Geldtransporter. Oberleutnant Jürgen Hübner und Leutnant Vera Arndt haben schnell einen Verdacht: Der Sechzehnjährige sollte von Anfang an nur das Bauernopfer sein. Hans aber schweigt beharrlich, und ohne seine Aussage kommen die Ermittler kaum einen Schritt voran …
Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Nachttresor“
Eine Woche lang sind die beiden Ausreißer auf freiem Fuß, dann geht der Polizei der erste ins Netz: Michael Wormser, der zusammen mit seinem 16-jährigen Freund Hans Wökke aus einem Jugendwerkhof getürmt ist. Im Verhör bei Oberleutnant Jürgen Hübner und Leutnant Vera Arndt erzählt er eine Geschichte, die aufhorchen lässt. In der Mitropa habe Hans einen Mann von ungefähr 30 Jahren kennengelernt und sei kurzerhand mit ihm verschwunden. Viel mehr hat Michael allerdings nicht zu bieten. Seine Beschreibung des Unbekannten bleibt so vage, dass eine Fahndung damit kaum Erfolg verspricht.
Der Fremde nennt sich „Freddy“, den Jungen tauft er „Moses“. Und er hat etwas, das einen abenteuerlustigen Sechzehnjährigen sofort packt: einen Coup, der eigentlich nicht schiefgehen kann. Jeden Tag wird der Nachttresor einer Bank geleert, und die Fahrer des Geldwagens nehmen es mit den Sicherheitsvorkehrungen nicht allzu genau. Rund zwölf Sekunden bleiben einem flinken Dieb, um sich einen der verladenen Säcke zu schnappen. Für die Flucht hat Freddy ein ausgetüfteltes System vorbereitet, Hans muss nur schnell genug sein. Und schnell ist er.
Tatsächlich bekommt Hans in der Tatnacht einen Geldsack zu fassen. Doch dann gerät die Flucht im Polizeiruf 110 „Nachttresor“ jäh ins Stocken. Die Leiter, über die er die Mauer überwinden sollte, hat ein Anwohner des Häuserblocks weggeräumt. Hans sitzt in der Falle und wird gestellt. Während die Geldboten noch hinter dem Jungen herjagen, geschieht das eigentlich Verblüffende: Ihr Wagen ist plötzlich weg, samt zwei weiteren Geldsäcken. Für Hübner und Arndt fügen sich die Teile rasch zusammen. Sie gehen davon aus, dass Freddy den Jungen nur vorgeschickt hat, um die Fahrer abzulenken und dann selbst mit dem Wagen davonzufahren.
Beweisen lässt sich das zunächst nicht, denn Hans schweigt wie ein Grab. So bleiben den Ermittlern im TV-Krimi „Nachttresor“ nur die wenigen Spuren, die der Täter hinterlassen hat. Wenig später taucht der Geldtransporter auf, mit leichten Unfallschäden. Merkwürdig ist, was sich darin findet. Die Säcke sind nicht vollständig geleert und obendrein sorgfältig mit Schifferknoten verschlossen. Für die Kriminalisten ist das ein deutlicher Fingerzeig, denn der Gesuchte stammt ihrer Ansicht nach aus der Schifffahrt.
Um an den Hintermann heranzukommen, greifen Hübner und Arndt zu einer List. Sie lassen Hans laufen, und der Junge steuert prompt die Abbruchwohnung an, in der er mit Freddy den Überfall geplant hat. Doch der Komplize lässt sich dort nicht blicken. Am nächsten Morgen holt Vera Arndt den Sechzehnjährigen wieder ab. Auch die Befragung der Anwohner bringt das Duo kaum weiter.
Den beiden ist klar, dass sie ohne Hans an den Mann aus der Mitropa nicht herankommen. Doch wie bringt man einen sturen Sechzehnjährigen zum Reden, der lieber schweigt, als einen Partner zu verraten, der ihn selbst längst ans Messer geliefert hat …
Hinter den Kulissen
„Nachttresor“ ist die 19. Folge der Reihe Polizeiruf 110. Leutnant Vera Arndt (Sigrid Göhler) ermittelt bereits in ihrem 15. Fall, für Oberleutnant Jürgen Hübner (Jürgen Frohriep) ist es der sechste Einsatz. Den jugendlichen Ausreißer Hans Wökke spielt Mario Müller, als Mann, der sich „Freddy“ nennt, ist Ezard Haußmann zu sehen. Frank Krüper verkörpert Hans’ Freund Michael Wormser.
Helmut Krätzig führte bei dem Fernsehfilm nicht nur Regie, er schrieb auch das Drehbuch. Gedreht wurde vom 20. März bis zum 5. Mai 1973 in Berlin-Köpenick und im Hafen von Brandenburg an der Havel. Als Kulisse für die überfallene Bank diente das Amtsgericht Köpenick. Außerdem zeigt der Film das Ansegeln eines Sportclubs auf den Köpenicker Gewässern.
Für die Kostüme war Isolde Müller-Claud zuständig, die Filmbauten stammen von Anna-Sabine Diestel. Produziert wurde der Krimi vom Fernsehen der DDR.
Besetzung
Oberleutnant Jürgen Hübner – Jürgen Frohriep
Leutnant Vera Arndt – Sigrid Göhler
Hans-Ulrich „Freddy“ Pepping – Ezard Haußmann
Hans „Moses“ Wökke – Mario Müller
Franz Schramm – Herbert Köfer
Michael Wormser – Frank Krüper
Fräulein Schimke – Monika Woytowicz
Herr Berndt – Horst Weinheimer
Frau Meißner – Liselott Baumgarten
Frau Wökke – Barbara Adolph
Steinsetzmeister – Wilhelm Gröhl
Fahrer der K – Günter Sonnenberg
Fotograf – Victor Deiß
Schiffskapitän – Werner Senftleben
K-Techniker – Freimut Götsch
Schutzpolizist – Klaus-Jürgen Steinmann
Staatsanwalt – Harry Pietzsch
Alte Frau – Rita Hempel
1. Bankangestellter – Günter Maass
2. Bankangestellter – Peter Kreusel
Erzieher – Fritz Mohr
Mann mit Funksprechgerät – Erich Breese
Kriminalzeichner – Peter Heiland
u. v. a.
Stab
Regie – Helmut Krätzig
Drehbuch – Helmut Krätzig
Produktion – Heinz Wennemers
Musik – Hartmut Behrsing
Kamera – Walter Küppers, Bernd Sperberg
Schnitt – Gerti Gruner
Produktionsunternehmen – Fernsehen der DDR









Kommentare sind derzeit geschlossen (Zeitfenster abgelaufen).
Noch keine Kommentare vorhanden.