Kurz und knapp – darum geht’s

Der Sieg scheint zum Greifen nah, als sich auf der Zielgeraden ein Rad vom Sulky des Trainers Bernd löst und der Mann schwer stürzt. Bald ist klar, dass jemand vor dem Start mit einer Eisensäge nachgeholfen hat. Oberleutnant Peter Fuchs und Leutnant Vera Arndt tauchen in die Welt des Trabrennsports ein. Hinter freundlichen Gesichtern stoßen sie dort auf Eifersucht, beruflichen Neid und handfeste finanzielle Interessen. Besonders belastet wirken zwei Männer. Der eine ist Trainer Reimer, in dessen Futterkiste die Säge auftaucht. Der andere ist Berufsfahrer Jochen Pilz, den Bernd im Verdacht hatte, sein Pferd mit Absicht zu zügeln. Doch der Kreis derer, die mit dem Verletzten noch eine Rechnung offen haben, ist erstaunlich groß …

Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Siegquote 180“

Trainer Bernd aus dem Rennstall Sievers sitzt diesmal selbst im Sulky. Mit dem Traber Albino liegt er in Führung, als auf der Zielgeraden das Unfassbare geschieht: Ein Rad löst sich, der leichte Wagen kippt, und Bernd schlägt hart auf. Mit lebensgefährlichen Verletzungen kommt er ins Krankenhaus. Was zunächst wie ein tragisches Unglück aussieht, ist in Wahrheit ein Anschlag, denn jemand hat das Rad vor dem Rennen angesägt.

Oberleutnant Peter Fuchs und Leutnant Vera Arndt übernehmen den Fall und hören sich rund um die Rennbahn um. Die ersten Gespräche zeichnen ein freundliches Bild: Bernd gilt als erfolgreicher Trainer, Feinde scheint er keine zu haben. Doch je genauer die Ermittler im Polizeiruf 110 „Siegquote 180“ hinschauen, desto deutlicher zeigt sich, dass es unter der Oberfläche gewaltig brodelt. Schon der Umstand, dass überhaupt der Trainer im Sulky saß, macht die beiden stutzig.

Eigentlich wäre Jochen Pilz an der Reihe gewesen, der Berufsfahrer des Stalls. Wenige Tage vor dem Rennen beschloss Bernd jedoch, Albino selbst zu fahren. Er war überzeugt, dass in dem Pferd weit mehr steckt als die mittleren Plätze, die es unter Pilz regelmäßig belegte. Hinter vorgehaltener Hand wird ohnehin gemunkelt, Pilz halte den Traber absichtlich zurück. Erst kürzlich sind die beiden Männer deswegen aneinandergeraten. Bernd verdächtigte den Fahrer, das Pferd klein zu halten, damit ein Sieg aus dem Nichts die Wettquoten nach oben treibt.

Mindestens ebenso schwer wiegt, was die Polizei bei Trainer Reimer entdeckt: In seiner Futterkiste liegt eine Eisensäge, und zwar genau das Werkzeug, mit dem das Rad präpariert wurde. Ein Motiv hätte Reimer durchaus. Mehrfach musste er vielversprechende Pferde an Bernd abgeben, darunter auch Albino. Ein Trainer erhält zehn Prozent der Gewinnsumme seiner Pferde, also bedeutet jeder Erfolg des Kollegen für Reimer bares Geld, das ihm entgangen ist. Allerdings gehört die Säge gar nicht ihm, sondern dem Schmied des Gestüts.

Und dann ist da noch Bernds Privatleben, das alles andere als ruhig verläuft. Eine Zeit lang hatte er ein Verhältnis mit Frau Sievers, der Ehefrau von Pferdezüchter Kurt Sievers. Danach wandte sie sich ausgerechnet Jochen Pilz zu. Auch Horst Lange aus der Verwaltung ist nicht gut auf den Trainer zu sprechen: Er argwöhnt, dass Bernd ein Auge auf seine Freundin Sonja geworfen hat. Kränkungen, Rivalität und immer wieder Geld – an Motiven herrscht im TV-Krimi „Siegquote 180“ wahrlich kein Mangel.

Für Fuchs und Arndt wird der Kreis der Verdächtigen eher größer als kleiner. Und als schließlich die Buchmacher unter die Lupe genommen werden, stößt die Kripo auf eine handfeste Überraschung …

Hinter den Kulissen

„Siegquote 180“ ist die 13. Folge der Krimireihe Polizeiruf 110 und wurde vom Fernsehen der DDR produziert. Für Oberleutnant Peter Fuchs (Peter Borgelt) und Leutnant Vera Arndt (Sigrid Göhler) ist es bereits der elfte gemeinsame Fall. In weiteren Rollen sind unter anderem Willi Schrade als Berufsfahrer Jochen Pilz, Helmut Schellhardt als Trainer Reimer und Eva-Maria Hagen als Frau Sievers zu sehen.

Regie führte Wolfgang Luderer, das Drehbuch schrieb Walter Dorn. Für die Kostüme war Elisabeth Lützkenberg verantwortlich, die Filmbauten entwarf Christoph Lindemann. Der Krimi entstand in Schwarz-Weiß.

Gedreht wurde vom 9. Oktober bis zum 20. November 1972 in Berlin sowie in den DEFA-Studios in Potsdam-Babelsberg. Wichtigster Drehort war die Trabrennbahn Karlshorst, die dem Film seine Kulisse aus Rennbetrieb, Ställen und Wettgeschäft liefert.

Besetzung

Oberleutnant Peter Fuchs – Peter Borgelt
Leutnant Vera Arndt – Sigrid Göhler
Leutnant Bieler – Hans-Hartmut Krüger
Jochen Pilz, Berufsfahrer – Willi Schrade
Kurt Sievers, Pferdezüchter – Joachim Tomaschewsky
Horst Lange – Eckhard Bilz
Sonja Beier – Edda Dentges
Walter Keller – Arnim Mühlstädt
Frau Sievers – Eva-Maria Hagen
Trainer Reimer – Helmut Schellhardt
Rennbahn-Direktor Schneider – Hannjo Hasse
1. Zuschauer – Axel Triebel
2. Zuschauer – Siegfried Seibt
3. Zuschauer – Otto Schröder
Notarzt – Karl-Maria Steffens
Sicherheitsinspektor – Matthias Molter
1. Krankenschwester – Hannelore Steiner-Freudenberger
2. Krankenschwester – Gloria Jadwiga
Arzt im Krankenhaus – Hans-Ulrich Lauffer
Stallmann – Günter Schubert
u. v. a.

Stab

Regie – Wolfgang Luderer
Drehbuch – Walter Dorn
Produktion – Heinz Wennemann
Musik – Wolfgang Pietsch
Kamera – Peter Krause
Schnitt – Margrit Schulz
Produktionsunternehmen – Fernsehen der DDR