Kurz und knapp – darum geht’s
Aus Langeweile wird bitterer Ernst: In einem Ost-Berliner Park bedrängen die Halbstarken Fetzer, Ali und Ghandi einen alten Mann mit ihren Motorrädern, bis Rentner Paul Weber angefahren wird, zusammenbricht und bewusstlos liegen bleibt. Die drei suchen das Weite. Hauptmann Peter Fuchs und seine Kollegen stehen vor einer Fahndung mit denkbar dünner Spur, denn die Zeugen liefern kaum mehr als einen Spitznamen. Für Leutnant Vera Arndt kommt der Anruf ausgerechnet mitten in ihre Abschiedsfeier. Zusammen mit ihrem Nachfolger Lutz Zimmermann, der gerade erst zum Team stößt, übernimmt sie den Fall, während sich die Clique längst in Sicherheit glaubt und schon die nächste „Aktion“ ausheckt …
Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Es ist nicht immer Sonnenschein“
Ein Park mitten in Ost-Berlin, jede Menge freie Zeit – und trotzdem wissen Fetzer, Ali und Ghandi nichts mit sich anzufangen. Die Langeweile hängt den drei Jugendlichen zum Hals heraus, sie sind auf der Suche nach irgendeiner Abwechslung. Die findet sich schneller als gedacht: Als Fetzer auf dem Heimweg durch den Park fährt, hält ihn Rentner Paul Weber an und beschimpft ihn, weil hier nicht gefahren werden darf. Fetzer denkt nicht daran, die Standpauke auf sich sitzen zu lassen. Er macht kehrt und holt seine beiden Kumpel als Verstärkung.
Eigentlich wollen die drei dem alten Mann nur einen gehörigen Schrecken einjagen. Mit ihren Maschinen umkreisen sie ihn, ziehen die Runden immer enger und setzen ihn gehörig unter Druck. Doch dann kippt die Sache: Fetzer fährt den Rentner an, Weber bricht zusammen und rührt sich nicht mehr. Statt zu helfen, geben die drei Gas und machen sich aus dem Staub. Der alte Mann bleibt ohne Bewusstsein zurück.
Dabei könnten die drei Freunde kaum unterschiedlicher sein. Ali arbeitet in einer Kohlenhandlung, sein Vater ist Alkoholiker. Ghandi lebt bei seiner Mutter und hätte durchaus den Kopf für mehr gehabt, hat die Schule aber aus purer Bequemlichkeit abgebrochen und verdient sein Geld nun als Maler. Fetzer wiederum wächst in einem autoritären Elternhaus auf und lehnt sich gegen dessen Regeln und Verbote auf, wo er nur kann.
Bei der Kriminalpolizei herrscht derweil Feierstimmung: Hauptmann Peter Fuchs und Oberleutnant Jürgen Hübner verabschieden Leutnant Vera Arndt, die dem aktiven Polizeidienst den Rücken kehrt und künftig als Dozentin an einer Polizeihochschule unterrichten wird. Bei dieser Gelegenheit stellt sich auch ihr Nachfolger vor, Oberleutnant Lutz Zimmermann. Doch aus dem gemütlichen Ausklang wird nichts, denn mitten in die Runde platzt die Nachricht von den Vorfällen im Park. So bekommt Vera Arndt noch einen allerletzten Fall – und Zimmermann an ihrer Seite gleich seinen ersten.
Leicht machen es die Umstände dem neuen Gespann im Polizeiruf 110 „Es ist nicht immer Sonnenschein“ nicht. Die Aussagen der Zeugen geben kaum etwas her, und am Ende bleibt den Ermittlern nur ein einziger Anhaltspunkt: Einer der Täter wurde Ghandi gerufen. Mit diesem dünnen Faden in der Hand nimmt die Kriminalpolizei die Fahndung nach drei jugendlichen Motorradfahrern auf, und zwar in ganz Ost-Berlin. Eine Suche nach der sprichwörtlichen Nadel im Heuhaufen.
