Kurz und knapp – darum geht’s
Mitten in der Nacht strömt im Haus der Familie Werner Gas aus: Der zweijährige Tobias stirbt, seine Eltern Christiane und Hartmut werden bewusstlos in die Klinik gebracht. Nur die kleine Annett schafft es zu ihren Großeltern – und steht seitdem unter schwerem Schock. Oberleutnant Jürgen Hübner soll herausfinden, ob es wirklich ein Unglück war. Hinter der bürgerlichen Fassade tun sich bald Risse auf: Seit zwei Jahren hat Hartmut eine Affäre mit Sabine Krumm, der Frau seines Freundes Rainer. Ausgerechnet dieser Rainer ist der Chefarzt, der nun die Werners behandelt. Polizeipsychologe Dr. Rohrbach versucht, gemeinsam mit Annett jenen Abend zu rekonstruieren, doch das Mädchen lässt niemanden an sich heran …
Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Traum des Vergessens“
Ein kleines Mädchen im Nachthemd läuft allein durch die nächtliche Stadt. Annett Werner ist aufgewacht, weil ihr zweijähriger Bruder Tobias aus dem Doppelstockbett gefallen ist. In der Wohnung riecht es nach Gas, und so sehr sie es auch versucht – Vater und Mutter wachen nicht auf. Also macht sie sich auf den Weg zu ihren Großeltern. Opa Rudolf holt die ohnmächtigen Eltern aus dem Haus, ein Krankenwagen bringt beide in die Klinik. Für Tobias jedoch kommt jede Hilfe zu spät: Der Junge stirbt noch am Unglücksort an einer Gasvergiftung.
Annett behalten die Ärzte mit schweren Schocksymptomen im Krankenhaus. Unablässig fragt sie nach ihrem Bruder, doch niemand sagt ihr, dass Tobias nicht mehr lebt. Die Behandlung der Werners übernimmt der Chefarzt selbst: Dr. Rainer Krumm, der mit der Familie befreundet ist. Während Hartmut Werner schon bald wieder ansprechbar ist, liegt seine Frau Christiane im Koma – sie hatte vor dem Zubettgehen Schlafmittel genommen.
Gerade diese Freundschaft hat es allerdings in sich. Seit vier Jahren kennen sich die Ehepaare Werner und Krumm, seit zwei Jahren hat Hartmut ein Verhältnis mit Rainers Frau Sabine – und die beiden anderen Ehepartner wissen Bescheid. Die verschlossene Christiane trägt ihren Kummer still mit sich herum und benutzt die Kinder als Druckmittel, um eine Scheidung abzuwenden. Rainer wiederum meint, Sabine seine Liebe durch Großzügigkeit beweisen zu können. Erst als Sabine und Hartmut tatsächlich die Trennung wollen, setzen sich Christiane und Rainer zur Wehr. Christiane droht sogar damit, sich das Leben zu nehmen.
Oberleutnant Jürgen Hübner muss im Polizeiruf 110 „Traum des Vergessens“ klären, wie es zu dem Gasaustritt kommen konnte. Hartmut Werner ist überzeugt, dass es ein Unfall war, und erzählt von jenem Abend: Nach einem Streit habe Christiane in der Küche noch das Geschirr spülen wollen, es dann aber doch bleiben lassen und sich vor ihm schlafen gelegt. Er selbst habe sich später etwas zu trinken aus der Küche geholt – dass ein Gashahn offen stand, sei ihm dabei nicht aufgefallen. Die Ermittler vermuten, dass Christiane Wasser auf dem Herd erhitzen wollte und schlicht vergaß, die Flamme anzuzünden.
Für Rainer Krumm und Polizeipsychologe Dr. Rohrbach aber zählt vor allem Annett. Das Mädchen ist für Fragen unerreichbar, schreit, und als ihr Vater sie besucht, gerät sie in Panik. Oft steht sie reglos am Fenster und blickt hinunter in den Klinikpark, wo sie eine glückliche Familie mit zwei Kindern zu sehen glaubt. Behutsam versucht Rohrbach, im Spiel mit ihr die Ereignisse nachzustellen, doch jedes Mal bricht Annett nach kurzer Zeit ab. Und solange sie schweigt, bleibt im DDR-Polizeiruf „Traum des Vergessens“ im Dunkeln, was in jener Nacht wirklich geschehen ist …
Hinter den Kulissen
„Traum des Vergessens“ ist die 95. Folge der Reihe und der 46. Fall für Oberleutnant Jürgen Hübner (Jürgen Frohriep). An seiner Seite steht Polizeipsychologe Dr. Rohrbach (Werner Godemann). Die kleine Annett spielt Katja Rank, ihre Eltern Christiane und Hartmut Werner verkörpern Petra Kelling und Wolf-Dieter Lingk, das Ehepaar Sabine und Rainer Krumm Hannelore Koch und Wolfgang Dehler.
Regie führte Hans-Werner Honert, der auch das Drehbuch schrieb und selbst in einer kleinen Rolle als Kneipengast zu sehen ist. Gedreht wurde vom 20. Oktober bis zum 20. Dezember 1984 unter dem Arbeitstitel „Das laute Schweigen“ in Dresden, Radeberg und Oberbärenburg sowie an der Ostsee. Die Kostüme entwarf Barbara Voigt, die Filmbauten stammen von Günther Möller.
Bei der Erstausstrahlung lag die Zuschauerbeteiligung bei 61,2 Prozent. Auf der VII. Leistungsschau des Bereichs Fernsehdramatik des DDR-Fernsehens erhielt der Film 1986 in der Sparte Dramatische Produktionen des Jahres 1985 das Prädikat „Besonders wertvoll“.
Besetzung
Oberleutnant Jürgen Hübner – Jürgen Frohriep
Polizeipsychologe Dr. Rohrbach – Werner Godemann
Leutnant – Walter Nickel
Kriminaltechniker – Jürgen Polzin
Sabine Krumm – Hannelore Koch
Dr. Rainer Krumm, Chefarzt – Wolfgang Dehler
Christiane Werner – Petra Kelling
Dr. Hartmut Werner – Wolf-Dieter Lingk
Annett Werner – Katja Rank
Hedwig Mittau – Helga Raumer
Rudolf Mittau, Annetts Großvater – Günther Grabbert
Schwester Karin – Doris Otto-Franke
Schwester Angelika – Barbara Zinn
Dr. Albrecht – Norbert Braun
Dr. Renger – Michael Telloke
Pförtner – Heinz-Karl Konrad
Gastwirt – Michael Lucke
René Krumm – Peter von Ruthendorf
Patient – Stefan Hermann
Kneipengast – Hans-Werner Honert
Tobias, Sohn der Eheleute Werner – Enrico Hund
Ehefrau – Anna Maria Olizeg
Nachbar der Eheleute Mittau – Johannes Richter
Ehemann – Klaus Werthmann
u. v. a.
Stab
Regie – Hans-Werner Honert
Drehbuch – Hans-Werner Honert
Produktion – Uwe Herpich
Musik – Jürgen Wilbrandt
Kamera – Wolfgang Voigt
Schnitt – Margrit Schulz
Produktionsunternehmen – Fernsehen der DDR








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