Kurz und knapp – darum geht’s

Eigentlich hat Hauptmann Wolfgang Reichenbach gerade seinen Urlaub angetreten, doch eine Explosion in einem alten Bergwerk ruft ihn zurück in sein Heimatdorf Beiersdorf. Zwei Männer sind verschüttet, und bei der Suche nach ihnen taucht ein Skelett auf: Es sind die sterblichen Überreste von Erwin Reichenbach, dem seit Jahrzehnten verschollenen Vater des Hauptmanns. Für Wolfgangs Mutter Gertrud steht sofort fest, wer dahintersteckt – Richard Grabler, der frühere Bürgermeister. Ein Blick zurück führt in die Jahre nach 1945, als Erwin bei der Kriminalpolizei anfängt und einer skrupellosen Hehlerbande auf die Spur kommt, die ihre Beute in der Grube versteckt und in den Westen schmuggelt. Mit jedem Schritt, den er den Tätern näher kommt, wird die Lage für ihn bedrohlicher …

Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Schwere Jahre, Teil 1“

Kaum hat Hauptmann Wolfgang Reichenbach mit seiner Frau den Urlaubsort erreicht, wird er schon wieder zum Dienst beordert. Der Grund: In Beiersdorf, dem Dorf seiner Kindheit, hat es in einem alten Bergwerksstollen gekracht. Zwei Männer wollten dort Gerüchten nachgehen, nach denen in den Gängen Wertsachen aus der NS-Zeit lagern sollen – dann gab die Decke nach, und Munition aus dem Zweiten Weltkrieg, die noch unter Tage lag, flog in die Luft. Die beiden sind verschüttet. Bei der Suche nach ihnen machen die Rettungskräfte im Polizeiruf 110 „Schwere Jahre, Teil 1“ allerdings zuerst einen ganz anderen Fund: ein Skelett. Ehering und Erkennungsmarke lassen keinen Zweifel daran, um wen es sich handelt – um Erwin Reichenbach, Wolfgangs Vater, der seit Jahrzehnten als verschollen galt.

Die traurige Nachricht muss der Sohn selbst überbringen. Seine Mutter Gertrud muss nicht lange überlegen: Für sie ist klar, dass Richard Grabler ihren Mann auf dem Gewissen hat. Sie verlangt von Wolfgang, den Mann ausfindig zu machen und zur Rechenschaft zu ziehen. Der Hauptmann hält das für aussichtslos – seiner Überzeugung nach ist Grabler längst tot. Doch als er wenig später am Schacht steht, holt ihn die eigene Vergangenheit ein.

Kurz vor Kriegsende suchen der Hitlerjunge Wolfgang und sein Freund Hannes Koselowski während eines Luftangriffs Schutz in der Grube – und treffen dort auf einen Mann in Häftlingskleidung. Er heißt Richard Grabler, sagt, er sei aus einem KZ entkommen, und bittet die Jungen um etwas zu essen und zu trinken. Wolfgangs Großvater nimmt sich des Fremden an und versorgt ihn mit Kleidern und Proviant. Nach dem Krieg wird Grabler Bürgermeister des Ortes. Anfangs ist das Verhältnis zwischen dem neuen Dorfoberhaupt und dem Jungen, der ihn im Stollen entdeckt hat, freundschaftlich, doch bald gibt sich Grabler abweisend und spannt Wolfgang obendrein die Freundin Anneliese Abeleit aus.

Unterdessen kehrt Wolfgangs Vater Erwin früher als erwartet aus der Kriegsgefangenschaft heim, nimmt seine alte Arbeit als Eisenbahner wieder auf und freundet sich mit Grabler an. Dann holt ihn Kreisrat Paul Wunderlich, selbst ehemaliger KZ-Häftling, zur Polizei. Viel zutrauen will man dem Neuling dort allerdings nicht: Sein Vorgesetzter Vallenda hält ihn für ungeeignet und speist ihn mit Kleinkram ab.

