Kurz und knapp – darum geht’s
Ein Thüringer Kurort gerät in Unruhe: Während die Patienten ihre Tage mit Anwendungen und Untersuchungen verbringen, werden daheim ihre Wohnungen ausgeräumt. Hauptmann Wolfgang Reichenbach, Leutnant Thomas Grawe und ihre neue Kollegin Leutnant Sabine Baumert stoßen dabei immer wieder auf denselben Namen: Horst Plessow, charmanter Klavierlehrer und Gastgeber beliebter Musikabende, die sämtliche Opfer besucht haben. Die Beschreibung, die Hausbewohner von einem Verdächtigen geben, passt ausgerechnet auf ihn. Doch der Mann, dem die Frauenherzen zufliegen, hat für jede Tatzeit ein sicheres Alibi. Stimmt Reichenbachs Verdacht, muss jemand anders für Plessow die Drecksarbeit erledigen …
Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Still wie die Nacht“
Tagsüber Unterwassermassagen und Untersuchungen, abends Kerzenschein und klassische Musik von alten Schellackplatten: Im Kurort weiß Horst Plessow genau, was seine Gäste nach einem anstrengenden Behandlungstag brauchen. Der Klavierlehrer und Alleinunterhalter lädt zu musikalischen Soireen und zur Diskothek bei Kerzenlicht, und die Veranstaltungen sind gut besucht. Vor allem die Damen hängen an den Lippen des galanten Gastgebers – eine Bewunderung, die Plessow durchaus zu schätzen weiß.
Auch Renate Liebig hat den Musiker während ihrer Kur kennengelernt. Dass sie seinem Charme nicht gänzlich abgeneigt ist, hat Gründe: Ihr Mann Falk, Modedesigner, nimmt es mit der Treue nicht so genau und betrügt sie ständig mit Models. Als Falk seine Frau im Kurort besucht, verbringt das Paar einen Abend bei einer von Plessows Veranstaltungen. Wenig später folgt die böse Überraschung: Genau in dieser Zeit ist in die Wohnung der Liebigs eingebrochen worden. Verschwunden sind unter anderem eine wertvolle Fotoausrüstung und Falks Briefmarkensammlung – ein Schaden von rund 50.000 Mark.
Am Tatort finden die Ermittler im Polizeiruf 110 „Still wie die Nacht“ Fußspuren und eine Pfeife, die der Einbrecher offenbar verloren hat und die unter einen Schrank gerollt ist. Hausbewohner wollen einen Mann mit Schnauzbart gesehen haben, und diese Beschreibung lässt sofort an Horst Plessow denken. Nur hat der einen Haken an der Sache parat: Zur Tatzeit stand er vor Publikum und legte Platten auf. Ein besseres Alibi lässt sich kaum denken.
Hauptmann Reichenbach lässt trotzdem nicht locker. Unterstützt wird er von Leutnant Thomas Grawe und von Leutnant Sabine Baumert, die neu an seiner Seite ist und ohne lange Eingewöhnungszeit mitten in die Ermittlungen hineingezogen wird. In den Akten stoßen die Kriminalisten auf ältere, ungeklärte Einbrüche nach demselben Strickmuster: Stets war einer der Eheleute zur Kur, stets bekam er Besuch vom Partner – und genau dann wurde die leere Wohnung heimgesucht. Weil sämtliche Opfer zuvor Plessows Musikabende besucht haben, mag Reichenbach an einen Zufall nicht mehr glauben.
Ein Blick auf das Privatleben des Charmeurs zeigt, dass es dort alles andere als harmonisch zugeht. Da ist Elsa, die Plessow vor sieben Jahren kennenlernte, als er beruflich am Boden lag, und die ihn wieder aufgerichtet hat. Doch seit einiger Zeit hintergeht er sie mit der deutlich jüngeren Masseurin Kerstin, die ihm zudem als Assistentin zur Hand geht. Und auch finanziell steht Plessow bei Elsa in der Kreide: 5.000 Mark ist er ihr schuldig.