Fetzer, Ali und Ghandi ahnen davon nichts. Sie wiegen sich in Sicherheit und schmieden im TV-Krimi „Es ist nicht immer Sonnenschein“ bereits Pläne für ihren nächsten Streich. Doch diesmal sind ihnen die Ermittler dichter auf den Fersen, als sie glauben …
Hinter den Kulissen
Mit dieser Folge verabschiedet sich eine Figur der ersten Stunde: Leutnant Vera Arndt (Sigrid Göhler), seit der allerersten Folge der Reihe 1971 dabei, ermittelt hier zum 47. und letzten Mal. Ihre Frustration über das Leben als Polizistin hatte sie bereits im Fall „Schuldig“ deutlich gemacht. Göhler kehrte danach nur noch ein einziges Mal in die Reihe zurück – 2001 mit einer Nebenrolle in der Jubiläumsfolge „Kurschatten“. Als Nachfolger tritt Oberleutnant Lutz Zimmermann (Lutz Riemann) erstmals in Erscheinung. Ganz neu im Polizeiruf war Riemann allerdings nicht: In der 1982 erschienenen Folge „Im Tal“ war er bereits einmalig als Oberleutnant Karl-Heinz Schlenker zu sehen.
Für Hauptmann Peter Fuchs (Peter Borgelt) ist es der 52. Fall, Oberleutnant Jürgen Hübner (Jürgen Frohriep) ist in seinem 40. Einsatz in einer Nebenrolle zu sehen. Insgesamt handelt es sich um die 84. Folge der Reihe.
Manfred Mosblech schrieb das Drehbuch und führte Regie. Gedreht wurde vom 20. April bis zum 13. Juni 1982 in Berlin, damals noch unter dem Arbeitstitel „Mitten auf der Straße“. Die Kostüme stammen von Doris Haußmann, die Filmbauten von Andreas Mücke. Die Gruppe Filosof hat einen Auftritt als Band, außerdem ist „Gewitterregen“ von Karat zu hören. Bei der Erstausstrahlung im 1. Programm des Fernsehens der DDR lag die Zuschauerbeteiligung bei 51 Prozent.
Musik
Karat – Gewitterregen
Besetzung
Hauptmann Peter Fuchs – Peter Borgelt
Oberleutnant Jürgen Hübner – Jürgen Frohriep
Oberleutnant Lutz Zimmermann – Lutz Riemann
Leutnant Vera Arndt – Sigrid Göhler
ABV Reiter – Wilfried Pucher
Horst „Fetzer“ Ackermann – Ralf Kober
Günter „Ghandi“ Kern – Marian Wolf
Hans „Ali“ Klügel – Burkhard Behnke
Monika Schmalke – Kerstin Heine
Gabi – Susanne Krahnert
Astrid – Daniela Hoffmann
Frau Kern – Annemone Haase
Frau Ackermann – Ingeborg Krabbe
Herr Ackermann – Günter Naumann
Frau Schmalke – Angela Brunner
Herr Schmalke – Günter Schubert
Rentner Paul Weber – Johannes Wieke
Zeuge Kieper – Arthur Jopp
Dieter Reiter – Jürgen Trott
Silke – Elke Reuter
Einlasser am Café der Jugend – Roman Silberstein
Paul Krause – Werner Senftleben
Kneipier – Willi Neuenhahn
Wärter im Schwimmbad – Werner Kamenik
Kellner – Hans Grzesczak
Edi – Joachim Kaps
Mädchen – Ines Bluhm
Jugendlicher mit Moped – Matthias Wien
Autowäscher – Hans Joachim Thieme
Zeuge in der S-Bahn – Christian Hoelzke
Jugendlicher – Thomas Nadolsky
Jugendliche – Claudia Jatzkowski
Kneipenbesucherin – Ulrike Lehmann
Pit – Uwe Birkemeyer
Totti – Ralf Gurbicz
Atze – Hardy Häusler
Pelle – Mario Jänicke
Frau im Park – Ilka Hügel
Mann im Park – Stefan Herforth
Jugendlicher mit Gitarre – Thom Nowotny
u. v. a.
Stab
Regie – Manfred Mosblech
Drehbuch – Manfred Mosblech
Produktion – Gerhard Freudel
Musik – Hartmut Behrsing
Kamera – Winfried Kleist
Schnitt – Gerti Gruner
Kostüm – Doris Haußmann
Filmbauten – Andreas Mücke
Produktionsunternehmen – Fernsehen der DDR









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