Doch Erwin lässt nicht locker. Im DDR-Krimi „Schwere Jahre, Teil 1“ kommt er einer Bande von Hehlern auf die Spur, die vor nichts zurückschreckt: Sie stiehlt, legt Feuer und tötet, um sich zu bereichern und unbequeme Zeugen zum Schweigen zu bringen. Die Beute lagert zunächst im Bergwerk, bevor sie in die westlichen Besatzungszonen geschafft wird. Und mittendrin: Bürgermeister Richard Grabler. Erwin setzt alles daran, die letzten Beweise zu beschaffen, mit denen sich Grabler überführen ließe. Doch der weiß, wie gefährlich ihm der hartnäckige Polizist werden kann – und er ist bereit, bis zum Äußersten zu gehen …

Hinter den Kulissen

Mit „Schwere Jahre, Teil 1“ beginnt ein Zweiteiler: Die 90. Folge der Reihe Polizeiruf 110 findet in Folge 91 unter gleichem Titel ihre Fortsetzung. Während der erste Teil vor allem die Ereignisse der Vergangenheit erzählt, widmet sich der zweite der Tätersuche in der Gegenwart. Anlass der Doppelfolge war der 35. Jahrestag der Gründung der DDR.

Für Hauptmann Wolfgang Reichenbach (Friedhelm Eberle) ist es der dritte Fall – und Eberle übernimmt hier gleich zwei Rollen, denn er verkörpert auch Wolfgangs Vater Erwin. Den jungen Wolfgang im Jahr 1945 spielt Mario Jurisch. Oberstleutnant Brandner (Lothar Schellhorn) ist in dieser Folge zum ersten Mal mit von der Partie.

Hans-Joachim Hildebrandt schrieb das Drehbuch und führte zugleich Regie. Gedreht wurde vom 15. April bis zum 30. September 1983, unter anderem in Berlin und in mehreren Dörfern in Sachsen-Anhalt; für den zweiten Teil entstanden zudem Aufnahmen an der Ostseeküste. Die Kostüme entwarf Jutta Geißel-Burkhardt, die Filmbauten stammen von Manfred Glöckner und Jürgen Schmidt. Bei der Erstausstrahlung lag die Zuschauerbeteiligung bei 56,4 Prozent.

Besetzung

Hauptmann Wolfgang Reichenbach / Erwin Reichenbach – Friedhelm Eberle
Oberstleutnant Brandner – Lothar Schellhorn
Richard Grabler, Bürgermeister – Günter Naumann
Martha Abeleit – Evamaria Bath
Gertrud Reichenbach 1983 – Marga Legal
Gertrud Reichenbach – Ellen Rappus
Helga Reichenbach – Petra Hinze
Max Reichenbach – Wilhelm Koch-Hooge
Anna Reichenbach – Christel Peters
Paul Wunderlich, Kreisrat – Arno Wyzniewski
Hermann Vogler – Stefan Lisewski
Krassert – Uwe Zerbe
Simonis – Ernst-Georg Schwill
Vallenda – Klaus Mertens
Käthe Buschhorn – Regine Heintze
Schwertfeger, Großbauer – Ulrich Voß
Willi Konstabel – Klaus-Jürgen Steinmann
Prof. Dürrmann – Wolfgang Lohse
Wolfgang Reichenbach 1945 – Mario Jurisch
Anneliese – Maxi Biewer
Hannes Koselowski – Frank Walter
Rudolf Abeleit – Johannes Achtelik
Manfred Oelze – Dieter Bellmann
Bauer Siegler – Peter Kalisch
Bäuerin Siegler – Erika Stiska
Kriminalassistent Grunert – Bernd Storch
Hebamme – Barbara von Steuben
Magd Hannchen – Carmen Schütze
Renate Seidel – Elgin Klima
Irmchen – Marianne Schulze Zilles
u. v. a.

Stab

Regie – Hans-Joachim Hildebrandt
Drehbuch – Hans-Joachim Hildebrandt
Produktion – Lutz Clasen
Musik – Peter Gotthardt
Kamera – Walter Laaß
Schnitt – Edith Kaluza
Produktionsunternehmen – Fernsehen der DDR