Für Reichenbach und sein Team im TV-Krimi „Still wie die Nacht“ bleibt damit die entscheidende Frage offen. Wenn Plessow die Einbrüche nicht selbst begangen haben kann, dann muss es jemanden geben, der für ihn in die Wohnungen eindringt, während er seine Gäste mit Musik verwöhnt. Doch wer könnte dieser Komplize sein …
Hinter den Kulissen
„Still wie die Nacht“ ist die 119. Folge der Reihe Polizeiruf 110 – und zugleich ein Abschied: Für Hauptmann Wolfgang Reichenbach (Friedhelm Eberle) ist es der sechste und letzte Fall. Leutnant Thomas Grawe (Andreas Schmidt-Schaller) ermittelt zum 14. Mal, Leutnant Sabine Baumert (Karin Düwel) hat hier ihren ersten Einsatz. Den charmanten Horst „Horsti“ Plessow spielt Jürgen Zartmann.
Drehbuch und Regie stammen von Hans-Joachim Hildebrandt. Die DEFA produzierte den Film im Auftrag des Fernsehens der DDR; gedreht wurde vom 1. September bis Anfang November 1987 in Berlin, Potsdam, Brandenburg, Eisenach, Bad Liebenstein, Bad Salzungen und Steinbach. Für die Kostüme war Katrin Johnsen verantwortlich, die Filmbauten schuf Heinz Leuendorf.
Seinen Titel verdankt der Krimi dem Gedicht „Still wie die Nacht“ eines unbekannten Verfassers, das Carl Bohm vertont hat und das im Film mehrfach zu hören ist. Bei der Erstausstrahlung lag die Zuschauerbeteiligung bei 34,1 Prozent.
Besetzung
Hauptmann Wolfgang Reichenbach – Friedhelm Eberle
Leutnant Sabine Baumert – Karin Düwel
Leutnant Thomas Grawe – Andreas Schmidt-Schaller
Horst „Horsti“ Plessow, Klavierlehrer und Alleinunterhalter – Jürgen Zartmann
Falk Liebig, Modedesigner – Gert Gütschow
Renate Liebig, Kurpatientin – Irma Münch
Elsa Biedermann – Heide Kipp
Uta Mahlow – Regine Heintze
Kerstin Franke, Masseurin – Daniela Hoffmann
Frau Schellow – Barbara Zinn
Herr Kreutzer – Alexander Wikarski
Eveline Kreutzer – Rita Feldmeier
Gerda Mahlow – Traute Sense
Massagekundin – Theresia Wider
Verwaltungschefin – Renate Hundertmark
Frau Schmitz – Hannelore Fabry
Nachtschwester – Ursula Birr
Genosse Leutnant – Erhard Marggraf
Leutnant Günther – Ralf Lindermann
Dr. Schmidt – Frank Schenk
Herr Winter – Manfred Richter
Kriminaltechniker – Gerd Staiger
Sportarzt – Hans J. Finke
Wirt – Gerd Funk
Frau Witte – Ilse Bastubbe
Erste ältere Dame – Ursula Fischer-Maschwitz
Zweite ältere Dame – Johanna Freiberg
Zweite junge Frau – Cornelia Hudl
Herr Werner – Thomas Jacob
Erste junge Frau – Swetlana Skorochodowa
u. v. a.
Stab
Drehbuch – Hans-Joachim Hildebrandt
Regie – Hans-Joachim Hildebrandt
Kamera – Günter Eisinger
Schnitt – Anneliese Hinze-Sokolowa
Musik – Karl-Ernst Sasse
Kostüm – Katrin Johnsen
Filmbauten – Heinz Leuendorf
Produktion – Erich Albrecht
Produktionsunternehmen – DEFA im Auftrag des Fernsehens der DDR

Nächste Kommentarmöglichkeit: Sonntag, 01.11.2026 ab 17:00 Uhr (in ca. 3 Tagen).
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